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Mit einer richtigen Dahabeya von Esna nach Assuan

Der Begriff "Dahabeya" - sinngemäß "die Goldigen oder Goldenes Schiff" - hat für mich seit je einen viel versprechenden - weichen und warmen Klang und lies meiner Fantasie freien Lauf.

Allerdings ist die Schreibweise immer wieder verschieden - mal liest man: Dahabije oder Dahabija, mal Dahabeja oder Dahabiya oder auch Dahabeya - für die ich mich in diesem kleinen Reisebericht entschieden habe.

Nach einigen herrlichen und fast unbeschreiblich schönen Nil-Kreuzfahrten, sollte im April 2018 ein lang gehegter Traum in Erfüllung gehen. Mit einer richtigen Dahabeya wollten meine Freundin Hanne und ich eine "nostalgische" Segelkreuzfahrt - von Esna - in Richtung Assuan unternehmen.

Nur runde 145 Jahre später - aber genau wie die englische Romanautorin, Reiseschriftstellerin und Hobbyarchäologin Amelia Edwards - die 1873/74  gemeinsam mit ihrer Freundin nach Ägypten aufbrach, um eine über "Thomas Cook & Son" gebuchte Dahabeyafahrt auf dem Nil zu unternehmen. Im Vorwort ihres später verfassten Buches "1000 Meilen auf dem Nil" erwähnte sie die Fahrt mit folgenden Worten: Die Wahl zwischen einer Dahabeya und einem Dampfer ist wie die Wahl zwischen der Postkutsche oder mit der Eisenbahn. Die eine ist teuer, gemächlich und ergötzlich, die andere ist billig, schnell und vergleichsweise unbequem. Diejenigen, die damit zufrieden sind, nur einen kurzen Blick auf den Nil zu erhaschen, werden zweifellos den Dampfer bevorzugen."  .....

Wie immer, wenn es um etwas "besonderes" ging übergab ich die Organisation der Fahrt - Ende 2017 - in die vertrauensvollen Hände von Emad Saladin von "Reisen in Ägypten". Meine Freundin kannte den Nil - mit seinen betörenden Schönheiten - bisher so gut wie gar nicht - es konnte also nur spannend werden.

Mittwoch 04.04.2018 - 6h am Morgen - Es war soweit!!  Mit einem PKW starteten wir von Hurghada aus, zunächst in Richtung Qena. Die Weiterfahrt führte uns, allerdings recht zeitaufwendig, durchs Verkehrschaos der Mittelägyptischen Goverment-Hauptstadt, da die schneller zu befahrende Umgehungsstraße - wieder einmal nicht befahren werden durfte. In Luxor ankommen - lagen noch ca. 50 km bis Esna vor uns - wo wir gegen 10h eintrafen und die hinter der Schleuse liegende "Nile Dream" Dahabeya schon auf ihre extrem aufgeregten Gäste wartetet.

  • Die meisten Touristenschiffe, die auf dem Nil hin- und her oder hoch- und runter fahren - haben 4 oder auch 5 Decks und gleichen von außen überwiegend riesigen Schuhkartons aus Stahl, damit sie möglichst ohne anzuecken durch die Schleusen von Esna kommen. Allerdings strahlen die wenigsten sowas wie Anmut, geschweige denn - Eleganz aus. ... Ganz anders ist das bei einer Dahabeya. Egal- ob echt oder unecht - eine Dahabeya sieht immer schön aus. Der Unterschied zwischen echt und unecht ist gar nicht so kompliziert: Die Echten können sich selbständig per Segel fortbewegen - die Unechten schaffen dies nicht, ihre weiße Segel sind nur reine Dekoration. Zudem sind die Unechten häufig luxuriös ausgestattet, haben oft einen unsichtbaren Metallrumpf und einen Motor. So ausgerüstet sind sie viel zu schwer um eigenständig zu segeln - und so müssen - oder werden sie überwiegend von solchen auf dem Foto abgebildeten kl. Böötchen geschleppt. Das einzige erhaltene - und anmutig aussehende Schiff aus der guten alter Zeit, das sich von allen normalen abhebt ist m. E. das Nilschiff "(PS) SS Sudan". Um 1921 als Schaufel-Raddampfer gebaut - hat das Schiff inzwischen einen Dieselmotor um vorwärts zu kommen.

Zurück zu unserem Schiff: Nach einer etwas zurückhaltenden - aber sehr warmherzigen Begrüßung der Schiffsmannschaft, bezogen wir zunächst unsere Kabinen und erfuhren, dass entgegen der Planung - wir die einzigen Gäste auf dem herrlichen Schiff sein werden. Ein Ehepaar - das vor ein paar Tagen noch spontan mit uns fahren wollte, hatte letztendlich doch recht kurzfristig abgesagt. So hatten "2 Omas aus Norddeutschland" ein ganzes Schiff auf ihrer "Jungfernfahrt" - samt 11 Mann Besatzung für sich ganz allein:

  • 1. Manager - 1. Koch + 1. Oberkellner und 1. Hilfskraft - 1. für die Kabinen - 3 "für alles was so anfällt" - 2 auf dem Schlepperboot - und 1. Reisebegleiter

"Unsere" war eine Echte - ganz aus Holz bestehende Dahabeya - die sich mit ihren strahlend weißen Segeln - selbstständig und lautlos - fortbewegen konnte und natürlich keinen Motor hat. Auf die Begleitung eines Schleppbootes konnten aber auch wir nicht verzichten - wurden allerdings meist nur begleitet. Es half uns immer von den Ufern aus zur Flussmitte zu gelangen und griff nur bei Windflaute ein. Genau das passierte 1 oder 2 mal, z. B. als wir Tage später einmal gegen die Fließrichtung des Nils auf der letzten Etappe gen Assuan fuhren.

Die Bauweise der Nil-Segler sind so gut wie alle gleich. Sie bestehen  aus zwei Decks, unten befinden sich die Kabinen und ein Gemeinschaftssalon. Die Ausstattung ist je nach "Echt oder Unecht" allerdings recht verschieden, die Echten sind eher "zweckmäßig" - mit einer gemütlichen Schlafgelegenheit, Bad/Dusche, WC ausgestattet. Unser Speiseraum befand sich - ähnlich wie ein Thron - mitten auf dem gemütlichen Sonnendeck. Für wohl temperierte Getränke sorgte ein Kühlschrnk im Gemeinschaftssalon, der bei ungünstiger Witterung auch als "Speisezimmer" umfunktioniert werden konnte.

Die "Unechten" etwas "Luxuriöseren" haben ggf. und je nach Größe ein Open-Air-Jacuzzi einen kl. Zimmerkühlschrank, Föhn und Klimaanlage, TV-Geräte usw. - "Luxus ist halt nun mal schwer". Die Stromversorgung auf einer Dahabeya erfolgt in der Regel durch einen Generator, der von 7h am Morgen - bis 23h abends in Betrieb ist - und auf unserer jedenfalls - während der Nacht ausgeschaltet wurde. Und wieder einmal war ich sehr froh, meine kl. Taschenlampe dabei zuhaben - ohne die ich schon seit Jahren nicht mehr durch Ägypten reise.

Bevor es per Wasserweg losging, besuchten wir Esna  - die Stadt am Westufer des Nils, die sich im alten Ägypten "Sena/et" nannte und mir schon gefiel, als ich vor zwei Jahren zum ersten Mal hier war. Warum - kann ich gar nicht mal genau sagen, denn im Grunde ist es eine typisch schmuddelige Ägyptische Ortschaft - wie viele andere auch und die erst auf den zweiten oder dritten Blick etwas besonderes haben. Evtl. liegt es ja auch an den vereinzelten an der Chorniche stehenden - in die Jahre gekommenen Prachtbauten aus der Kolonialzeit, deren einstige Schönheit sich allerdings immer noch erahnen lässt.  Oder evtl. auch daran, dass früher hier der  Streckenabschnitt der Karawanenrote in den Sudan anfing- und auch endetet. Ich kann es nicht wirklich erklären.

Die Stadt gilt bis in die heutige Zeit als Ägyptens Zentrum des Koptischen Glaubens, in dessen Umkreis sich einige bedeutende Einsiedeleien, Klöster und Kirchen befinden. Es gäbe also noch sehr viel mehr - zu entdecken - in und um Esna. ....

Touristisch gesehen ist- und bleibt die bekanntest Sehenswürdigkeit der Region allerdings der Chnum-Tempel - den die gr. Nilkreuzfahrtschiffe lange Zeit sehr stiefmütterlich behandelten - in dem sie ihn mieden. So wie 2012, als ich meine erste Nilkreuzfahrt gemachte habe fuhren wir vorbei. Gott sei Dank hat sich das wieder geändert - auch wenn noch lange nicht alle hier halten.

Um ihn zu besuchen braucht man eigentlich auch keine Reiseleitung, denn egal von welchem Schiff aus man ihn besuchen will, es ist nie weit zu laufen. Von den großen Schiffen - meist keine 200 m entfernt - von den Anlegestellen der Dahabeya ca. das Doppelte.

Von unserer Dahabeya aus liefen wir zunächst am Kai entlang - vorbei an einigen stillgelegten Kreuzfahrtschiffen, von denen man auf den ersten Blick annehmen konnte, dass sie nur noch Schrottwert hatten. Nach ein paar nach oben führenden Treppenstufen endet der Weg am Tickethäuschen an dem man sein Eintrittsticket zum Tempelbesuch für 30 LE kaufen muss (auch wenn man ihn gar nicht besuchen will). Sollte man dann ggf. nicht genau wissen ob nach links oder rechts, ist auf jeden Fall sofort jemand zur Stelle der einen in die richtige Richtung schickt. Zuerst betritt man eine teilweise überdachte Bazargasse - die sich sehr auf die ankommenden Touristen eingestellt hat. Und doch bekommt man schnell den Eindruck einer kleinen  Zeitreise ins vor(vor)herige Jahrhundert. Wären da nicht die allgegenwärtigen Mobiltelefone, die einen doch immer wieder an das "Jetzt" erinnern.

Wie der Tempelname schon vermuten lässt, ist er einem Gott namens Chnum geweiht (auf dem Relief rechts als Widderköpfiger Mensch gemeinsam mit seiner Gefährtin Neith (Kriegs- u. Schöpfergöttin dargestellt)). Chnum, der in der altägyptischen Mythologie als Schöpfergott der Welt und auch von Göttern galt. Namensgleiche Tempel findet man an mehreren Orten Oberägyptens, u.a. auch in Assuan auf der Elephantine Insel. Man nimmt an, dass man ihn auf den Resten eines aus der 18. Dynastie stammenden Heiligtums neu errichtet hat. Irgendwann geriet er in Vergessenheit  und verschwand im Laufe der Jahrhunderte aus den Augen. Durch vielfältige Umwelteinflüsse, hauptsächlich aber durch das damals noch jährlich - allerdings viel höher ausgefallende Hochwasser, versank er unter Nilschlamm, Wüstensand und Schutt. So erklärt sich das heutige Bodenniveau der Stadt, das gute 8-9 Meter höher als das zur Entstehungszeit des Tempels ist. Im 19. Jhr. konnte  von der ehemaligen Tempelanlage nur die Vorhalle (Pronaos) freigelegt werden.  Alle anderen Teile liegen bis jetzt unter der heutigen Stadtbebauung begraben.

Um sich diese näher anzuschauen muss man zunächst, wie in eine Baugrube eine Stahlleiter runter steigen. Wer den Tempel von Dendera schon einmal besucht hat, der wird ganz sicher eine gewisse Ähnlichkeit nicht abstreiten können. Von oben sieht der "tiefer gelegte" Tempelteil eigentlich recht klein aus, das ändert sich - wie so oft - spätesten dann, wenn man davor steht und das Innere des Pronaos betritt - dann hält man die Luft an. Die Decke der Vorhalle wird von insgesamt 24 mächtigen Säulen gehalten, die u. a. an ihren Enden mit herrlichen Kapitellen enden, die ich so und in dieser Vielfältigkeit in ganz Ägypten noch nie gesehen habe.

Unsere Tempelbesichtigung fiel allerdings nicht allzu lange aus. Ich kannte ihn von vorherigen Besuchen und  Hanne - die sich eh nicht so sehr für die "alten Steine" interessiert - zog es vielmehr in den angrenzenden - so urtypisch wirkenden alten und überdachten Qeiṣariya-Basar, von dem ich schon in einer Reisebeschreibung aus dem Jahr 1837 gelesen hatte. Damals zog sich das Ganze allerdings noch rund um das gesamte Tempelgebäude, das wiederum seinerzeit u.a. als gr. Baumwolllager diente.

Heute haben sich kleine Krimskrams-Geschäfte, Handwerksbetriebe, u. a. eine Einmann-Schneidereien - wie auf dem Foto, der nette alte Herr der auf seiner SINGER-Maschine gerade einen Galabijaärmel nähte - niedergelassen. Es gibt Färbereien, verarbeitende Baumwollwerkstätten, Korbmacher, einer der Holzstühle und Kleiderständer zusammen nagelt, Geschäfte mit Haushaltwaren, Klamotten und Koffer, Gemüsehändler, Bäckereien  und sogar einen Barbier. In diesem Teil, wenn man sich links neben dem Tempel orientiert, ist Esna wie vor mehr als hundert Jahren. Sehr wenig scheint sich verändert zu haben, aber die Menschen findet alles was sie zum täglichen Leben benötigen und das auf engstem Raum. Wir hatten noch ein knappe halbe Stunde bevor unsere Dahabiya ablegen wollte und besuchten zum Ende des Rundganges noch eine alte Ölmühle - die letzte "Überlebende" von ehemals  ca. zwanzig Mühlen in denen verschiedenste Samen wie z.B. Schwarzkümmel und Sesam, Zwiebeln, Lattich, Brunnenkresse und Kümmel zu Öl gepresst werden. Im vorderen Raum - gleich nach dem Eingang - wird mit einem uralten Mühlwerk gepresst, im hinteren Raum stehen zwei weitere Pressen, allerdings funktioniert nur noch die vordere.  Die Ölmühle ist seit vielen Generationen im Besitz der Familie "abd er-Radi Ahmed Bakur" und fast schon "paraonische" 200 Jahre alt. Wer "zufällig" mal nach Esna kommt - der braucht nur nach der "Bakur-Mühle" zu fragen.

Und wer dann immer noch nicht genügend "altes" gesehen hat, der sollte auf den Weg zum Schiff, hinter dem Tempel - kurz vor dem Ausgang des "Touristenbasar", unbedingt auf der rechten Seite auf das alte El Amri Minarett achten. Ein sehr schönes ca. 24 m hohes Überbleibsel aus der Fatimidischen Zeit (ca. 969-1171), von denen es Landesweit nicht mehr all zu viele gibt. Spontan fällt mir da nur das Eine - in El Qusier am Roten Meer ein. Schade, dass die Zeit zu weiterem wieder einmal nicht ausreichte. Zu gerne hätten wir die Umgebung noch näher zu inspizieren.

Bis heute leben die Bewohner der Stadt überwiegend von der Landwirtschaft, Handwerk und dem Anbau von Baumwolle. Mitte des 19. Jahrhunderts - so steht es auch in der oben erwähnten Reisebeschreibung von 1837 - war sie Zufluchtsort von Oppositionellen, Künstlern und sowas wie ein Verbannungsort der Freudenmädchen aus Kairo, letztere sollten hier wieder zu "ehrhaften" Menschen werden und das ausgerecht an einem Ort, der bis ca. 1890 Ausgangs- und Endpunkt der Karawanenroute in den Sudan war.

13.15h - Kurz nach unserer Rückkehr legte die "Nile Dream" ab, wurde zur Flussmitte gezogen und schwamm dann selbstständig fast lautlos in Richtung Edfu.  Zuerst weiter in der Flussmitte und dann zurück in Ufernähe. Zeitweise segelten wir so nah an diesem vorbei, dass man die Vögel im - zum greifen nahen Schilf - singen hören konnte.

Ein Satz des griechischen Geschichtsschreibers Herodot (485 v. Chr. bis 425 v. Chr.) kam mir in den Sinn: "Ägypten ist ein Geschenk des Nils" - wie recht er doch hat. Eine Beschreibung, die m. E. bis heute Bestand hat.

Mittagessen: Für die kulinarischen Wünsche der Schiffsgäste war unser Oberkellner Aschraf zuständig - der immer mit weißen Hemd, dunkelrotem Schlips schwarzer Weste- und Hose "korrekt" gekleidet war, bis auf die uralten SchipSchip`s  (Badelatschen) an seinen Füßen.  Alles was in der kleinen Schiffsküche gezaubert wurde, brachte er elegant über eine recht steile Treppe nach oben zum Tisch. Er war es auch, der zu jeder Zeit für frisches heißes Kaffee- und Teewasser und kleine Kuchenhäppchen am Nachmittag sorgte.

Bis die Sonne sich neigte genossen wir die herrliche Uferkulisse - segelten an fruchtbaren Feldern, auf denen uns arbeitende Bauern zuwinkten, an farbfrohen Dörfern, Bananenplantagen, unzähligen Dattelpalmen und Mangobäumen vorbei, bis wir irgendwo an einem Ufer zur Nacht festmachten. Der 1. Tag verabschiedete sich viel zu schnell - belohnte uns aber mit einem fantastischen Sonnenuntergang. Gegen 20h kam Aschraf  lächelnd die Treppe hoch und stellte ein leckeres Abendessen auf den Tisch.

Es dauerte nicht lange und wir machten es uns in unseren Betten bequem, schliefen bei himmlischer Stille tief- und fest bis zum anderen Morgen. Nur hin- und wieder hörte man einen Wasserbüffel brüllen, einen Esel rufen, einen Frosch quaken oder Hund bellen.

05.04.2018 - Eine Nil Fahrt ohne Kultur ist so gut wie unmöglich! Und natürlich hatten auch wir einen, wenn auch abgespeckten -  "Kulturplan", von dem wir nach dem heutigen Frühstück " einen Teil abarbeiten" wollten. Frei nach einem Zitat von Jean-Jacques Ampére (ein französischer Historiker, der u. a. auch Ägypten bereiste): "Eine Reise in Ägypten, ist ein Ausflug auf Eseln und eine Bootsfahrt, vermischt mit Ruinen".

Ist man mit einem herkömmlichen gr. Nilkreuzer unterwegs - steuert man die Sehenswürdigkeit in der Regel an - auf einer Dahabeya hatte ich eher das Gefühl, dass es genau umgekehrt ist - die Monumente und Besonderheiten - kamen zu uns.

Runde 65 km südlich von Luxor, aber noch vor Edfu befindet sich die kleine Ortschaft Nag’el-Kab - wie es heißt: eine der ältesten Siedlungen in Oberägypten, die allerdings in keinem Programm einer normalen Nilkreuzfahrt auftauchen wird. Entweder man besucht den Ort per Landweg - oder mit einer Dahabeya - denn sie kann in der Regel ankern - wo sie möchte - oder es geplant hat.

Wir hielten am Ufer des kl. Dorfes, liefen durch eine Gasse hinter die Häuser. Von den Dorfbewohner war weit und breit nichts zu sehen, nur ein kleiner Esel stand verloren in einer Ecke. In dieser Gegend befinden sich  - für uns allerdings kaum noch erkennbaren - die Ruinen einer antiken Stadt, die der späteren Himmels- und Kronengöttin Nechbet geweiht ist. Umso imposanter und kaum übersehbar ist die noch recht gut erhaltene ca. 11 m dicke Lehmziegelmauer, die die ehemalige Stadt einmal vollständig umgeben hat - wie ich sie in so einer Größe noch nie gesehen habe. Vorbei an der alten Stadtmauer führte unserer Weg runde 500 m - zuerst über Bahnschienen und dann über die Landstraße (die beide Assuan und Luxor verbinden) zur Nekropole von el Kab wo die Gräber im Mittleren- und Neuen Reich in den Felshang aus Sandstein des Nordostufers gehauen wurden. Damit es die heutigen Touristen einfacher haben, wurde eigens für sie eine bequeme Treppe zu den Gräbern gebaut. In einigen der (ca. 9) geöffneten Felsengräber befinden sich beeindruckende Wandszenen aus dem täglichen Leben und dem nach dem Tod. Eines der bekanntesten-  und besterhaltensten aus dieser Zeit - ist wohl das Grab des "Paheri" - eines hohen Würdenträgers der 18. Dynastie. Sehr schön - fand ich u. a. die gewölbte Decke und ein Wandbildteil auf dem Paheri als "Erzieher von Wadjmes - Sohn von Thutmosis" dargestellt wird. Eine Darstellung, die m. E. sehr viel Vertrautheit ausstrahlt. In einer hinteren Nische kann man drei Sandsteinstatuen erkennen, die Paheri selbst, seine Frau Henuterneheh und seine Mutter Kem(i) zeigen sollen.

Gleich nach unserer Rückkehr wurden die Segel gesetzt und Aschraf servierte ein leichtes Mittagessen mit allerlei Köstlichkeiten. Eine leichte Brise bauschte die weißen Segel auf und trug uns vorbei an der bezaubernden Nillandschaft - in Richtung Edfu. Unterwegs kreuzen einige der großen Nilkreuzfahrtschiffe unseren Weg - allerdings mit meist wenigen Gästen auf den Sonnendecks - aber auch große und kleinere Dahabeya-Schiffe. Letztere wurden - bis auf ein einziges - von kl. Schlepperbooten gezogen.

Eine Dahabeyafahrt am Nilufer entlang ist wie ein wunderschöner - sehr langsam laufender Kinofilm, damit der Zuschauer auch ja jede noch so kleine Szene genau aufnehmen kann. Zwischen Palmen tauchte auf der linken Uferseite tauchte ein imposantes Schloss ähnliches Haus auf, bei dem es sich - wie unser Reisebegleiter erklärte - um die Unterkunft eines in El Kab arbeitenden belgischen Grabungsteam`s handelt.

Und immer wieder satt grüne Felder mit arbeitenden Bauern, waschende Frauen und badende Kinder am Ufer. .... Das Thermometer zeigte knappe 36°

Was soll ich sagen? Wir ließen die Seele baumeln und genossen die Fahrt durch die fantastische Kulisse in vollen Zügen. Strahlend blauer Himmel, hin und wieder in der Ferne - Gold gelbe Sandhügel, grüne Palmen, braune - aber auch vereinzelt bunte - sehr kreativ bemalte Häuser.

Runde zwei Stunden später holte uns die Wirklichkeit wieder ein - war Schluss mit der "Faulenzerei" - wir trafen in Edfu ein, legten an um dem Tempel des Falkenköpfigen Horus unsere "Aufwartung" zu machen. Und ob wir wollten oder nicht - wir mussten vom Ufer aus eine Caléche nehmen um zum Tempelgelände zu gelangen. Zu Fuß wäre der Weg - wie wir später festgestellt haben - leider zu zeitaufwendig - allerdings ganz sicher vielviel interessanter gewesen. Das Bauwerk selbst - hatten wir an diesem Nachmittag dann so gut wie - für uns allein. Als Kultort des Gottes Horus war der Tempel ein landesweit bedeutendes Heiligtum. Der ca. 2.000 Jahre alte Tempel des Horus, Sohn des Götterpaares Isis und Osiris, ein Werk der Ptolemäer, das die Jahre seiner Existenz sehr gut überstanden hat.  Zu verdanken hat er dies u.a. dem Flugsand - unter dem er vieleviele Jahrzehnte begraben war, bis in den 1860er Jahren ein französischer Ägyptologe namens Auguste Mariette kam und ihn freilegte (sowie schon die Vorhalle des Chnum-Tempels in Esna). Mit der wackeligen Caléche ging es wieder zurück zum Schiff, wo wir das wohltuende "faulsein in unserem offenen Wohnzimmer" sofort wieder aufnahmen -  den unaufdringlichen Naturgeräuschen lauschten und den Kühen beim abendlichen Bad zusahen - bis Ashraf zum Abendessen rief. Lecker Lecker!!

Die Abende auf unserer Dahabeya wurden nie lang - zum einen, weil sich nach Einbruch der Dunkelheit die Mücken aufmachten um nach touristischem Frischfleisch zu suchen und zum anderen, weil die Tage ab Sonnenaufgang - einfach immer wieder zu schön waren und sind, um am Morgen lange im Bett zu bleiben.

06.04.2018 - Wie jeden Morgen trafen wir uns so gegen 7h in unserem "Schiffswohnzimmer" -  tranken zuerst einen schönen heißen Tee - um dann die Augen über die herrliche Umgebung schweifen zu lassen, gleich so - als wären wir eben noch Blind - spontan zu Sehenden geworden.

Sobald die Besatzung bemerke das wir oben waren, herrschte emsige Betriebsamkeit - wurde der Tisch gedeckt und für`s leibliche Wohl gesorgt. Gerade als wir uns über die frischen Pfannkuchen her machen wollten, stand plötzlich unser "Schiffschef" mit einem "Mabruka" einem riesigen Nilbarsch auf dem Deck, der so schwer war, dass er ihn allein kaum halten konnte.

Heilige Tiere gab es ja im Alten Ägypten jede Menge, weil man dachte, dass Götter die Gestalt von Tieren annahmen und sie diese deshalb verehrten. Wie zum Beispiel der Adler oder Falke u. a. als Gott Horus, oder Chnum, der Witterköpfig dar gesellt wird, das Krokodil als Gott Sobek, die Kuh als die Göttin Hator oder die Katzengöttin Bastet und Heket, die Göttin der Geburt wird als Frau mit einem Froschkopf - oder ganz als Frosch dargestellt und viele andere mehr. Zurück zu unserem Prachtexemplar an Fisch - auch er soll in pharaonischer Zeit - in der Region um Esna - einmal ein heiliges Tier in Erscheinungsform der Kriegs- und Schöpfergöttin Neith gewesen sein und als heiliger Fisch verehrt (und natürlich nicht auf den Grill gelegt und gegessen).

Fast unbemerkt hatte die "Nile Dream" wieder abgelegt - als nach dem Frühstück immer näher kommendes Kindergeplapper zu hörten war. Nach kurzer Zeit standen sie "wie die Orgelpfeifen" in einer Reihe am Schiff, schauten erwartungsvoll - um uns zu begrüßen, in ihr Dorf zu begleiten und natürlich ihr "Gastgeschenk einzukassieren". Die mitgebrachte 1. kg Tüte Maoam löste sich sehr schnell in Wohlgefallen auf. Die Kinder voran - liefen wir im Gänsemarsch durchs Weideland - zwischen grasenden Kühen in Richtung Dorf und immer auf der Hut - nicht in einen er zahlreichen Kuhfladen zu treten. Ein wenig zögerlich - aber nach und nach kamen auch andere Bewohner aus ihren Häusern um zu schauen wer zu Besuch gekommen ist.

Diesen Teil Ägyptens lernt man nirgends so gut kennen wie bei einer Dahabeyafahrt. Der unmittelbare Kontakt mit den Menschen in den Dörfern entlang des Nils zeigt das Leben, wie es die meisten Ägypter führen. Hier werden sie geboren, arbeiten sie, gründen Familien und hier werden sie begraben.

Man empfing uns mit offener Herzlichkeit, alte und junge Frauen mit ihren Babys auf den Armen kamen grüßend aus den Häusern. Ein alter Mann, saß mit seiner Enkelin vor seinem Haus auf einem Teppich und bat uns Platz zu nehmen. Ein kl. Mädchen kam angelaufen, hielt uns beiden Hände entgegen, in denen sie eine Hennapaste hielt, die die Handinnenflächen rotorange färbte - ein anderes hielt uns eine Dom- Doum- oder Dumfrucht entgegen, die  bei Ägyptern überaus beliebt ist. Teile dieser Palmenfrucht werden u. a. als Tee - Saft oder sogar zu Eis verarbeitet. Auch auf den einheimischen Bazaren sind die wie - versteinerte Kartoffeln aussehenden - Früchte zu finden, die schon die alten Ägypter sehr zu schätzen wussten, da ihnen heilende Kräfte nachgesagt werden.

Hier fiel es uns besonders schwer - weil wie immer viel zu früh - Abschied zu nehmen. Begleitet von fröhlichem  Kindernlachen kamen wir am Schiff an, winkten ihnen später zu und fuhren weiter - der Fluss wurde immer schmaler. Um die Mittagszeit legte die "Nile Dream" auf der westlichen Nilseite an. An diesem - für viele ggf. unscheinbarem Ort - befinden sich - beidseitig des Flusses - die aus griechisch römischen Zeit stammenden Sandsteinbrüche von Gebel el-Silsila, die an der engsten - nur etwa 400 m breiten -  Stelle des Nil liegen. Von hier stammt der begehrte Sandstein, der in der "Hochphasen" von mehreren tausend Arbeitern gebrochen und als Baumaterial für sämtliche Tempel des Landes geliefert wurde. Während es auf der östlichen Seite - wo man noch bis ins 20. Jahrhundert das Baumaterial für die Esna Nilsperre brach - ist der Teil der Steinbrüche heute in der Regel "nur mit Sondergenehmigung" zugänglich. Anders ist es auf der westlichen Seite - neben den "normalen Steinbrüchen" findet man hier auch Bauten religiösen Ursprungs. Wie z. B. die Nilstelen zu Ehren des Nil Gottes Harpi oder einige in den Fels gehauene Kapellen. Wer evtl. auf einer seiner nächsten Nilfahrt diese spitze "Steinnase" (Foto links) sehen sollte, der weiß, dass er in der Gegend von Gelbel Silsila angekommen ist.

Und immer wieder schipperten wir auf dem "Fluss der Flüsse" - vorbei an sattgrünen Feldern, farbenfrohen Dörfern, Dattelpalmen, Bananenplantagen und Mangobäumen in Richtung Assuan. Wie von selbst verschwand der Stress des täglichen Lebens und verwandelte sich in ein wohlig entspanntes Dasein. ...

Rund eine dreiviertel Stunde nach dem Mittagessen passierten wir die neue große Kalabscha-Nil-Brücke. Die ich schon in ihren Anfängen im März 2012 gesehen hatte. 2014 und 2016 befuhren wir die Gegend leider am Abend und es war schon viel zu dunkel um etwas zu erkennen. Wenn man bedenkt wie lang die Strecke zwischen Luxor und Assuan ist - aber es neben einer einseitigen Bahnstrecke nur 2 Brücken - um von einem zum anderen Ufer zu kommen gibt, werden sich die Menschen freuen, wenn sie endlich fertig ist. Namensgebung: unter anderem in dieser Region leben sehr viele Nubier, deren Vorfahren einst aus der Gegend Kalabscha in Unternubien kamen, die aber nach dem Bau des neuen Nasser-Stausees (Bauzeit v. 1960-1970) ihre Heimat verloren und umgesiedelt wurden. Bis heute leiden viele der sehr traditionsbewussten Nubier unter der Umsiedlung, die sich dadurch u. a. auch - von ihrer mit dem Nil verbundenen Kultur beraubt fühlen. Menschen, die seit Generationen am Fluss gelebt haben mussten in weit entfernte Dörfer ziehen. Wer nicht in der Landwirtschaft arbeiten konnte, dem bot die "neue Heimat" meist nur Armut. So bliebt vielen nichts anderes übrig als in die Städte zu gehen. Nach und nach verschwand der Zusammenhalt und mit ihm die Kultur. Wie zum Beispiel die nubische Sprache, die von den "Vereinten Nationen" zu einer der Schützenwerten erklärt wurde.

Am Nachmittag - runde 20 km vor Kom Ombo, legte unser Schiff  an einem einsamen Ufer an. Mir fiel auf, dass - je weiter man sich Assuan nähert, je sauber und klarer wird der Fluss. Hier hatten wir die Möglichkeit dem glasklaren Wasser des Nils zu baden, oder am grünen Ufer spazieren zu gehen, den Bauern bei ihrer mühseligen Arbeit zuzuschauen und die Jungs zu beobachten - wie sie den Wüstenstaub vom Schiff wuschen damit es wieder in klarem weiß erstrahlte. Aber auch die Besatzung nutzte die Gelegenheit zu einem"reinigenden Bad".

Jedes mal faszinierte mich die Schönheit dieser Landschaft, die sich ohne verwirrende Zwischentöne zeigt, sich wie beruhigender Balsam um die Seele legt und  schon fast ein wenig benebelnd wirkt. Über der gesamten Szenerie lag immer wieder eine friedliche Stille - die man mit Worten kaum beschreiben kann.

Eine Dahabiya kann so gut wie überall an den Ufern des Nils anlegen - deshalb wurde gegen Abend an einem einsamen Ufer geankert, der Grill aufgebaut und später nach einem herrlichen Essen nach nubischer Musik getanzt, gelacht und bis die Mücken kamen - auch gesungen.

07.04.2018 - Kom-Ombo - der einzige Doppeltempel des Landes und einer meiner Lieblingstempel. Hier haben zwei Götterfamilien zu einer Art Wohngemeinschaft zusammengefunden. Schon vom Deck unserer Dahabeya konnten wir die wunderschöne Kulisse des Doppeltempels genießen.

Im Gegensatz zu meinem letzten Besuch im November 2016 - waren an diesem Tag reichlich Besucher auf dem Gelände. Überall am Nil konnte man erkennen, dass die Besucher wieder zunehmen, auch wenn dies auf den an uns vorbeifahrenden Nilfahrtschiffen nicht immer gleich zu erkennen war.

Von der Anlegestelle ist es nur ein kurzer Spaziergang mit Treppenaufstieg, bis man vor dieser in Ägypten einmaligen Tempelanlage steht. Geweiht den beiden Göttern Haroeris, u. a. als Mensch mit Falkenkopf dargestellt und Sobek, dem Krokodilköpfigen Fruchtbarkeits- und Wassergott. Einmalig auch, weil nur in diesem Tempel alles doppelt vorhanden ist. Ab dem Säulensaal gibt es für jede Gottheit einen Weg zum Eingangstor bis hin zum jeweiligen Allerheiligsten. Aber auch dieser Tempel war lange Zeit zum größten Teil unter Sand begraben, bis 1893 der französische Ägyptologe Jacques de Morgan kam und die Reste freilegte.

So nah am Nilufer - ca. 15m auf einem Felsvorsprung thronend - ist die Lage des Tempels zwar ungemein malerisch, aber für ihn selbst nicht ohne Gefahr, da der Untergrund des mächtigen Bauwerkes nicht wirklich stabil ist.  Seit Herbst 2017 gibt es Rund um den Tempel eine recht große Baustelle. Mit dicken Rohren wird eine Drainage mit 3 Pumpstationen installiert, um u. a. bei den jährlichen Nil-Hochwässern die verbliebenen Tempel-Ruinen vor dem zerstörerischen Grundwasser zu schützen. Die Arbeiten finden natürlich in Zusammenarbeit und unter den Argusaugen von Archäologen statt, da bei den Grabungen im Erdreich immer wieder wertvolle Artefakte zum Vorschein kommen, die unter einer angrenzenden Überdachungen zwischen Tempel und Museum sorgfältig gelagert und später katalogisiert werden. Finanziert wird das über 9 Mill. Dollar Projekt zu 100% über die USAID.

Zum Ende des Tempelrundganges schauten wir noch im Februar 2012 eröffneten "Krokodil-Museum" vorbei, in dem das Fotografieren inzwischen ganz verboten ist (das Foto von den Krokodil Mumien - konnte ich noch im Nov. 2016 machen). Zudem sollte man für einen Museumsbesuch inzwischen unbedingt eine Taschenlampe mitbringen, da man (aus Sparsamkeitsgründen?) die Beleuchtung so spärlich runtergeregelt hat, dass man kaum erkennen kann wo man hintritt.
Zurück auf unserem Schiff segelten wir lautlos weiter. Das Gefühl von "Zeit" war für ein paar Tage in den Hintergrund getreten - aber nur, um uns später wieder einzuholen. Denn an der Wirklichkeit führte auch für uns kein Weg vorbei: Mit jedem km in Richtung Süden neigte sich unsere Dahabeya-Fahrt ihrem Ende zu. Ein sicheres Zeichen, dass die Stadt nicht mehr allzu weit entfernt ist - wenn man die riesige um 2002 fertiggestellte Al-Khattarah-Schrägseil-Brücke - die am Abend immer hell erleuchtet ist passiert hat. Heute konnten wir deren beiden Hauptpfeiler (nur) bei Helligkeit bewundern. Als die Sonne langsam unter unterging, erreichten wir unseren letzten Ankerplatz  und legten ziemlich weit außerhalb der Stadt - bzw. weit vor den normalen Kreuzfahrtschiffen an.

Assuan ist für mich eine der schönsten Städte des ganzen Landes. Mit ihren rund 300.000 Einwohnern, ist sie zudem die südlichste und viertgrößte Stadt Ägyptens. Die ca. 800 km von Kairo entfernte Stadt ist zwar laut - wie jede ägyptische Stadt, aber sie ist im Gegensatz zu vielen anderen recht sauber. Wer mit einem normalen Nilkreuzer hier ankommt, kann sich recht unbedenklich auf den Straßen bewegen. Im März 2012, als ich das erste Mal dort war, hab ich mich an unserem "freien Tag" sofort auf den Weg gemacht: bin allein vom Schiffsanleger - die immer am Fluss entlang führende "Chorniche el Nil", vorbei am Ferial Garden, vorbei am legendären Old Cataract Hotel, der 2006 fertiggestellten riesigen Koptisch Orthodoxen Erzengel St. Michael Kathedrale  zum Nubischen Museum gelaufen. Diese Möglichkeit hatten wir heute leider nicht, unserer Dahabeya lag gute 3 km außerhalb der Stadt. Die restlichen Stunden waren "gezählt", wir mussten noch Kofferpacken, entschlossen uns aber nach dem Abendessen noch einen "ausgiebigen" Bazar-Besuch zu starten. Und da auf der oberhalb gelegenen Straße  so gut wie keine Taxen vorbei kamen, orderten wir für 20h über unseren Reiseleiter einen fahrbaren Untersatz.

Eigentlich hatten wir den "Riesenfisch", mit dem uns der Schiffschef gestern Morgen überrascht hatte schon wieder so gut wie vergessen. Aber nur, bis der Küchenchef selbst und  eigenhändig mit einer großen Servierplatte - auf der der "Mabruka" lag, garniert mit frischen Gemüse, Kartoffeln und einer Orange im Maul - die Treppe hochkam.  Wenn ich mir die Bilder anschaue und die Augen schließe, kann ich den herrlichen Duft immer noch "aufrufen". Was folgte - war ein unbeschreiblich leckeres Festmahl - das ich hier wirklich nicht gebührend wiedergeben kann. ....

Mit gut gefülltem Bauch stiegen wir eine Runde Stunde später die drei Treppen zur Straße nach oben, wo eine "Privattaxe" schon wartete. Persönlich gefällt mir der Souq von Assuan viel besser, als die - die bisher gesehen- und erlebten. Man kann ihn auf keinen Fall  mit dem in Luxor und auch nicht mit dem in Kairo vergleichen. Dies liegt sicher auch an den Menschen - die Nubier sind - auch wenn es ums Geschäft geht - viel gelassener als die übrigen Ägypter. Ein ganzes Stück südlich ließen wir uns in der Nähe der "Sharia el-Souq" absetzen und tauchten dann in nördlicher Richtung bummelnd ins Bazartreiben ein. Auch wenn man das Viertel für die Touristen aufgepeppt hat, hat es doch seinen gewissen Charme nicht ganz verloren. Das Marktangebot in der ca. 700 Meter langen Straße reicht von nubischen Handarbeiten über gutes und schlechtes Parfüm, Duftöle, Lampen, Haushaltsartikel, Lufaschwämmen, Hals- und Schultertüchern, Bekleidung aus Leinen und weniger edlen Stoffen - bis hin zu Gewürzen, frischen- und eingelegten Fisch, duftende Backwaren, Früchte und Gemüse, tote- und lebende Tiere und natürlich jede Menge Nippes. Eigentlich gibt es an diesem Ort alles - was der Mensch braucht - oder ggf. meint - haben zu müssen.

Zwei "Niedersächsische Omas" waren in ihrem Element - wir fühlten uns unglaublich wohl und genossen das Treiben der Händler, dass feilschen der Käufer - die außergewöhnlichen Gerüche - die vielen Menschen - die Stimmung -  in vollen Zügen. Das einzige was ich unbedingt kaufen musste, war eine Tüte Hibiskusblühten - den besten die es in Ägypten gibt. Auch wenn uns nur knapp 2 Stunden zur Verfügung standen, so hatten wir doch "hochkonzentrierten" Spaß und kamen sogar zur vereinbarten Zeit und Treffpunkt am Bahnhof an. Vor uns lag die letzte Nacht auf der wunderschönen "NileDream"  - die Koffer waren schnell gepackt. Allerdings stellte sich der friedliche Schlaf der vergangen Nächte - diesmal leider nicht ein.

08.04.2018 - Nach dem Frühstück gehörte diese - so lang ersehnte und herrliche Dahabeya-Fahrt schon wieder der Vergangenheit an. Wir verabschiedeten uns, übergaben der Mannschaft einen redlich verdienten "Dankesbrief", schauten etwas wehmütig zurück, winkten den Männern noch einmal zu und stiegen in einen Minibus, der uns in die Stadt zurück brachte.

Bevor uns die Ägyptische Staatsbahn wieder nach Luxor zurück brachte - blieben uns aber noch ein paar Stunden. An der Chorniche - unweit der der großen Nilkreuzer wartete schon eines der vielen kl. Motorboote auf seine Gäste, um "sie" zur "Kitchers Insel" überzusetzen. Auch wenn man schon öfter dort war, ist jeder Besuch immer wieder anders. Besonders für Gartenliebhaber - wie wir beide - ist die Kitcheners Insel ein unbedingtes Muss. Ein botanisches Paradies unter nubischer Sonne, genau dass ist Geziret El Nabatant - die "Pflanzen-Insel", wie die Ägypter die kl. Nilinsel - unweit der Insel Elephantine nennen.

Bis zu seinem Ableben im Sommer 1916, war die ihm ca. 1899 geschenkte Insel Eigentum des britischen Lord H.H. Kitcheners. In dieser Zeit sammelte er Pflanzen aus aller Herrenländer und siedelte sie hier an. Auf rund 4.200m² wachsen tausende von Pflanzenarten, wie z.B. Tamarisken, Drachenbäume, Kakteen, Balsambäume, Akazien, bunte Buganvilla in allen erdenklichen Farben, Cafebäume, Papayas- und Mangobäume, "Spathodia Campanulata" = afrikanische Tulpenbäume und majestätisch in den azurblauen Himmel ragende Königspalmen,  "Fangipani" in mehreren Farben und viele mehr .. Wenn man in einen der am Nil gelegenen Wege abbiegt kann man bis rüber zum Aga Khan Mausoleum schauen. Oder den Männern bei der Ernte an einer Doum-Palme zuschauen. Wenn die Äste mit den daran hängenden Früchten nach unten fallen hört, kommt es einem "Steinregen" gleich.

Zurück am Boot, führte uns die Fahrt weiter durch den unteren Bereich des ersten Katarakt`s - ein mit großen Granitfelsen durchzogenes Naturschutzgebiet. Wunderschön schlängelt sich der mächtige Fluss, unterbrochen von vielen kleinen - mehr oder weniger bewachsenen Inselchen. Der Bootsmotor "heulte" gleichmäßig, verbreitete aber eine stickende schwarze Fahne. In dieser Region der Erde sieht man es mit schädlich Abgasen (noch) nicht so eng, wie u. a. bei uns.  Immer wieder bin ich hellauf begeistert, wie elegant die Bootsführer ihre Schiffchen entlang der Felsen, um die Stromschnellen- und Strudel lenken. Wer den Fluss in diesen Bereichen mit einem Boot befahren will - der muss sich mit den Gegebenheiten sehr genau auskennen. Und wieder kamen wir an dem, aus alten Zeiten stammenden Schild vorbei, welches vor den gefürchteten Nil-Krokodilen warnt, die es aber in dieser Gegend seit dem Bau des Staudammes so gut wie gar nicht mehr gibt.

Insel-Hopping: Kurzer Stopp an einem im Gebüsch versteckten - aber direkt am Wasser liegenden - nubischen "Ein-Mann Tee- und Coffee-Shop" von dem unser Reisebegleiter meinte: "Hier gibt es den besten Cafe von ganz Ägypten". Wir durften also gespannt sein. Und ich muss sagen - es war tatsächlich einer der beste Cafe`s, den ich je getrunken habe. Kräftig, ohne auch nur einen Hauch bitter zu sein - einfach fantastisch. Da konnte es ruhig ein Tässchen mehr sein.

Unbarmherzig drehten die Uhr-Zeiger ihre Runden - dazu kam gegen 13.30h auch noch der kleine Hunger. Bevor wir uns auf den Weg zum Bahnhof machen mussten, legte unser Boot noch auf Eissa-Island, gegenüber der "Elephantine Insel" an. Hoch oben auf einem Felsen liegt das El Dokka-Restaurant. Genau hier hatten wir im März 2014 - nach unserem 3 Tage Trip nach Abu Simbel - auch Station gemacht, bevor wir zum Bahnhof mussten. Heute sieht das Ganze allerdings viel "Frischer"  aus. Darauf angesprochen, meinte  unser Reisebegleiter, dass es ca. in der zweiten Jahreshälfte 2016 einen recht großen Brand gegeben hat, durch den die gesamte Inneneinrichtung und vieles mehr zerstört wurde. Nachdem rund ein Jahr alles neu renoviert, umgebaut und hergerichtet wurde das Restaurant wiedereröffnet. Zwar gibt es den großen "Bahnhofshallen" ähnlichen Speiseraum auch heute noch, aber er wurde ein wenig umgestaltet, mit tollen Bildern und hellen frischen Farben "aufgehüpscht". Nur - der schon damals im Eingangsbereich stehende - fast 2 m hohe stumme Kunststoff Weihnachtsmann "begrüßt" noch immer die ankommenden Gäste. Allerdings hat man ihn "umgezogen" - jetzt hat er eine weißblaue Nadelstreifen Galabiya an und einen wärmenden Schal um den Kopf.

Um 15h ging unser Zug - wir mussten das nächste Boot zum Ufer nehmen- um mit dem PKW, in dem unsere Koffer waren - weiter zum Bahnhof zu kommen. Nur gut, dass unserer Reisebegleiter vorgesorgt und die Tickets schon gestern Abend gekauft hatte.  94 LE (runde 4,70 €) kostet so eine gut 3- 3 1/2 stündige Fahrt von Assuan nach Luxor - erster Klasse versteht sich! Vor 4 Jahren waren es noch 40LE (damals waren das runde 4,20€). Wie eine große "EisenSchlange" windet sich die Bahnstrecke - teilweise am Nil - um dann wieder durch Dörfer  und Städte zu fahren, in denen er 4 mal anhielt: Kom Ombo, Edfu, Esna - an denen Reisende zu- oder ausstiegen. Unseren Zielbahnhof  in Luxor - erreichten wir gegen 18.20h und fuhren anschließend gleich weiter ins direkt am Nil liegende  "Lotus Hotel" an der "Khaled Ebn El Whalid St". - direkt neben dem tollen "Sonesta St. George", in dem wir 2014 nach unserer Rückkehr aus Assuan gewesen sind. Da wir nur für eine Nacht gebucht hatten, wurden uns natürlich nicht die besten Zimmer zur Verfügung gestellt, aber es reichte und sie waren sauber. Seitlich vom Balkon, konnte man sogar den  Nil - bis rüber zur Westseite sehen und auch die schöne angelegte Außenanlage mit Pool überblicken. 

Montag 09.04.2018 - Bevor unsere Reise zurück an Rote Meer ging blieben uns nach einem ausgedehnten Frühstück noch  ca. 4 Stunden. Und da wir schon mal hier waren wollten wir noch etwas sehen und  Gezira el-Mos = Banana-Island besuchen - eine Insel, die eigentlich keine Insel ist und wo ich - weil dort Tiere unter "Ägyptischen Bedingungen" zur Schau gestellt werden sollen - eigentlich nie wirklich hin wollte. Aber wie heißt es schön: Mitgegangen - mit gefangen!

Vom Ostufer bieten viele Hotels solche Überfahrten an. Per Motorböötchen tuckerten wir eine Weile in Richtung Westseite und waren gespannt ob es dort genau so ist, wie immer wieder erzählt wird. Die einen sagen "super toll" - die anderen "nie wieder". Die Chancen standen also fifti - fifti. Wir erreichten ein "Ägyptisches Naherholungsgebiet" - so wie der Maschsee für die Hannoveraner. Unter einem riesigen Zeltdach waren Tische und Stühle aufgebaut, an denen Heerschaaren von Familien Picknick machten. Weiter hinten gibt es ein Touristen-Restaurant und noch weiter ein Gehege in dem ein Krokodil schlief. Erst dann kann man an unzähligen Bananenstauden vorbei schlendern und diese in ihren unterschiedlichen Wachstumsstadien bewundern. Seit ich vor vielen Jahren, in der Oase Bahariya "meine" erste Bananenblühte gesehen habe - fasziniert mich deren besondere Schönheit.

Gegen 13h waren wir zurück am Hotel, holten unsere Koffer aus dem Aufbewahrungsraum neben der Hotellobby. Vor der Tür wartete schon unser Fahrer Mahmoud, um uns zurück ans Rote Meer zu fahren.

Fazit: Amelia Edwards hat Recht - wir können ihr  zu 1001% zustimmen! Um die Schönheit der Gegend, den fruchtbaren Nil-Ufern mit ihren dort lebenden Bewohnern kennen zulernen und zu genießen, gibt es nichts schöneres als eine Dahabeya-Kreuzfahrt auf dem Nil.

Diese herrliche Fahrt wird unsere Gedanken noch lange begleiten und sie wird ganz sicher nicht die einzige bleiben. ...

 

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