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Die Geschichte von Hurghada

El Ghardaqa - wie die Ägypter die Stadt nennen (übersetzt in etwa - die Brücke oder der Steg)

Nach meiner ersten Singelreise nach Safaga, zog es mich im März 2004 nach Hurghada:  Inzwischen hatte ich im Internet die schaurigsten Geschichten über alleinreisende Frauen in Ägypten gelesen. Ein Ägyptischer Bekannte fragte: Warum hast du Angst?, das brauchst du nicht. Leider musste er damals kurzfristig nach Deutschland. Nun saß ich da: Aber bevor mich die Langweweile oder die Neugierte umbrachte, war es eines abends dann soweit, ich band meine blonden Haare zusammen, zog eine schwarze Windjacke bis über die Ohren und trabte mutig los. Tja, was soll ich sagen? Der Bekannte hatte Recht, es war kinderleicht. Das bisschen "angelaabere" war kaum der Rede Wert. Ich sah niemanden an, achtete vielmehr auf den unglaublich verworrenen Verkehr, damit mich keiner "übermähte" und natürlich auf die vielen Schlaglöcher. Später im Hotel kreisten die Gedanken über das Erlebte und ich fragte mich - wie diese Stadt wohl entstanden sein mochte. Denn über die Geschichte dieses Ortes wusste ich bis dahin nichts, merkte aber, dass ich er immer mehr faszinierte. Das alles war im März 2004. (Auszug aus meiner Reisetagebuchschreiberei):

Die Geschichte im groben Zeitraffer: Anfang 1900 bestand Hurghada nur aus einer kleinen Ansammlung von ca. 5 Fischerhütten, in denen Beduinen den vorbei ziehenden Karavanen ihren Stockfisch verkauften. Markantes Merkmal des Treffpunktes soll ein s.g. Gharqadbaum (Bocksdorn)  gewesen sein, der in Strandnähe wuchs. Mit den Jahren verwandelte sich der Name Gharqad in Al Gharqad, bis am Ende Al Gharqada draus wurde. Um 1915 kamen britische Ölsucher dazu und Menschen die sich Arbeit, Händler die sich Geschäfte erhofften. Ohne Rücksicht auf die Natur wurde nach dem schwazern Gold gebohrt, aber die Ausbeute war eher mager. Die Ölsucher gingen in Richtung Norden nach Ras Gharib, viele Menschen aber blieben, entdeckten den Fischfang wieder und bestritten durch Handel ihren Lebensunterhalt. Offiziell wurde Hurghada 1931 in die Bücher eingetragen, wurde Provinzhauptstadt und bekam einen strategisch wichtigen Militärflughafen.

Das so genannte Camp David-Abkommen vom 17. September 1978 sollte Frieden in Nahost schaffen - doch wirkliches Vertrauen herrscht zwischen den einstigen Kriegsgegnern - leider - bis heute nicht. Ungefähr zur dieser Zeit, wurde der ehemalige General der ägyptischen Armee "Yussuf Affifi" als Gouverneur der Provinz Red Sea ernannt. Das war für ihn nicht gerade der attraktivste Posten. Der ca. 1.000 Seelen zählende Ort schien zu jener Zeit sogar von Allah verlassen und das wollte der fiffige und tatkräftige General ändern. Er witterte die Chance des eher öder Örtchens und begann diesen zu erschließen. Er bezierzte finanzkräftige Investoren mit der Vergabe von preiswertem Land, gab ihnen unbürokratische Baugenehmigungen - mit kräftigen Steuernachlässen - die teilweiste bis heute gelten. Besagter Gouverneur Yussuf Afifi wird heute als ein s.g. Volksheld gesehen, in Hurghada und auch El Gouna sind Straßen nach ihm benannt!!

Zuerst "organisierte" er die Fischer, damit ihnen die großen Firmen aus Alexandria und Kairo nicht mehr die Preise vorschreiben konnten. Dadurch brachte der Fischfang plötzlich Gewinne ein. Diesen wiederum legte der General in die Strom und Süßwasserpipelines an und so war die Grundlage für eine auf- und ausbaufähige Infrastruktur geschaffen. Hurghada war aus dem Dornröschenschlaf erwacht. Aber ehe die herrlichen Strände, die Korallenriffe und das glasklare Wasser den Touristen aus aller Welt als Zutaten für einen Traumurlaub verkauft wurden, dauerte es noch eine Weile. Der Grundstein für die Touristische Erschließung in dieser Region legte Mohamady Hwaidak (auch Vater Hurghadas genannt) zuerst in Safaga und zwar am 1.11.1979. Überredet hatte ihn ein deutscher Tauchlehrer namens Falco Engelhard. Dieser war der festen Meinung, dass die Zukunft der Region am Roten Meer, im Tauchsport läge. Herr Hwaidak hatte mit vielem gerechnet, - Wattwanderungen, Bergsteigen, ja, - aber Tauchen? Eigentlich sind die Taucher die touristischen Ureinwohner von Hurghada, denn "Tauchtourismus" gab es zu der Zeit schon. Rudi Kreip zum Beispiel hatte seine "Zelte" schon um 1977 vor Ort aufgeschlagen. Allerdings hielt man die vereinzelten "Figuren für eine Handvoll Spinner", die in Zelten campierten und für ihren Sport ihr Leben riskierten. Engelhard schlug Hwaidak vor, einen Gebäudeteil der "Aluminium Company" in Safaga zu mieten und zu einem "Hotel" umzubauen. Gesagt getan! Die Rechnung der Beiden ging auf. Das Hotel, deren Gäste auf dem (ehemaligen) Militärflughafen in Hurghada landeten, war immer voll ausgelastet.

Es standen schon zwei Hotels in der Gegend von Hurghada, dass staatliche ca 1963 eröffnete, vom Ägyptischen Architekten M. Ramsy Omar entworfen und gebaute, damit sich betuchte Gäste aus Nah und Fern so richtig gut erholen sollten, was aber mehr schlecht als recht funktionierte. Und das fast Zeitgleich, ein paar km südlich gelegene "Magawish" im Besitz von "Misr Trawel", das später zum "Club Mediterranee" wurde und heute "Magawish Swiss Inn" heißt. Der Erfolg - blieb für beide Häuser aus, sie waren schlicht und einfach viel zu teuer. Dann folgte im Juni 1967 der Sechstagekrieg - nix ging mehr - das runde Tortenähnliche-Hotel schloß für über ein Jahrzehnt die Türen, bis es ca. 1976 von der Sheraton-Gruppe übernommen wurde. Gäste, die zu der Zeit dort waren erinnern sich: Natürlich war es für uns zu teuer, aber dem Hotel direkt angeschlossen waren einige kleine einfache zweistöckige Häuser, in die wir uns einmieteten. (Foto: Joachim Paul - der seinerzeit als Funkfachmann auf einer Bohrinsel im Roten Meer gearbeitet hat - die Aufnahme entstand 1976 auf dem Helikopterflug vom Hotel zu Bohrinsel)

Mohamady Hwaidak nahm Kontakt zum Gouverneur Yussuf Afifi auf. Er wollte Land in Hurghada erwerben und der Gouverneur erwiderte: Suchen sie sich etwas aus! Rund zwei km hinter den Sheraton-Hotel-Rundbau - in Richtung Süden - wurde er fündig. Das Gelände war ideal, hatte nur einen gravierenden Nachteil, es fehlte die Anbindung an die damals einzige Straße. Die beiden handelten einen Deal aus: Wenn der Gouverneur für die Straße sorgte, wollte er Hotelier sofort nach Fertigstellung mit dem Hotelbau beginnen. Und genau dies tat er im Sommer 1983. Hurghada stand kurz vor der "Geburt".

Das erste Hotel des Privatmannes M. Hwaidak ist das „Giftun Village“ (heute Giftun Azur), es öffnete - noch nicht ganz fertiggestellt - am 16.12.1984 seine Türen. Noch ahnte keiner was daraus würde. Gründliche Städteplanung war damals noch ein Fremdwort und wenn, dann blieb keine Zeit dafür. Investoren aus aller "Herren Länder" gaben sich die Klinken in die Hand, jeder wollte ein Stück von dem Kuchen und so wuchs Hurghada fast in "Schallgeschwindigkeit" und in der selben Geschwindigkeit litt die Natur im Roten Meer. Heute sind mehr als 50 km Küste am Roten Meer mit über 250 Hotels zugebaut. Der Hotelbetrieb im Giftun Village lief von Beginn an - was man vom sheraton nicht behaupten konnet. Gäste, die zu der Zeit dort waren erinnern sich: Natürlich war es für uns zu teuer, aber dem Hotel direkt angeschlossen waren einige kleine einfache zweistöckige Häuser, in die wir uns einmieteten.

  • 1963 entstand zuerst das Staatliche Rundbau-Hotel - das ca. 1978/79 von der Sheraton Gruppe übernommen wurde (1993 ging es in den Besitz von Saudischen Investoren über - seit 1997 steht die Anlage leer - weil der Ägyptische Staat und der Saudische Käufer keine gütliche Einigung über Kosten fanden. "Inshallha" soll es 2015 wiederbelebt werden)
  • 1964 das Magawisch - das später zum "Club Mediterrane" wurde / heute das Magawish Swiss Inn
  • 1982 AL Mashrabiya Beach Resort
  • 1984/85 Giftun Village - (heute das Giftun Azur) .... Hier eine kleine Hotelhistorie

Die Stadt hat inzwischen weit mehr 250.000 Einwohner, von denen die meisten im Tourismus tätig sind.  Vor Jahren - als ich zum ersten mal dort war - bestand die Bewohnerschaft zum größter Teil aus Männern. Das lag daran, dass die Stadt nicht natürlich gewachsen ist und viele aus den Dörfern und Städten des Landes hierher kamen, um ihr Geld mit dem Tourismus zu verdienen. Sei es als selbständige Händler, oder als Angestellte in den zahlreichen Hotels und Geschäften. Die Familien blieben in der alten Heimat und die Väter bzw. Söhne kamen nur an den freien Tagen nach Hause zurück. Das hat sich heute etwas verändert.

Die Stadt war lange (im groben) in drei Teile aufgeteilt, heute sind es sechs - und weitere werden folgen. Im Norden, von El Gouna kommend, passiert man zuerst Al - Ahiaa an der Küstenstrasse zwischen EL Gouna und EL Dahar. Von Einheimischen kaum bewohnt, ist das Gebiet in "Europäische Länder" unterteilt. Es gibt Englische, Niederländische, Deutsche ...... Siedlungen und Villen. Weiter nach Süden kommt man nach El Dahar oder Down Town. Dort sind Wohnblocks für die Einheimische Bevölkerung entstanden. In der Gegend findet man Einrichtungen wie z. B. die Post, den Basarstraßen, dass alte - aber sehr sehenswerte Aquarium, öffentliche Strände, das Passamt, Amm Daula (Staatssicherheit) und Krankenhäuser. Ebenfalls in Dahar, nicht weit vom Einheimischen Gemüsemarkt entfernt befindet sich die neue inposante St. Shenouda Kathedrale der koptischen Gemeinde, die nach dem Abriss der Alten, ca. 2011 fertig gestellt wurde. Und die ca. 1970 erbaute Abdel Moneim Riadh Moschee (viele nennen sie der Einfacheithalber Al Dahar-Moschee), die jahrelang das Wahrzeichen Hurghadas war, bis 2012 die neue wunderschöne El Miniya Moschee am alten Hafen fertig gestellt wurde.

In Richtung Süden folgt der Stadtteil Sekalla: Hier - um den (alten) Fischerhafen herum, ist das ursprüngliche Hurghada, die Fischer- und Handwerkersiedlung (von der 2014 nur noch die Hälfte übrig geblieben ist, da sie dem Neubau der neuen Marina und Modernisierungen weichen musste). Ab hier, ist fast alles auf die Touristen ausgelegt. Ab diesem Bereich hat man auf einer Länge von mehr als 15 Km kaum eine Chance an den Strand zu gelangen, ohne durch ein Hotel gehen zu müssen. Auch wenn man diese Hürde ggf. mal überwunden haben sollte, ist ein ausgedehnter Strandspaziergang eher unmöglich. Die Hoteliers wissen dies durch Zäune zwischen ihren Anwesen zu verhindern. "Denn: Nur der Gast der sein Geld im eigenen Hotelrestaurant oder an der eigenen Hotelbar ausgibt ist ein guter Gast." Aber auch Kullinarisch gibt es hier alles, vom MC über JFC bis hin zum Ägyptischen Döner von GAD. Und hervorragende Ägyptische Restaurands, wie das Bordiehns at Marina und das Moby Dick, u.a. bekannt für ihr hervorragendes Kamelsteak, das urige El Hefny, das El Jocker mit ihren fantastischen Fischgerichten und und und ....

An Sekalla schließt sich natlos Hadaba an und weiter, hinter dem Old Sheraton Hotel, El Kawther auch El Kausar - der moderne Teil Hurghada`s mit der Hotel- und Geschäftszone El Mamsha, eine ewig lange Fussgängerzone, an der z.B. das Siwa Grand Beach, das Grand Hotel und Resort liegen. Aber auch dann ist noch lange nicht Schluß. Weiter gehts nach Magawisch, einer Hotel- und Wohngegend mit vielen Villen, Mehrfamilienhäusern der "gehobenen Klasse" und natürlich weiteren Hotels. 

Vor ein paar Jahren genügte noch ein gutes Fahrrad, heute darf es schon eine Mofa sein, um von einem Ende zum Anderen - der ausufernden Stadt zu gelangen. Wer doch ein Fahrrad nehmen will, der sei gewarnt: Bei ständigen Gegenwind könnte es etwas länger dauern. Die Stadt zieht sich inzwischen an die 50 km, schier endlos erscheinend, an der Küste entlang. In relativ kurzer Zeit wurden, wie oben schon angemerkt, ca. 250 Hotels und Ressorts gebaut. Seit ein paar Jahren gibt es eine RingRoat, um den Durchgangsverkehr von Süd nach Nord und umgekehrt zu bewältigen. Was auf der einen Seite neu gebaut wird, scheint auf der anderen der Spitzhacke zum Opfer zu fallen. Anstelle der "Tante-Emma-Läden" fürs tägliche Leben, reiht sich heute ein Souvenirshop an den anderen. Überhaupt kommt es mir so vor, dass es bald mehr Souvenirshops als Betten in Hurghada zu gibt; frei nach der Devise: es darf einfach kein Mensch ohne ein Papyrus - oder was auch immer - nach Hause fliegen. Insgesamt liegt das Souvenir- Preisniveau in Hurghada deutlich höher, als z.B. im Niltal, oder in Dahab auf der Sinaihalbinsel. Aber: Die Menschen der Stadt leben fast ausschließlich von uns Touristen und deren Unkosten sind in Hurghada ganz sicher höher als im Niltal oder in Dahab.

Ganz sicher gibt es Dinge, die es so nicht geben sollte, wie z.B. das Bedrängen der Gäste unbedingt was zu kaufen. Inzwischen haben einige Geschäftsleute schon kapiert, dass mit der s.g. penetranten Anmache der Urlauber - nicht wirklich viel zu verdienen ist, aber noch lange nicht alle. Sie richten sich halt mit „ägyptischer Schnelligkeit“ auf auf Änderungen ein und das kann dauern. In der "Neuen Marina" z. B. ist es den Händlern unter der Androhung der Kündigung strengstens untersagt auf "Kundenfang" zu gehen. Es gibt schon einige Läden in denen die jetzigen Besitzer - nicht die "Ersten" sind.

Einige DetailInformationen habe ich mit Erlaubnis des Autors Peter S. Kaspar aus seinem Buch „Visionär am Roten Meer“ entnommen. Wir haben uns im November 2006 vor Ort getroffen.