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Ein (kurz) Besuch in der Halboase Fayoum

 Von Kairo aus führte mich im März 2017 - eine spontane Idee in das "Fayoum" (Becken). Für die Organisation habe ich wieder einmal Emad Saladin von "Reisen in Ägypten" angerufen und er reagierte - wie immer - sofort.

„Einst die Knospe am Stengel des Nils -  Jagdgebiet der Pharaonen“ - wie ich irgendwo mal gelesen habe. Das von der Wüste "umzingelte" Gebiet, mit seiner Provinzhauptstadt Medinet el-Fayum, eine „Oase“ zu nennen ist eigentlich ein bisschen "geschummelt", da die Gegend von einem unterirdisch kanalisierten Seitenarm des Nils, dem historischen „Bahr Yussuf Kanal“ und seinem ausgeklügeltem Kanalsystem mit dem lebensnotwenigen H²O versorgt. Fayum besteht aus vier gr. Städten und mehr als 150 gößeren und kl. Dörfern, in denen weit über 2 Mio. Menschen leben. Auch deshalb nimmt die rund 100 km südwestlich von Kairo entfernte und ca 1.800² km große "Oase" eine ganz besondere Stellung unter ihren „Schwestern“ ein. Richtige Oasen existieren ja rein allein vom Grundwasser.

Die schon zu Pharaonischen Zeiten fruchtbare Bodensenke, gilt heute als die "Gemüse- und Obstkammer" Kairos die sich fast rund um das stille Gewässer des Qarun-Sees legt. Der See ist mit rund 40 km Länge, ca. 6 km Breite und bis zu 12 m Tiefe - der größte natürliche Salzwasser-See Ägyptens, sehr Fischreich und war einmal gut doppelt so groß als heute. Er wird sogar im Koran und in der Bibel erwähnt. Und natürlich gibt es auch eine Legende dazu. "Ein Mann namens Korah war zu Reichtum gekommen. Statt Allah dafür zu danken, blieb er der Meinung, nur durch eigenes Tun und Handeln dazu gekommen zu sein. Die Erde öffnete sich und verschlang Korah, samt seinem Besitz. Genau an dieser Stelle soll dann der See entstanden sein."

Fast Wortgleich erzählte mir ein Ägypter diese Geschichte, als wir 24. März 2017 vor einem Gebäude standen, das die Einheimischen als "Palast des Korah" beschreiben. Mir erschien es auf den ersten Blick eher als ein etwas zu klein geratener Tempel – als ein Palastgebäude und doch ergibt „Qasr Qarun“ - übersetzt aus dem Arabischen „Palast des Qarun“. Einigermaßen sicher ist allerdings, dass der „“Qasr Qarun“ zu ehren Sobek`s - dem Krokodil-Gott der Region errichtet sein muss. Es lohnt sich unbedingt diesen kl. sehr gut erhaltenen und von der Ägyptischen Altertümerverwaltung restaurierten Tempel, ein bisschen näher anzusehen. Vom Eingang her kommt man zuerst durch drei kl. Vorsäle und geht weiter bis hin zum Sanktuar – mit rechts und links abgehenden Nischen. Im Inneren gibt es verschiede Kammern, die das Gebäude viel größer erscheinen lassen. Verschiede Treppen – eine führt nach unten und eine nach oben aufs Tempeldach, von dem man einen herrlichen Blick auf die spärlichen Überreste des angrenzenden Ruinenfeldes der ptolemäischen Stadt „Dionysias“ hat.

Im Fayum wächst fast alles: Baumwolle, Futter-Klee, Gemüse, wie Tomaten, Bohnen, Heilpflanzen, die im „Winter“ geerntet werden und jede Menge Obst, wie Mangos, Feigen, Granatäpfel, Melonen, Guaven und natürlich Datteln - im Sommer wird Sesam kultiviert. Es könnte sogar sein, dass Winter-Raps angebaut wird. Bei Tests hat man festgestellt, dass die Erträge durch die schwefelhaltige Bewässerung sehr gut sein könnten. Als ich im März 2017 dort war blühten die "Mondblumenfelder" - wie die Einheimischen diese leuchtende Pflanze nennen - bei uns als Ringelblume bekannt.
Stellt euch mal vor, leuchtend gelb blühende Raps-, orange Ringelblumenfelder, gepaart mit Jasmin, ein leichter Wind - wie herrlich das duften - aber vor allem aussehen muss.
Zu entdecken und bestaunen gibt es unter anderem: Interessantes aus pharaonischer, griechisch-römischer, koptischer und islamischer Zeit. Das Wahrzeichen dieser Halb-Oase sind aber die alten, von den Ptolemäern eingeführten, bis zu 5 m hohen Wasserräder, die heute zur Bewässerung der Felder ausgedient, da elektrische Pumpen ihr Arbeit übernommen haben. Es soll noch über 200 Exemplare davon geben.
Auf dem sehr sehenswerten Markt der Provinzhauptstadt werden neben Gemüse und Obst, Kupferwaren, Gewürze und Goldschmuck verkauft, einmal in der Woche soll es sogar einen speziellen Markt für Töpferwaren aus dem Ort Nazla geben. Zu den natürlichen Sehenswürdigkeiten der Oase zählen u. a. - den zwischen dem oberen und unterem See entstandenen ca.  drei Meter hohe Wasserfall "Wady Rayan" und zwei kleinere, die einzigen in ganz Ägypten und die warmen Quellen von "el-Siliyin", in denen man herrlich baden.
Außerdem findet man um den ca. 50 km langen und 10 km breiten "Qarun See" herum kleine Siedlungen und Fischerdörfer, da - wie oben schon angemerkt der See u. a. für seinen Fischreichtum bekannt ist. Entweder fahren die Fischer per Boot raus, oder sie stehen in den seichteren Bereichen im Wasser (das im März ganz sicher noch ordentlich kalt ist) und fischen mit ihren Netzen – um den Ertrag an Ort und Stelle an Vorbeifahrende zu verkaufen. Die Seeufer sind von vielen bunten Vogelarten, bis hin zu Flamingos bevölkert und haben sich zu „Naherholungsgebieten“ für Einheimische entwickelt.
Im Fayum kann man die Seele baumeln lassen, fischen und schwimmen, oder im Naturreservat (wie oben schon geschrieben) Wadi El Rayan zu einem, in der Wüste einmaligen Wasserfall fahren und ca. 40 km weiter uter Umständen sogar den Wissenschaftlern beim buddeln zusehen, die im Wadi al-Hitan nach Millionen Jahre alten Tierskeletten suchen. Gefunden wurden inzwischen u. a. zehn Meter lange Skelette von Wal-Dinosaurier.

Im Umfeld der Oase befinden sich die "Hawara (auch Hauwara) und die Illahun (auch Lahun) Pyramiden", der "Tempel von Medinet" Madi aus der 12. Dynastie und "Karanis" die Überreste einer ptolemäisch-römischen Stadt und Tempelreste - die man besichtigen kann, aber nicht immer - oder unbedingt lohnenswert sind, es sei denn, man ist archäologisch interessiert.

Angrenzend an das Ruinenfeld von Karanis gibt es ein schönes Freilichtmuseum und ein kl. Sehr sehenswertes Museum, das viel schöne - hier in der Gegend gefundene Gegenstände beherbergt. Wenn man schon mal den Weg ins Fayum gefunden hat, solle man auch ggf. auch "die Vergangenheit" gesehen haben. Aber auch Klosterliebhaber kommen in der Region Fayom auf ihre kosten.
Leider war das Fayum nicht so immer "einfach" zu besuchen. Vor Jahren habe ich immer wieder gelesen, dass die Gegend ein Sammelbecken der Fundamentalisten sein soll. Touristen wurden ggf. von Militäreskorten begleitet und fast alle Ziele musste man sich behördlich genehmigen lassen. Heute sieht das – je nach Sicherheitslage – um einiges anders aus, man kann in der Regel sehr gut auch spontan hinfahren, sollte aber - wenn möglich einen Ortkundigen Begleiter bei sich haben, falls es unvorhersehbare Situationen gibt. (Stand 3.2017)
Hinweis: Wer nach Fayum will und ggf. einen längeren Aufenthalt plant - der sollte sich gegen Malaria impfen lassen. Dieses Gebiet ist in Ägypten die einzige Gegend, wo dieser Schutz unbedingt empfohlen wird.

Fazit: Das der Eintagesausflug an diesen herrlichen Ort viel zu kurz war - war mir sehr schnell klar und wusste gleich, dass ich dort noch ein- oder sogar zweimal hinreisen muss. "insha allah"

 

 

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