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Qasr El Baron - Baron Empain Palast

März 2009: Als ich das Gebäude sah war ich sofort fasziniert, schade dass  die Zeit fehlte, damit man sich das "Ganze" näher ansehen konnte. Aber so hatte ich schon wieder einen Punkt, der auf die Liste für den nächsten Kairobesuch kam. Ein paar, aus der Ferne geschossene Fotos, konnte ich dann doch machen.
Wieder zu Hause, wollte ich unbedingt mehr über seinen Erbauer dieses, so ungewöhnlichen Hauses wissen und begab mich auf die Suche:  General und später auch Baron Edouard L.J. Empain (1852-1929) stammte aus einer reichen Belgischen Industriellenfamilie, studierte Maschinenbau, reise durch die Welt und kam 1904 wegen eines Eisenbahnprojektes, das er allerdings an die Briten verlor, nach Ägypten. Es dauerte nicht lange und er wurde zum „Wüsten Fan“ und Hobby-Ägyptologen.
1905 gründete er die Firma „Kairo Electric Railways & Heliopolis Oasen Company“. Für sein Vorhaben benötigte er Land und erwarb die am 23. Mai 1905 von der Regierung - Nordwestlich von Kairo - dort wo einst das antike Heliopolis stand, 25 qm² Kilometer Wüste. So legte er den Grundstein für das „neue Heliopolis“ und das sollte und wurde etwas ganz besonderes. Neben der dazu gehörenden Infrastruktur entstanden u.a.: Straßenbahnanbindungen nach Kairo, Golfplätze, Pferderennbahnen, Luxushäuser, Moscheen und Synagogen - aber auch Mehrfamilienhäuser, Parkanlagen mit breiten Alleen usw.. Am 1. Dezember 1910 eröffnete das „Heliopolis Palace Hotel“, seiner Zeit das größte und luxuriöseste in ganz Afrika, das heute als Präsidentenpalast genutzt wird.  Und 1915 eröffnete „La Luna“ - Afrikas erster Vergnügungs- u. Freizeitpark (Bild links) und er erfüllte sich seinen ganz persönlichen Traum. Er wollte ein „Haus“ das anders war als alle anderen. Qasa El Baron ist ein palastartiges, im Hindu Stil erbautes „Wohnhaus“, dies kann man auch von weitem recht gut erkennen. Das vierstöckige, reichlich verschnörkelt aussehende Haus ist u. a. mit indischen Motiven verziert. Auf meiner Suche nach Informationen fand ich Tempelbauten (Angkor Wat) in Kambodscha, die eine große Ähnlichkeit mit dem Gebäude in Heliopolis haben.
Früher umgab das Gebäude ansteigende üppig grüne Terrassen, auf denen steinerne Tempeltänzerinnen, Drachen, Löwen und Elefanten Statuen standen. Heute ist das ehemals grüne Umland rund um zugebaut. Da das Gebäude seit vielen Jahren für Besucher gesperrt ist, weiß man recht wenig über das Innere des Hauses. Was bekannt ist, dass es 2 oberirdisch u. 2 unterirdische Etagen gibt, die mit zwei Fahrstühlen verbunden waren. Oben feierte die feine Gesellschaft rauschende Feste und lebte in Saus und Braus. Die unteren Etagen wurden als Mausoleum, Wohnraum für die Angestellten und Küche genutzt. Der Baron starb 1929 und wurde in der gegenüberliegenden, durch einen unterirdischen Tunnel mit seinem Haus verbundenen Heliopolis Basilka bestattet.
Drei Empain Generationen lebten in dem - vom Französichen Architekten Alexandre Marcel konzipierten und zwischen 1908 bis 1911 erbauten, tempelartigen Gebäude, dessen Drehturm sich immer nach der Sonne richtete, bis es 1957 mit samt der wertvollen Innenausstattung verkauft, andere sagen versteigert wurde. Da der Staat Ägypten aber weiterhin zu 51% das Sagen hatte, verliefen alle Pläne der neuen Besitzer im Bürokratischen Sand.  Jahrelang wurde es dann von Fledermäusen, streunenden Hunden und anderem Getier „bewohnt“ und von zwei Wärtern bewacht. Natürlich ranken sich im laufe der langen Zeit, auch die schauerlichsten Geschichten um dieses Gebäude. So wird gesagt, dass jungendliche Orgien darin feiern, dass satanische Messen veranstaltet werden und und und. Seit 1993 steht das Gebäude unter Denkmalschutz, wie wir es hier bei uns so schön nennen. 
ABER - Rettung naht: Die Ägyptische Regierung hat reagiert und das Gebäude 2005 übernommen, um es ggf. in ein Museum oder anderes umzuwandeln und so der weitere Verfall hoffentlich verhindert wird. Das kann aber nur passieren, wenn genug Geld zur Verfügung steht.
 
Nachtrag im Dezember 2014: In Ägyptens Medien wurde über einen Verkauf des Palastes geschrieben, der allerdings kurze Zeit später heftig dementiert wurde.
Nachtrag im November 2011: Man kann den Fortschritt der Arbeiten sehr deutlich erkennen, das Gelände sah sehr gepflegt aus und das Gebäude strahlte. (Besuch vor Ort)
Nachtrag im November 2009: Inzwischen wurde mit der Restaurierung begonnen.