Skip to content Skip to navigation

Reisebericht meiner ersten kleinen Oasen- u. Wüstentour im März 2011

Vorgeschichte:
Zwischen der Planung im September 2010, im März 2011 eine 7 tägige Oasenreise, mit anschließendem Aufenthalt am Roten Meer zu unternehmen und den dazugehörenden Flugbuchungen lag die Revolution in Ägypten, die nach 18 Tagen für die Menschen des Landes eine neue Zeit einläutete. Nur ein einziges Mal kamen wir ins Grübeln: Reisen oder umbuchen?? Das war am Wochenende des 3. + 4. Februar 2011, als in Ägyptens Hauptstadt Kairo die Gewalt eskalierte - als sich Anhänger und Gegner des gestürzten Präsidenten Mubarak`s Straßenschlachten und heftige Feuergefechte lieferten.  Eine Woche später hatten die Menschen erreicht was sie wollten - Mubarak trat zurück.

18. März 2011 - Um 18.30h flog ich von Hannover nach München, um meine Hamburger Reisefreundin Hanne zu treffen, die schon eine Stunde früher aus ihrer Heimatstadt angereist war. Die verbleiben Zeit bis zu unserem Weiterflug nach Kairo vertrödelten wir quatschen und freuten uns auf die kommenden Tage. Ein betrunkener Mann, der von einem Gate zum anderen wanderte, kam immer wieder bei uns vorbei. Er pöbelte rum und wollte ebenfalls nach Kairo wollte. Verloren ihn dann aber aus den Augen. Checkin: Hanne hatte ihren Sitzplatz ganz vorn, ich in der Mitte, eine ganze Reihe für mich allein. Plötzlich tauchten Sicherheitsbeamte in der Maschine auf, gingen nach hinten und kamen mit dem Betrunkenen, jetzt wüst schimpfenden Mann wieder nach vorn. Für ihn endete die Reise ins Land von 1001Nacht am Air Port der Bayrischen Landeshauptstadt. Da sein Gepäck schon im Bauch des Flugzeugs war, mussten wir warten bis es gefunden wurde. Erst dann startete die halbleere Air Berlin Maschine um 23h - mit einer 1/2 Std. Verspätung in Richtung Kairo.

19. März 2011 - Muhammad Ali, Chef von Select-Egypt-Reisen empfing uns am Air Port. Hanne kannte ihn von ihren früheren drei Wüsten Unternehmungen, dementsprechend herzlich fiel die Begrüßung der Beiden aus. Unser Gepäck verstaute man in den Bus und schon fuhren wir los. Noch nie hatte ich die Millionenstadt so „leer“ gesehen. Wegen der bestehenden Ausgangssperre, waren nur sehr wenige Fahrzeuge unterwegs. Bis zu unserem Zielort, dem Päsident Hotel auf der Nilinsel Zamalek passierten wir einige Militärkontrollen.
Ein paar Stunden leichter Schlaf musste reichten, unsere Zeit in Kairo war knapp bemessen und wir hatten noch einiges vor. Nach einem etwas ausgedehnteren Frühstück erkundeten wir die nähere Umgebung der Nilinsel. Auf Zamalek befinden sich meisten Botschaften anderer Länder. Per SMS organisierte ich ein Treffen mit hier lebenden Freunden, wir wollten zusammen zum "Platz der Befreiung" gehen. Meine Freundin Sonja kam mit einer Taxe und Ismael mit seinem „silbernen Kairoblitz“ - Treffpunkt: Haupteingang "Flamenco Hotel". Gemeinsam fuhren wir zum Midan at-Tahrir (Platz der Befreiung) um Heiko zu treffen, der schon auf uns wartete.

Noch immer hatte ich die Menschenansammlungen der Revolutionstage im Gedächtnis, aber nichts erinnerte mehr an die Bilder der vergangenen Wochen. Die Sonne strahlte, die Autos hupten und fuhren wie immer „wirr“ durcheinander. Auf den ersten Blick erschien alles wie im letzten Jahr und doch war im Land am Nil so rasend viel passiert. Erst der Blick, in die entspannten Gesichter der Menschen ließ erkennen, dass sich für sie etwas Großes verändert hatte. Sie wirkten entspannter und irgendwie befreit, sie strahlten eine sehr positive Energie aus. Es war einfach nur schön unter ihnen zu sein! Eine gute Stunde saßen wir in einem urgemütlichen Cafehaus, direkt am Midan at-Tahrir. Diskutierten und quatschten über dies und das. Heiko, der seit einigen Jahren in Kairo lebt, verabschiedete sich leider viel zu früh und wir machten uns auf den Weg in die Altstadt, um in die Vergangenheit einzutauchen.

Wenn möglich, wollten wir Frauen unbedingt zum „Ciyamiyya“ die Straße - oder besser dem Basar der Zelt- und Tuchmacher. Ismael stimmt zu und fuhr uns hin. Da dieser Bazarteil außerhalb des berühmten Khan El Kalilli liegt, steht er nicht immer auf den geführten Routen der Reiseführer. Schade eigentlich, ist er doch der einzige noch existierende überdachte Markt in Kairo. In ihm arbeiten Familienbetriebe, die oft schon mehr als 80 Jahre alt sind. Hier werden bis heute die großen bunten Zeltplanen gefertigt, die für alle erdenklichen Feiern und auch als Windschutz in Wüstencamps, benötigt werden. Allerdings hat sich die Anfertigung "Zeitgemäß" etwas verändert. Früher nähten die Handwerker die Stoffe in Patchworktechnik aus einzelnen Tuchstücke zusammen genäht. Nur werden heute die großen Stoffbahnen der Einfachheit halber- und Kostengründen bedruckt angeliefert.
An diesem Samstag stimmten die Ägypter über eine Verfassungsänderung ab und da die Meisten, auch wenn sie nur ein paar Häuser um die Ecke wohnen, zu den Wahllokalen mit einem Auto fuhren, war in einigen Straßen zeitweise kein durchkommen mehr. Nach einer abenteuerlichen Fahrt durch ein Jahrhunderte altes Viertel, mit unbefestigten, Labyrinth ähnlichen, super engen, mit Schlaglöchern gesprenkelten Gassen, kamen wir schließlich doch am wunderschönen Stadttor Bab Zuweila an. Wie es schien, waren wir die einzigen Touristen, die sich hierher verirrt hatten. Wir schlenderten durch den, zum Himmel hin, teilweise unterbrochenen „BasarTunnel“. Rechts und links reihen sich kleine Läden wie an einer Perlenschnur aneinander, die meisten nicht größer als ein dreitüriger Kleiderschrank. Ich konnte sehr schöne Dinge entdecken, aber auch welche - von erlesener Hässlichkeit“. Geschmack ist halt verschieden.

Später stiegen wir eine schmale Treppe in einem der beiden Stadttortürme hinauf. Von dort hatten wir eine wunderbare Aussicht über Kairos Altstadt, bis hin zur südlich gelegenen Salih Talai Moschee, die vom Emir Salih Talai 1160 erbaut wurde und schauten anschliessend eine Weile dem Treiben der Menschen aus der Vogelperspektive zu. Das aus dem 11. Jahrhundert stammende Stadttor (eines von vier) ist der letzte noch vorhandene Teil der zweiten alten Stadtmauer Kairos.

Unsere Mägen hatten schon vor etlichen Stunden den letzten Bissen verdaut und um den aufkommenden Hunger zu bekämpfen (ent)führte Ismael uns durch die verwinkelten Gassen ins „Shish Kebab“ Restaurant von Ibrahim M. Adel Wahab. Ein echter Geheimtipp, um in diesem Stadtteil wirklich gute ägyptische Küche zu genießen. Der Tag, oder besser die wenigen Stunden waren leider viel zu schnell vorbei, wir mussten uns von unseren Kairofreunden verabschieden. Inshallah sehen wir uns schon bald wieder! Wenn auch nur eine kurze, so war es trotzdem wieder mal eine kl. wunderbare Reise ins Leben des berühmten Nagib Machfuss, denn genau in diesen Gassen der Kairoer Altstadt hat er seine Jugend verbracht.

20. März 2011 - Um 6.30h waren wir die Ersten im Frühstücksraum des Hotels, von dem aus man einen herrlichen Blick über die Dächer der Stadt hatte. Später, kurz vor 7h empfing uns Essam El din Sahla Mousa, unser nubischer Guide für die nächsten Tage, in der Lobby des President Hotels. Gegen 7.15h fuhren wir zusammen mit unserem Fahrer Ahmed in Richtung Siwa, vor uns lagen gut 800 km.
Als wir Kairo schon eine Weile hinter uns gelassen hatten sah man immer wieder enorme Bautätigkeiten, am Mittelmeer entlang wird ein Urlaubs Ressort neben dem anderen in den Wüstensand gesetzt. Hier sollen „Inshallah“ irgendwann die vielen, von Smok geplagten Ägypter Urlaub machen. Erster Stopp an einer Raststätte, unsere Zeitmesser standen auf 8.30h, es begann ein bisschen zu regnen. Zwei Stunden später kamen wir an der Deutschen Kriegsgräber Gedenkstätte aus dem zweiten Weltkrieg - nahe El Alamein an. Nicht weit entfernt befinden sich die Italienische und die Englische Gedenkstätten mit Friedhöfen, auf denen auch griechische- und libysche Soldaten ruhen.
Von der Hauptstraßen bogen wir nach rechts ab, fuhren einen Schotterweg hinauf und kamen an einer kl. Plantage mit seltsam aussehenden Bäumen vorbei. Kaum hatte Ahmed den Bus geparkt, tauchte wie aus dem „Wüstensand gepustet“ der Wächter der Stätte Herr Abdel Raouf mit einem seiner Söhne auf. Gemeinsam mit dem Jüngeren, der in eine blitz weiße Gallabiya gehüllt war, gingen wir zum Eingang des imposanten, achteckigen Gebäude - mitten in der Wüste. Der Eintrittspreis beträgt 5 LE p. P..

Geschichte: Ende Oktober 1959 wurde diese Gedenkstätte eingeweiht, in der über 4.200 identifizierte (v. ca. 4.500) deutsche Gefallene des Zweiten Weltkrieges, sowie 31 Tote unbekannter Herkunft, ihre letzte Ruhe gefunden haben. Im Innenhof fällt der erste Blick auf einen 12 m hohen Basalt Obelisken. In der Hofrunde befinden sich in sieben Nischen, jeweils 3 Steinkenotaphe, die die Namen deutscher Regionen nennen, über diesen sind graue Steintafeln angebracht, welche die Soldaten benennen, die in verschiedenen Grüften ruhen.

Über eine Wendetreppe gelangt man in einen Austellungs- oder auch Info Raum. Eigentlich besuche ich einen „Friedhof“ recht gern, egal ob in Italien oder Spanien, es ist jedes Mal etwas Besonderes. An diesem Ort aber, überkam mich ein unangenehm beklemmendes Gefühl: dachte an die Sinnlosigkeit von Kriegshandlungen – fragte mich – warum nur …. . Kurz vor unserer Weiterfahrt fragte ich Abdels Sohn, was es mit den seltsam, knorrig und blass grau aussehenden Bäumen auf sich hatte und er antwortet: Das sind Feigenbäume.

Weiter ging’s zur Mittagspause ins rund 150 km entfernte Marsa Matruh. Die Innenstadt, die eigentlich nur im Spätsommer, wenn die Ägyptischen Touristen kommen, aus ihrem Dornröschenschlaf erwacht, war voller Menschen und im Gegensatz zu Kairo sah man hier an jeder Straßenkreuzung gepanzerte Fahrzeuge. In den teils unbefestigten Straßen standen große Pfützen, gerade so, als hätte es etwas mehr geregnet. Hanne meinte, dass sie die Stadt noch nie so voll gesehen habe. Der Umstand lag sicher an Unruhen in Libyen, viele ägyptische Arbeiter, die davor geflüchtet waren, warteten darauf, ggf. bald an ihre Arbeitsstätten zurückkehren zu können. Salum, der Grenzübergang in Richtung Libyen, ist nicht all zu weit entfernt. In einem kl. Restaurant aßen wir zu Mittag und fuhren anschliessend auf die nach Westen führende, von hier - einzige Straße in Richtung Siwa. Rechts und links sauste die Wüste an uns vorbei ...... Bis zum Bau- und Fertigstellung der vom Mittelmeer aus – einzigen Asphaltpiste in die entlegenste Oase, Mitte der 80er Jahre, war diese total abgeschnitten - von der s. g. großen Welt. Die dort lebenden Menschen kannten weder TV noch Telefon, heute gehört das alles natürlich der Vergangenheit an. Es gibt inzwischen Investoren, die mit der entlegenen Oase einiges vorhaben. Pläne für einen kl. Flughafen liegen z.B. auch schon bereit. ........

Zwischen Marsā Maṭruh und Siwa liegen mehr als 300 km Sand und Wüstenlandschaft. Ca. 20 km vor der Oase wurde, die Straße auf einem längeren Stück „Restauriert“, vergrößert und erneuert, Streckenweise mussten wir auf den Wüstensand ausweichen.
Kurz nach 16h näherten wir uns der Oasenregion, die nur etwa 55 km von der Libyschen Grenze entfernt ist. Die Einfahrt in die Siwa-Senke, die ca. 25m unter dem Meeresspiegel liegt, wirke auf mich wie eine Fata Morgana. Nach der langen Wüstenfahrt tauchten wie aus dem „Nichts“ die ersten von über 290.000 übergrünen Dattelpalmen, später auch Wasserflächen und ersten Eselskarren auf. Neben den vielen Dattelpalmen wachsen in Siwa auch reichlich Oliven-, Apfelsinen- Feigenbäume und natürlich auch viele blühende Pflanzen. Das lebenspendende Nass erhalten sie u.a. – aus den hier ca. 200 sprudelnden Quellen, die eigentlich Brunnen sind. Wenn Siwa etwas im Überfluss hat, dann ist es Wasser - Wasser das aber leider sehr Salzhaltig ist und deshalb können die Bauern es nur bedingt für die Landwirtschaft nutzen. Es sammelt sich in zahlreichen wunderbar aussehenden Seen an, um mehr oder weniger zu verdunsten.

Unser Hotel „Dream Lodge“ liegt etwas außerhalb, hinter einem Palmenhain und entpuppte sich als ein kl. sehr feines, im traditionellen Stil, aus Naturmaterialien erbauten Oasenhotel mit wunderschöner Bepflanzung. Wer hier her kommt, der muss sich einfach wohl fühlen. Leider waren wir die einzigen Gäste und konnten die Kochkünste des Hotelkochs nicht testen, er machte Urlaub. Wir bezogen unsere von blühenden Bougainvillea umrankten, nebeneinander liegenden Zimmer, machten uns ein bisschen frisch und schon ging’s wieder los. "Shali`s" alte Ruinen warteten - um von uns erklettert zu werden.

Geschichte: Damals bauten die Menschen aus rein strategischen Gründen ihre Unterkünfte auf einem Hügel, umgeben von einer Stadtmauer, die allerdings nie erweitert wurde. Aus dem daraus resultierendem Platzmangel wuchsen die Häuser in die Höhe, nicht selten bis zu 5-6 Stockwerke. Als Baumaterial nutzten sie seiner Zeit getrocknete Salzschlamm-platten, die aus dem Schlamm der umliegenden Salzseen gefertigt wurden. Trocken sind diese Platten Steinhart und Regen kannten die Menschen damals so gut wie nicht. Erst als die Zeiten etwas sicherer wurden und zudem 1926 ein verheerender Dauerregen die Häuser teilweise wie „Butter in der Sonne“ dahin schmelzen ließ, siedelten sich die Menschen außerhalb der Stadtmauern an und wanderten nach und nach ins Tal ab.

Die ersten "Touristen": Der erste europäische Oasenbesucher war der Engländer W.B. Browne, er startete am 10. Februar 1792 in Alexandria und kam 14 Tage später in der der Oase an. Erst 6 Jahre später betrat der Hildesheimer F. K. Hornemann als
erster Deutscher den Oasenboden von Siwa.

Zurück zur Klettertour: Die untergehende Sonne ließ die Mauerreste der Altstadt oft wie aus Gold erscheinen und der Aus- und Rundblick über die Oase ist kaum zu beschreiben. Das Gelände ist für jedermann frei – aber auf eigene Gefahr zugänglich. Man sollte allerdings die vorgegebenen Pfade auf keinen Fall verlassen, denn die Gefahr ggf. in einen Hohlraum einzusacken besteht immer. Die hier oben gelegene alte Moschee wird teilweise immer noch genutzt.
Essam erzählte, dass jedes Jahr im Herbst ein Ing. (seine Nationalität hab ich leider vergessen) für ein paar Monate nach Siwa kommt und Teile der Altstadt restauriert. Die Ergebnisse seiner Arbeit sind einfach wunderbar.

Die Zeit verging wie im Flug und die Sonne viel zu schell unter.  Vom Marktplatz aus erkundeten wir die nähere Umgebung und dass Gefühl - in einer Welt - wie vor 100 Jahren zu wandeln, hüllte uns die Vergangenheit in einen zarten unsichtbaren Schleier. Hauptverkehrsmittel der Oase ist, genau wie vor hundert Jahren, der Eselskarren. Mit ihm wird alles transportiert: Menschen, Futtermittel usw.. Benzinbetriebe Vehikel sind überwiegend Toyota Pickups oder uralte Java Motorräder. Taxen gibt es gar nicht. Aber man kann sich Fahrräder mieten und die Gegend erkunden.
Zeit zum Abendessen, Essam wartet schon auf uns. Auch wenn es nicht die Maße an Touristen ist, so haben die Siwis doch erkannt, dass mit Essen Geld verdient werden kann und einige Restaurants eröffnet. Die Auswahl der Speisen wiederholt sich allerdings bei allen.
Eins der ersten "Speiselokale" am Ort und von Besuchern "als Bestes" beschrieben - ist ABDU`S Restaurant, direkt am Marktplatz gelegen und jeden Abend gut besetzt. Hier trifft man Oasenbesucher vieler Nationen. Hühnchen, Kebab, Gemüse usw. gab’s überall und so wählte ich total unägyptisch, eine der - bei ABDU immer wieder hoch gelobten Pizzen. Und die war wirklich richtig lecker!! Gern hätten wir nach dem Essen noch eine Shisha gepafft, aber es gab keine, oder nur welche - mit typisch "einheimischem" Tabak. In diesem Fall Nein zu sagen - fiel da nicht allzu schwer. Der Tabak der Einheimischen schmeckt einfach nur grässlich. In Siwa gehen die Menschen früh ins Bett und auch wir lagen gegen 22h in unseren sehr bequemen Betten des Dream Lodge Hotels. ...

Am anderen Morgen wollten wir Siwa`s weitere Umgebung erforschen. Das die Stunden viel zu wenig für dieses herrliche Fleckchen Erde waren ist völlig klar - aber immerhin, besser als nichts. Als wir zwei gegen 8.30h aus den Zimmern kamen, stand der gedeckte Frühstückstisch schon im rundum blühenden Garten und die Sonne tat ihr Bestes um die Luft zu erwärmen. Wir nahmen uns „reichlich“ Zeit, dass herrliche Flair des Hotelgartens zu genießen, Tee zu trinken und den lieben Gott nen guten Mann sein zu lassen.

Erst 1 ½ Std. später kamen Essam und unser Fahrer Ahmed (wieder ein Ahmed, aber ein ganz anderer als der, mit dem wir aus Kairo gekommen waren), um in die „Stadt“ zu fahren. Für die Genehmigung unserer morgigen Weiterfahrt nach Bahariya brauchten sie Kopien der Pässe aller teilnehmenden Personen.

Ganz in der Nähe der „König Faruk Moschee“, die dieser 1928 bei einem Besuch der Oase einweihte, parkte Ahmed unseren Jeep. Gegenüber an der Straßengabelung entdeckte ich einen kl. Krämerladen, der Beduinen Handarbeit und anderen Schnickschnack anbot. Seitlich neben dem Eingang standen 3 Bretter in der Sonne, ein Oranges und 2 Rote. Die wollte ich mir unbedingt näher ansehen und begann schon zu lachen als ich näher kam, ahnte um was es handelte - und tatsächlich, es waren selbst gezimmerte Sandsurfbetter. Ganz schön erfinderisch die Siwis, liegt doch das große Sandmeer fast vor ihrer Haustür!!

Auf zum „Mountain of Deat“, oder auch „Berg der Toten“ genannt, der etwas außerhalb - am Nordrand der Stadt liegt. Es handelt sich um einen, mehr oder weniger hohen Hügel, der über und über mit Steingräbern durchsiebt ist. Vor der in den Boden gemeißelten, nach oben führenden Treppe, hatte ein Händler sein Domizil aufgeschlagen, bot Karten, Bücher, Haarspangen und Tücher an. Eintrittspreis zum „Mountain of Deat“ = 25 LE. Wir stiefelten auf den Gebel, kurvten um unzählige Löcher herum, die für mich nicht immer wie ehemalige Gräber aussahen. Irgendwo hatte ich gelesen, dass die größeren Gräber im Gebel el-Mawta, im zweiten Weltkrieg zeitweise von den Siwis bewohnt wurden, weil diese ihnen Schutz vor Luftangriffen boten. Wir waren in einem drin, das so groß wie eine kl. Wohnung war. Auf dem Berg gibt es 4 Gräber die verschlossen sind aber für Interessierte von einem Wärter geöffnet werden.

- Grab des Pa-per-n-Thot
- Grab des Siamun
- Grab der Hathor-mesu-Isis
- und das Krokodilsgrab

Ich habe mir nur 2 angesehen, in denen noch recht schöne Wand- und Deckenmalereien zu sehen waren. Fotografieren ist allerdings auch hier absolut verboten, hab`s versucht, keine Chance, der Wärter ist einem näher als der eigene Schatten. Am schönsten fand ich den herrlichen Blick von diesem Berg - über die uns zu Füßen liegende Oase.

Vom Gebel el-Mawta fuhren wir zum Orakel Tempel im Dorf Aghurmi, vielen auch unter dem Namen „Alexander Orakel“ bekannt, der im 6. Jahrhundert erbaut wurde und ca. 3 km östlich liegt. Eintrittspreis wieder 25 LE / Studenten 15 LE. Aghumi ist die älteste Siedlung der Oase, Shali kam erst später und ist deshalb auch um einiges besser erhalten. Am Berg angekommen fiel mir zuerst der Turm der alten Moschee auf, die ca. vor einem Jahr restauriert wurde und immer noch fleißig genutzt wird. Vom Orakel Tempel selbst stehen nur noch einige verwitterte Mauerreste. Und wieder bot sich uns ein berauschender Blick über die Oase, bis rüber zum Gebel Dakrour, der höchsten Erhebung der Oase.
Als nächstes steuerten wir die, im wahrsten Sinne des Wortes, Überreste des Amun Tempels von Nektabenes, aus der 30. Dynastie an. Wären wir vor gut 100 Jahren hier her gekommen, hätten wir noch wesentlich mehr vom Tempel bewundern können. Um u. a. Baumaterial für eine Moschee zu gewinnen sprengte man ihn kurzerhand in „Kleinteile“. Heute steht nur noch eine Mauer, mit leider immer mehr verschwindenden Reliefs.

In der Oase Siwa gibt es unzählige sprudelnde Quellen, die eigentlich Brunnen sind - eine der berühmtesten ist wohl die "Sonnenquelle" (Ain ash Shams) oder auch "Kleopatras Bad". Ich hatte schon einiges über dieses Bad gelesen, gerade was die wenig berauschende Wasserqualität anging. Umso größer war die Überraschung, dass das Wasser in dem runden Becken glasklar war. Schien wohl lange kein „Badetag“ mehr gewesen zu sein. Denn die vielen warmen Quellen dienen den zu 99,9999% männlichen Siwis als s. g. öffentliche „Reinigungsanstalten“. Unaufhörlich sprudelt warmes Wasser aus der Erde und mit ihm trudeln kleine Sauerstoffblassen an die Oberfläche.
Unter schattenspenden Dattelpalmen gelegen gibt auch ein kl. Beduinen Tee- oder Caféhaus, in dem man sehr schön ein paar Stunden verweilen .. und u. a. einen traditionell gekochten Tee schlürfen .... oder wie unser Guide Essam - den Hausesel füttern kann. Auf unserem Weg nach Abu Shrouf kamen wir wieder einmal am Gebel Dakrour vorbei.
Genau hier findet alljährlich rund um der Berg herum, in der Oktober Vollmondnacht – dass drei Tage dauernde Siyaha-Fest statt - besser als Siwa Festival bekannt. Bisher wurde es nur einmal abgesagt und zwar 2009, als Ägypten fast cholerisch auf den Schweinegrippevirus reagierte. Die Einheimischen nennen es auch "Eid El-Solh" - Friedens - oder Versöhnungs- und Erntefest und hat für die Menschen in der Oase eine besondere Bedeutung und alte Tradition. Z.B. sollen Zankereien oder Missverständnisse die sich evtl. im vergangen Jahr angesammelt haben, an diesen Tagen (wenn möglich) bereinigt  werden. Da wäre ich wäre auch gern mal dabei, da sich das Fest im Laufe der Zeit zu einer kleinen (Touristen) Attraktion gemausert hat. Zurück in die Gegenwart, schließlich war erst März und der Oktober noch weit.

Unser Ausflug nach Ain Abu Shrouf führte in nordöstliche Richtung, über einen Damm fuhren wir durch eine Salzseenlandschaft, die so faszinierend schön und beeindruckend ist, dass ich sie nicht wirklich beschreiben kann. Viele Fotos sind während der Fahrt aus dem Jeep-Fenster raus entstanden, vor lauter Staunen hatte ich die Bitte um einen Foto Stop total vergessen. Gegenüber der Mineralwasserfabrik am Wegweiser "Ain Abu Shrouf" bogen wir nach rechts ab. Eigentlich sollte es hier einen Platz- u. Hüttenmeister geben, der aber hatte wohl mit niemandem gerechnet, wir waren die Einzigen an diesem zauberhaften Ort. Das sehr saubere Quellwasser ist Handwarm, ca. 3 m tief und man kann darin baden.
Um gegen 14h ein etwas verspätetes Mittagessen zuzubereiten, verkrümelten sich Ahmed und Essam hinter den Tresen der kleinen, aus Palmenholz gebauten Hütte, schnippelten Gurken, Tomaten, mischten Frischkäse mit Kräutern und richteten alles auf Teller. Hanne setzte sich in einen Palmwedel-Holzsessel, träumte vor sich hin und schaute den glupschäugigen Fischen zu, mich zog es in die nähere Umgebung. Hinter der Hütte liegt, durch einen größeren Graben getrennt der See, in den das Wasser des Abu Shrouf Brunnens abfließt. Irgendwie war es schon ein seltsames Gefühl, dass sich zwei (auf unseren weiteren Reise auch mehrere) junge Männer um unser Essen kümmerten, uns regelrecht bedienten und es war immer alles hervorragend und frisch zubereitet. Seit gestern erst waren wir in Siwa und schon hatte ich das Gefühl an enormer "Reizüberflutung" zu leiden.
Gegen 16h fuhren wir wieder zum Hotel zurück und verabredeten 2 Stunden später nach Fantasy Island (arabisch: Fatnas Island) im/am Birket Siwa zu fahren, um die Sonne beim untergehen zu beobachten. Island bedeutet gleich Insel, aber Fatnas Island ist keine wirkliche Insel mehr, durch die Eindämmung des Sees wurde sie so gut wie trocken gelegt.
Ahmed stellte den Jeep wenige Meter von einem Palmenumrandeten Brunnen, in einem kl. Seitenweg und wir liefen weiter durch einen herrlichen Palmenhain bis zum Seerand. Diesmal waren wir nicht ganz allein, ein Japanisches und ein Französische Ehepaar waren auch gekommen. Am Ufer des Sees stehen Palmholzstühle und Tische, an denen Kaffee, Tee oder Säfte gereicht werden. Zum Glück hatte ich die wenigen freien Körperstellen mit Moskitospray gut präpariert.
Die untergehende Sonne tauchte die Welt um uns herum in wunderschöne warme Farbtöne. Fast hat sie es geschafft und im Hintergrund tauchte - wie aus Zauberhand der Gebel Dakrour auf. Ganz langsam neigte sich ein unbeschreiblich schöner Tag seinem Ende entgegen. Konnte es noch schöner werden? Am Abend aßen wir in Abdu`s Restaurant noch eine Kleinigkeit und fuhren anschliessend zum Hotel zurück. Ich lud noch mal alle Akkus durch, packte meinen Koffer wieder ein, stieg unter die Dusche und legte mich hin. Eigentlich hätte es eine schöne Nacht werden können, wenn der Esel hinterm Haus nicht so jämmerlich gebrüllt und ein Hund sich nicht bellend u. stundenlang - darüber aufgeregt hätte.

22.03.2011 - Nach dem Frühstück luden wir unsere Habseligkeiten in den Jeep und fuhren kurz vor 8h zu einem Sammelpunkt, an dem schon 4 andere Wagen standen. Hier bekamen die Fahrer ihre Genehmigungen zur Weiterfahrt nach Bahariya. Nun ging es im Konvoi bis zum ersten Militärkontrollpunkt, an dem die Leute schon längst wussten, dass wir kommen würden und dann noch einmal über den Damm, an den rechts und links spiegelglatt da liegenden Seen vorbei, wieder zur Brunnen-Quelle Abu Shrouf. Abschied von "Wahat Siwa" - der Perle der Oasen.
Die Wege des Konvois trennten sich, übrig blieben 2 Wagen der Firma Select-Reisen, in einem saß das französische Ehepaar von gestern Abend und in dem anderen "2 Grazien aus Niedersachsen", die gemeinsam in Richtung Bahariya fuhren.

Hinweis: Von Siwa nach Bahariya müssen immer Einheimische als Begleitpersonen (früher Militärpersonal) in den Jeeps dabei sein. Touristen dürfen diese Strecke, z.B. mit einem Mietwagen, nicht allein befahren.  Die Straße nach Bahariya ist noch jung und doch inzwischen schon wieder arg ramponiert, teilweise wegen Geldstreitigkeiten noch nicht fertig gestellt, ab und zu durch Sandverwehungen gar nicht erkennbar und hin und wieder kaum befahrbar. Bei ganz "grobem Belag" wechselte Ahmed einfach auf die Wüstenpiste, oder auch auf die parallel verlaufende alte Kriegsstraße, eine Hinterlassenschaft der Engländer aus dem zweiten Weltkrieg.

Bei einer Fahrt durch die Wüste vergisst man gern mal Raum und Zeit, irgendwann bemerkte ich, dass wir Off Road durch die Wüste fuhren. Ahmed hatte die Straße verlassen und bretterte sicher durch den Wüstensand, dem Uferrand der Nuwaimisa Oase entgegen. Wer jetzt ggf. auf den Gedanken kommen sollte, mit einem normalen Fahrzeug hier her zu fahren, sollte sich das Ganze lieber drei- oder besser viermal überlegen. Ein Geländewagen mit Allrad ist ist oberste Voraussetzung. ...  In meinem Lieblingsreiseführer hatte ich gelesen, dass wir uns an diesem paradiesischen Ort, in mitten einem Moskitoparadies befanden (hatte es aber wieder vergessen) und so dauerte es auch nicht lange, da sprossen die ersten kleinen juckenden Beulen. Unser Weg führte wieder in Richtung Straße, um ca. 20 Min. später einen weiteren Kontrollpunkt zu passieren, an dem sich jede Menge wilder Hunde trollten, die Ahmed mit Brotresten fütterte.

Zur Mittagszeit verließen wir die Straße wieder, um Off Roat weiter zufahren - es war kurz nach 12h. Mal war der Untergrund hart, mal Butter weich. Hin und wieder hörte es sich an, als ob man über Scherben fuhr. Kurzer Stopp, Ahmed stieg aus und reichte mir durchs offene Fenster eine Hand voll Steintaler. So also - sehen die sagenumwobenen Wüsteneuros, Muschelgeld oder besser Nummuliten aus. Ich hielt kalkhaltige, versteinerte Gehäuseschalen von Wurzelfüßlern (Einzeller), die vor ca. 50 Millionen Jahren hier lebten und Bewohner warmer Meere waren - in der Hand. Der Teil der Westlichen Wüste - in der wir uns befanden wird nicht umsonst „Bahr belaa Maa“ zu Deutsch: "Meer/Fluss - ohne Wasser" genannt. Ich konnte mich nicht satt sehen an der irren Vielfalt dieser Gegend, kam mir manchmal wie hypnotisiert vor.
Um die Reifen zu überprüfen, stoppen die Wagen kurz und Ahmed reichte anschliessend wieder Steine durchs offene Jeep-Fenster - mit den Worten: Silicia Glass. Was ich in den Händen hielt, sah wie Milchglasbrocken aus, fühlten sich warm, weich und glatt an. Silicia Glas findet man Weltweit nur in einer einzigen Gegend und zwar auf der Ägyptischen Seite der Libyschen Wüste. Nach meinen Informationen sollte es nur am südlichen Ende des großen Sandmeeres, in der Nähe vom Gilf Kebir vorkommen, aber von dem waren wir einige Hundert km entfernt. Ich verstaute die kl. Schätze zunächst einmal in meinem Rucksack. Die beiden Jeeps fuhren mal nebeneinander, mal hintereinander durch den hellen Wüstensand auf einen, auf einer Anhöhe platzierten, riesigen, mitten in der Wüste stehenden "Zeugenberg" zu, wo wir die Mittagszeit verbrachten. Die "Jungs" begannen sofort mit der Zubereitung kleiner Leckereien, damit auch ja keiner verhungerte. Hanne lief zum Zeitvertreib in die Wüste, wurde immer kleiner. Ich starte zu einer Tafelbergumrundung, um dessen Wände mal etwas genauer unter die Lupe zu nehmen. Teilweise sind sie ganz hart, teils wiederum sehr weich und bröselig, aber mit tausenden faszinierenden fossilen Gebilden übersät. Ich entdeckte Muscheln und Korallenreste......
Auch heute wurde nach dem Essen natürlich nicht auf den obligatorischen übersüßen Tee nicht verzichtet, der jede Wüstenmalzeit abrundete. Um 13h war alles zusammengepackt und die Fahrt in Richtung Bahariya ging weiter. Kurz bevor wir wieder auf die Straße fuhren hielten wir an einem s. g. Militärschrotthaufen an, der seit vielen Jahren in der Wüste vor sich hin dümpelt. Bei dem hier handelt es sich um das Gerippe eines Flugzeuges aus dem 2. Weltkrieg. Es wird sicher noch viele Jahre hier im Wüstensand ruhen, denn in dieser Staubtrockenen Umgebung hat Metall ganz sicher keine Chance weg zu rosten. Gegen 14.30h passierten wir den, meiner Meinung nach, letzten Kontrollposten und fuhren knapp 3 Stunden später in die Oase Bahariya ein. .. Wahat Bahariya liegt in der schier endlos wirkenden Wüste, ist knapp 40 km breit und bis zu 100 km lang. Den Besucher erwarten, genau wie in Siwa, wunderschöne, idyllische Palmenhaine, unzählige Oliven- und Obstbäume aller Art. Die Oase setzt sich aus mehreren kl. Ortschaften zusammen, deren heutige „Hauptstadt“ Bawiti ist. Insgesamt sollen hier ungefähr 40.000 Menschen wohnen, von denen mehrere Familien aus Siwa zugewandert sind. Wie eh und je leben die Menschen auch heute noch, überwiegend von der Landwirtschaft, in dem sie Oliven, Datteln, aber auch Tomaten, Kartoffeln, Bohnen und Obst wie Limonen, Aprikosen, Mango usw. anbauen. Für einige wenige, so wie Ahmed, ist das Tourismusgeschäft inzwischen zum Arbeitgeber geworden. In Bahariya sei er aufgewaschen und zu Hause, hier wird er nach dem Ramadanmonat im Herbst 2011 heiraten und eine eigene kl. Familie gründen.

Deshalb blieb nach der Anreise nicht viel Zeit das Hotel näher zu inspizieren, er wollte "seinen Gästen" mehr - von seiner Oase zeigen. Die Sonne ging langsam unter und tauchte die Welt - wie jeden Abend - in ein wunderschönes warmes Licht. Wir fuhren etwas weiter raus. Ahmed hielt an einer Feldweggabelung an, breitete den typischen Sitzteppich aus, machte Feuer und kochte einen "herrlich süüüßen" Willkommenstee.Meine "Gedächtnisuhr" ratterte .... Wann hatte ich zum letzten mal - so - oder so ähnlich - an einem Feldrand gesessen, frisches Gras gerochen ? – es war vieleviele Jahre her, damals war ich noch ein kl. Mädchen. .... Zum Abendessen führte Essam uns ins viel gelobte "Rashed Restaurant". Hanne kannte es von ihren früheren Aufenthalten, war nicht so sehr begeistert und auch ich kann die Lobreden einiger Reiseführer wirklich nicht teilen. Ob es ggf. nur an den wenigen Touristen lag, keine Ahnung? Die kommende Nacht sollte die vorerst letzte in einem normalen Bett sein. Ab morgen ging es für 4 Nächte in die Wüste, in der ein kl. Einzelzimmerzelt unser "WohnSchlafzimmer" sein würde und in dem es keinen Zivilisationskomfort, wie etwa eine weiche Matratze oder gar Dusche gab. Bei dem Gedanken wurde mir schon ein bisschen mulmig. ...

23.03.2011 - Gegen 6h morgens piepte mein Handy, eine SMS von meinen Mann, er schrieb: Es ist sau kalt, -1° mit zugefrorenen Autoscheiben. Hoffe, bei dir sieht`s besser aus? Na und ob, die Sonne ging gerade auf, die Vögel pfiffen schöne Lieder und in der Ferne hörte ich einen Hahn krähen. Wieder hieß es Koffer- und ein paar extra Sachen für die Wüste, packen. Nach dem Frühstück warteten ein paar örtliche Sehenswürdigkeiten Bawiti`s auf uns, u. a. das Mumienmuseum und Qarat Qasr Salim, ein kl. Hügel auf dem es 2 Gräber aus der 26 Dynastie besichtigen gibt. Als wir abgeholt wurden, war unser Jeep für die kommenden Wüstentage schon komplett beladen. Hotelleben ade!
Das Museum der goldenen Mumien hat inzwischen eine neu gestaltete Halle, in der die geborgenen und sehr gut erhaltenen Mumien ansprechend dargestellt werden. Die Gelegenheit, wenigstens ein kl. Foto zu schießen gab es leider auch hier nicht. Aber auf dem Außengelände darf man sich in dieser Hinsicht ein wenig "austoben". Dort stehen die Steinsärge, in denen man die Mumien fand - auf dem Gelände rum, die ein Mann namens Abdu el Maugud in Ausübung seiner Tätigkeit als Tempelwächter - gemeinsam mit seinem Esel 1996 entdeckte.  Erzählt wird, dass der Esel mit einem Huf in einem Loch stecken blieb. Später stellt sich heraus, dass sich unter dem Loch eine recht große Grabkammer befindet. So wurde Bahariya in nur wenigen Wochen und Monaten interessant für die Weltöffentlichkeit. Ich habe aber gelesen, dass man die Ausgrabungen im s. g. "Tal der goldenen Mumien" inzwischen eingestellt hat, da die Fundstücke bei ihrer Bergung zerfallen. Nicht weit entfernt liegt Qarat Qasr Salim. Dass Areal ist mit einem Zaun eingegrenzt. Zuerst passierten wir ein kl. Wächterhäuschen und liefen dann über einen mit Holzbrettern ausgelegten Pfad zu den Grabeingängen. Beide Gräber sind nur über eine beängstigend steile, 5 m tiefe Eisentreppe zu erreichen. Zuerst kraxelten wir in das von Zed-Amun-ef-Ankh, einem wie man behauptet, zu Lebzeiten wohlhabenden Kaufmannes. Hier bot sich mir eine sehr schöne Gelegenheit, da die Beleuchtung perfekt angebracht und der Wächter durch eine Frage von Hanne abgelenkt war, konnte ich ein einziges Foto machen.

Das andere Grab von Bannentiu soll das seines Sohnes sein. Alten Inschriften zufolge hat er als Priester und Prophet gedient. Beide Gräber sind sehr reich, mit wunderschönen und unglaublich gut erhaltenen farbigen Götterdarstellungen ausgestattet. Unser nächstes Ziel war ein heißer Brunnen, in dessen Wasser Hanne gleich mal ihre kühlen Füße steckte. Der Brunnen liefert u. a. dem angrenzenden bezaubernden Dattelpalmenhain das lebensnotwendige H2o, in ihm wachsen auch Orangenbäume die in voller und betörend duftender Blüte standen. Kurz vor 13h verabschieden wir uns von unserem "Dattelpflücker", der uns noch eine Tüte frischer Früchte mit auf den Weg gab und verließen den warmen Brunnen.

Ab jetzt begleitete uns ein zweiter Jeep. Er war mit drei jungen Männern aus Bahariya besetzt und hatte zusätzlich JPS, damit wir morgen auch sicher und ohne Wegfindungsprobleme die Djara Höhle erreichen. Gemeinsam fuhren wir durch die Schwarzgold schimmernde Wüste, die durch einige angelegte Felder urplötzlich wieder grün wurde. An einem, wo der Bauer zu Hause und das Vieh draußen war, hielten wir an und verbrachten - gemütlich unter Palmen im weichen Gras hockend die Mittagszeit. 15h - wir mussten weiter. Auch wenn die Strecke zwischen Bahariya und der Höhle „nur“ ca. 145 km beträgt, werden wir sie heute nicht mehr erreichen. Wegen des unwegsamen Geländes, so erklärte es Ahmed, zieht sich die Fahrzeit ewig in die Länge.

Unterwegs machten wir noch ein paar FotoStopp`s und entdeckten u. a. die Spuren ehemaliger "Reisenden", die auch heute noch den Verlauf der alten Karawanenpiste anzeigen und kamen gegen 17h an der Stelle an, wo unser erstes WüstenNachtlager aufgeschlagen werden sollte. Auch in den folgenden Tagen wurde immer, ca. 1-1/2 Std. vor Sonnenuntergang der Ort angesteuert, wo die Nacht verbracht werden sollte. Geschützt und von Hügeln umgeben bauten die Männer das Camp auf und uns beiden Frauen blieb vor der Dunkelheit genügend Zeit die Umgebung zu erkunden. Zur einen Seite schaute man in die Weite unendlich erscheinende Wüste, zur Anderen in den schützenden Bergkessel. Sobald sich die Sonne verkroch wurde es merklich kühler. Ahmed hatte sein kl. "Kochstudio" aufgebaut, begann zu werkeln und Mohamed, der Jüngste unserer 5 "Bediensteten", zündete den Grill an, auf dem später die prallen, nur mit Limettensaft beträufelten Hühnerschenkel gegrillt wurden. Wenn es für "Wüstenköche" Sterne gibt, dann hat unser Ahmed mindestens 5 davon verdient.

Aber bevor wir uns über die Leckereien her machen konnten, mussten unsere Schlafzimmer noch "hergerichtet" werden, wurden Matten, ein Schlafsack, ein kl. ca. 25 x 25 cm großes Kissen am Kopfende und zwei sehr warme Decken bereit gelegt. Wie gut, dass ich (Danke für den Tipp liebe Hanne) ein schönes festes Kopfkissen mitgebracht hatte. Langsam wurde es ernst. Ich - als absolute Campinggegnerin wollte freiwillig in einem kl. Igluzelt diese und weitere drei Nächte verbringen. "Allah" steh mir bei! Teeschlürfend saßen wir später in geselliger Runde ums wärmende Lagerfeuer, bis es immer weniger wurde und es Zeit war sich hinzulegen. Der Himmel hatte sich "umgezogen" und zeigte sich in einem Kleid, das mit tausenden funkelnder Sterne dekoriert war. Meine erste Wüstennacht wurde, trotz eines heftigen kurzen Sturmes, als ich dachte die Welt geht unter und mir das Zelt unterm Hintern wegfliegen würde - wunderschön. Ich konnte einigermaßen gut schlafen und als die Blase drückte, wiesen mir abertausende leuchtende Sterne den Weg. ...

24.03.2011

In diesem Teil der Welt geht man mit der Sonne schlafen und steht in der Früh mit ihr wieder auf. Hanne saß vor 8h schon mit ihrem Buch am noch leeren Frühstückstisch. Eine dreiviertel Stunde später war das schützende Camp verschwunden, alles auf die Wagen verteilt und zu guter letzt überprüft, ob wir auch nichts zurückgelassen hatten. Als wir weiterfuhren, sah der idyllische Ort aus, als wäre keiner über Stunden da gewesen. Der Weg führte uns zurück auf die alte Karawanenroute. Nie hätte ich vermutet, dass unser Camp keine 10 Min. von der Ghurd Abu Muharrik Wanderdüne entfernt war. Sie sieht einfach fantastisch aus, wie sie sich in der Sonne golden schimmernd und endlos aussehend, über 500 km durch die Landschaft schlängelt. Wir hielten an. Der Dünensand ist super fein, bei jeden Schritt sinkt man tief ein. Der Untergrund rutscht immer wieder weg und es war gar nicht so einfach nach oben zu kommen. Aber wir haben es geschafft und wurden durch eine grandiose Rundumsicht reichlich belohnt.
Wir fuhren noch ein Stück an der Düne entlang, verließen sie nach Westen und erreichten ca. 2 Std. später, dass durch Steinbrocken großzügig markierte Areal, auf – oder unter - dem sich die Tropfsteinhöhle Djara Cave (auch Rohlfshöhle) befindet. Djara (oder auch el Gara, es gibt einige verschiedene Schreibweisen) heißt bei den Einheimischen "Hügel", weil sie sich in der Wüste an diesen orientieren können.

Warum der Name Rohlfshöhle?:Einheimische Beduinen führten 1873 den aus Deutschland stammenden Afrika forscher Gerhard Rohlfs auf seiner dreimonatigen Wüstenexpedition, am Heiligenabend zu jener geheimnisvollen Höhle. Er nahm sie in seine Aufzeichnungen auf und erzählte später in dem Buch „Drei Monate in der Libyschen Wüste“ davon. Für die Einheimischen war die Höhle immer existent, aber für den Rest der Welt verschwand sie aus den Gedanken. Erst nach dem, der aus Köln stammende Wüstenliebhaber Carlo Bergmann sie 1990 praktisch wieder entdeckte, erinnerte man sich an sie und gab der Höhlen- und Wüstenforschung eine neu, sehr spannende Aufgabe. Genug Geschichte, jetzt wollten wir sehen, was der "Eine" entdeckt, bzw. der "Andere" wiedergefunden hatte und stiegen langsam durch den vom Sand verkleinerten Eingang unter die Erdoberfläche.

Beim Einstieg sollte unbedingt drauf achten, dass man sich an den von der Decke hängenden Stalaktitenzipfeln (von oben wachsend) nicht den Kopf stößt. Im Inneren geht es dann auf rutschigem Sand, zuerst recht steil nach unten, um schließlich in einer ca. 30 m breiten und über 7m hohen "Halle" zu landen.

Auf einem, in der Nähe des Eingangs stehender Kalksteinblock, sollen vor ca. 6-7 Jahren noch einigermaßen gute prähistorische Tierdarstellungen zu sehen gewesen sein, die heute durch die starke Versandung fast ganz verschwunden sind. In die zwei seitlichen Nebenhöhlen wagten wir uns auf Anraten unserer Führer und wegen der starken Versandung lieber nicht. Ein paar Geheimnisse sollen ruhig bleiben. Irgendwie kann ich dieses Wunderwerk der Natur gar nicht richtig beschreiben. Sie strahlt etwas Magisches aus und allein ihre Existenz macht mich einfach sprachlos. Wie gerne hätte ich im Höhlenbuch gelesen, das es Jahrelang hier gab und in dem sich eine Bekannte 2008 verewigte. Im März 2011 gab es das Buch leider nicht mehr, irgend ein Guide hat es einfach mitgenommen. Als ich nach oben kletterte hatten die Jungs, kurz vor dem Ausgang, schon wieder ihre mobile Küche aufgebaut. Die Uhr zeigte 13h. Gut gestärkt, verließen wir die Djara Höhle eine knappe Stunde später.

Maximal 2-3 km von ihr entfernt stießen wir auf einen weiteren Höhleneingang mitten in der Wüste, den aber nur ein einfaches unspektakuläres Loch von ca 60-70 cm Durchmesser kennzeichnet. Aber genau wie das Areal der Djara Höhle ist auch diese mit Steinen gekennzeichnet. Ob beiden Höhlen evtl. miteinander verbunden sind, ist bis heute nicht geklärt. Lt. wikivojage soll sie den Namen "Kahf Veronica" haben.

Off Road düsten wir unserem nächsten Ziel entgegen - das Tal der Melonen - oder auch "Valley of Melon" genannt. Auf der holprigen Weiterfahrt hielten wir ca. 20 Min. später zuerst an einem Wüstengrab. Erzählt wird, dass ein Mann auf dem Weg von einer Oase in die Andere war - sich dann aber verirrte und verdurstete. Gefunden wurde er von "Wüstenabenteurern", die ihn an der Fundstelle bestatteten. Ruhe er in Frieden.

Noch nie habe ich eine so vielfältige, farblich immer wieder wechselnde Gegend gesehen wie diese Wüste. Ständig veränderte sie ihr Aussehen, und als wäre das nicht schon Schönheit genug, malt der Wind seine eigenen Bilder dazu. Kurze Zeit später sah ich die ersten steinernen Bowlingkugeln oder Rolling Stones, im goldenen Sand liegen. Die Zeit drängte, es war sehr windig und merklich kühler geworden, wir mussten unser Nachtlager ansteuern. In diesem Camp verbrachten wir die kälteste Nacht unserer Wüstenreise. Hier kam mir zum ersten Mal der Gedanke: Ich will Heim!  Der kalte und starke Wind machte es zudem unmöglich ein kuschliges Lagerfeuer zu machen. Viel früher als die letzten Tage, verkrochen sich alle unter ihre wärmenden Decken. Schnatternd kam mir der Gedanke: Wenn du morgen früh raus kommst, musst du ganz sicher die Jeepscheiben freikratzen!

25.03.2011 - Gegen 6.15h kroch die Sonne hinter dem Berg hervor und eine dreiviertel Stunde später fühlte sich die Welt um uns herum schon wieder um einiges wärmer an. Wir verließen den Ort recht zügig, kamen dann noch mal an den Melonensteinen vorbei und hielten an einer kl. Minioase, die aus zwei knorrigen Bäumen bestand. Hier trennten sich unsere Wege wieder, dass GPS-Begleitfahrzeug fuhr mit deiner Dreimannbesatzung wieder nach Bahariya zurück. Vielen Dank ihr Lieben, es war eine kurze, aber wunderbare Zeit mit euch. Wir düsten weiter in Richtung Westen - auf Aqabat zu und erreichten vorher die kl. Oase Ain El Serw, die urplötzlich wie eine Fata Morgana auftauchte. Ain El Serw ist eine von drei Oasen, die schon zum Gebiet der Weißen Wüste gehört. An diesem herrlichen Ort verbrachten wir unsere Mittagszeit, machten uns ein bisschen Frisch und wuschen die "verfilzten" Haare in einem der drei Becken mit Brunnenwasser durch. Erst durch den Verzicht auf solchen, für uns fast alltäglichen Luxus, erfährt man wie es ist – wenn es mal nicht da ist und fühlten uns anschliessend - fast wie neu geboren". Nach dem Essen dösten die Jungs in der Sonne, Hanne setzte sich auf einen Palmholzbalken, las in ihrem Buch und ich lief querfeldein in die Wüste. Die Vielfalt der Sand- Steinfarben- u. Formationen und die so wohltuend, umhüllende Stille - faszinierte mich immer wieder aufs Neue. Dass diese Oase einmal größer gewesen sein musste und von Menschen bewohnt war, beweist ein nicht weit entfernter Berg auf dem sich Gräber mit menschlichen Überresten befinden.

Wer hat an der Uhr gedreht, war es wirklich schon so spät - 16h - Abfahrt aus einem kl. Paradies, das wie oben angemerkt, schon zum Gebiet der "Weiße Wüste" gehört. Seit 2002 ist das über hunderte von Km² große Gebiet der Weiße Wüste (el Shahara el Bejda) eines der ausgewiesenen 29 Naturschutzgebiete Ägyptens. Bisher gibt es noch kein Tickethäuschen an den "Eingängen" und kann daher noch ohne "Obolus" betreten und befahren werden. Dies könnte sich allerdings auf lange Sicht hin ändern, denn seit ein paar Jahren gibt es Pläne p. P. 5$ Gebühr zu verlangen. Abwarten was wird  - ich persönlich würde es sehr gern bezahlen. In der Weiße Wüste gibt es vorgesehene Pisten, die man eigentlich mit dem Fahrzeug nicht verlassen darf, aber es gibt zu viele Spuren die in alle Himmelsrichtungen gehen. Eigentlich hatte ich gedacht die schönsten Seiten der Westlichen Wüste schon gesehen zu haben, aber was jetzt folgte - war einfach unglaublich und ich hoffe sehr, dass meine Beschreibung ein bisschen etwas von der Einzigartigkeit dieser Region rüber bringen kann.

Wir kamen im s. g. „Alten Teil“ der Weißen Wüste an“. Hier hat es der stetige Wind über Millionen von Jahren geschafft, die hohen Steinformationen abzutragen und doch noch Reste übrig zulassen. Die Landschaft glich einem weißen Gletschermeer, sah aus als hätte sie jemand mit weißer Schlagsahne bestrichen und zur Dekoration lose schwarze Schokostreusel darüber geworfen. Hanne erzählte, dass man in dieser Gegend u. a. "Steinblumen" finden könne. Wir hielten an. Überall lagen kl. schwarze Steine auf den weißen „SahnePlatten“. Manche sahen tatsächlich wie Blumen andere wie kl. Kanonenkugeln, oder abgebrochene Bleistifte aus. Ein paar besonders schöne, bekam ich geschenkt und musste sie einfach mitnehmen. Bei den vielen „Schockostreuseln“, so fand ich später heraus, handelt es sich um Markasit Kugeln, die bevor der Wind sich an die Arbeit machte, die großen Kalksandsteinformationen abschliff und als Sand in die Wüste trug, in diesen eingeschlossen waren. Frau google sagt: Das Markasit ein Mineral ist, die chemischen Formel FeS2 hat und zur Mineralgruppe der Sulfide gehört.

Wir fuhren in den „neuen Teil“ des New White Desert ein, endlich tauchten die ersten größeren, vom Wind geformten und gleißend weißen Meisterwerke der Natur auf. Mushroom-Valley -Tal der Pilze - nennen die Einheimischen diese Gegend. Einige dieser Pilz Skulpturen kannte ich von Aufnahmen aus den Weiten des www und fand sie schon berauschend. Nun aber stand ich davor und war sprachlos vor Bewunderung. Mit ein bisschen Fantasie entdeckt man hier die Nachbildungen von: versteinerten Hunden, Delfinen, Kamelen, Katzen, Hühnern, Enten, Sphinxen, Pyramiden, sogar von Menschen wie Beethoven, Nefertari, oder Ungeheuern wie Drachen, Krokodilen, riesigen Sahnehaufen und immer wieder Pilzen ......... einfach gigantisch, an diesem Ort kann man seiner Fantasie uneingeschränkt freien Lauf lassen. Ein Blick auf die Uhr, es war schon wieder kurz vor 17h, wir mussten uns auf die Suche nach einem geeigneten Standort machen. Platz war ja - mehr als genug. Ganz langsam verfärbte die untergehende Sonne die Welt um uns in ein leicht rostrosa schimmerndes Licht.
Mal was ganz Anderes: Es ist nun mal so: In der Wüste gibt es keine WC-Häuschen und bestimmte natürliche Bedürfnisse müssen erledigt werden. Da ist die Natur stur. An allen 4 angefahrenen Nacht-Camplätzen, suchte wir "Abenteurer" uns ein geeignetes Plätzchen. Frauen rechts, Männer link. Klappte einfach hervorragend! Wenn ich heute an die „Örtchen suche“ in der Weißen Wüste zurück denke, muss ich immer noch lachen, denn da hatte ich einmal richtig Pech. Es war ein bisschen eilig und ein schöner, nicht allzu weit entfernter netter Hügel, mit großen weißen Steinen erschien da gerade Recht.
Gedankenversunken trottete ich drauf zu, als sich plötzlich etwas bewegte. Ein Tier, mein Herz schlug schneller. Oh-Gott-oh-Gott, wat nun und dann sah ich sie, auf die ich mich so gefreut und jetzt so richtig schiss hatte. Familie Fennek - alias Wüstenfuchs - wohnte samt Familie - zu dritt auf meinem Bedürfnisplätzchen und ich hatte keinen Fotoapparat mit. Koste es was es wolle, wer weiß ob so eine Gelegenheit wiederkam - lief ich schnell zurück!
Meine Gedanken: OkOk, hinter euer Haus geh ich nicht, ich such mir was anderes, dieser Hügel ist ja schließlich nicht der einzige in der weiten Wüste. Aber bitte bitte nicht abhauen .... und tatsächlich - sie warteten bis ich wiederkam.

Wie jeden Abend, begannen die Jungs nach dem Campaufbau mit der Zubereitung des Essens. Während es vor sich hin köchelte, muss Frau Fuchs von dem Duft angelockt und neugierig geworden sein, sie kam in Begleitung ihres Kleinen. Niemals hätte ich gedacht noch einmal die Chance zu haben sie vor die Linse zu bekommen. Schnell stellte Essam eine Schale und einen Becher mit Wasser in den Sand. Sie schleckerte erst im Becher und dann in der Schale. Drehte sich um und pinkelte rein, um sich anschliessend auf ihren dünnen, wieselflinken Beinchen aus dem Staub zu machen. Essam lachte sich schlapp: Das machen sie immer so, immer und immer machen sie das so - rief er. Und ich hatte das sagenhafte Glück, die Szene in einem kl. Video festzuhalten. (zu finden bei youTube „Mein Freund der Wüstenfuchs“ von wuestenfan). Wie zutraulich die Füchse im Gebiet der Weißen Wüste sind, ist schon erstaunlich. Ahmed saß im Sand und Frau Fuchs wollte mal schauen was der da so macht. Angst braucht man nicht zu haben, sie halten einen respektvollen Abstand.Sonnenuntergänge in Ägypten sind immer wieder etwas ganz besonderes, egal ob in Dahab und Nuweiba auf dem Sinai, oder in Hurghada und El Gouna, Safaga, Hamata oder sonst wo. Aber der in der Weißen Wüste wird mir sicher unvergesslich bleiben.

In der Weißen Wüste wird es nie ganz dunkel. Wenn die Sonne verschwunden ist, leuchten Millionen von Sterne am Firmament und die weißen Felsformationen scheinen von innen schwach beleuchtet zu sein.

Für die frischen Hähnchen Schenkel hatte an diesem vorletzten Wüstenabend ein Freund von Ahmed gesorgt, der sie extra aus Bahariya „angeliefert“ hatte. Er kam in Begleitung seiner Frau und zwei jungen Deutschen, die in der Oase Bahariya ein Praktikum absolvierten. Die vier hatten ihr Camp ein Stückchen weiter weg aufgeschlagen. Gemütlich saßen wir um ein Lagerfeuer in der Runde, als Frau Fuchs wieder vorbei kam. "Sicher um nachzusehen, ob wir fertig mit essen waren und für sie was übrig geblieben war."  Da wir noch beim süßen "Teezeremoniell" waren und der Abwasch noch anstand, lockte einer der Jungs die Füchsin mit einem Ei. Er legte es in einem Becher, goß Wasser drüber und stellte es in den Sand. Frau Fuchs schlich sich an, schuppste den Becker um, kam aber nicht ans Objekt der Begierde ran. Ich grub den Becher kurzerhand im Sand ein. Es dauerte eine Weile bis sie mit ihrer kleinen Pfote das Ei aus dem Becher angeln konnte. Und diese "Weile" nutzte ich für einige sehr schöne Aufnahmen. Wie immer, kippten wir einen Teil der Essensreste - etwas entfernt vom Camp - in die Wüste und zu 99% fand man am anderen Morgen, nur noch die Spuren der Tiere, die sich bedient hatten.
In der Nacht hörten wir sie hin und wieder kreischend bellen, ansonsten war es still um uns herum. Meine vorletzte Wüstenübernachtung war angebrochen.

26.03.2011  - Als die Sonne wieder aufging, immer höher stieg und die Sterne sich versteckten, präsentierte sich die Weiße Wüste in einem neuen - einmalig bezaubernden Gewand. Gegen 9h war unser Nachlager verschwunden, alles sauber, auf- und weggeräumt. Die restlichen Fußspuren von Gestern, verwischte der Wind von heute. Wir fuhren weiter, um ca. eine halbe Stunde später an einem etwas größeren Camp kurz anzuhalten. In den gr. Zelten war eine Tafel aufgebaut, Tische und Stühle standen auf Teppichen. Wird wohl ne nette Wüstenparty gewesen sein, die eine größere Gruppe aus Frankreich, an zwei Tagen und Nächten, an diesem wunderbaren Ort veranstaltet hat.

Auf der Weiterfahrt durch die Wunderwelt der WW - in Richtung Farafra, wurde Essam ein bisschen übermütig und verkleidete sich als Mumie. Ganz in der Nähe vom Crystal-Mountain (Jebel El-Izza) stießen wir auf ein Camel Camp. Die Beduinen luden zum Tee ein und erzählten, dass sie auf 4 Reisende warteten, die für ein paar Tage per Camel durch die Weiße Wüste wollten. Und sie beklagten die schlechten Zeiten, da kaum Touristen kämen. In "normalen" Zeiten hätten sie eine ganze Herde, oft 40 Tieren hier. Heute waren es nur 7 Tiere, die hinter einem Hügel in der Sonne dösten.

Nach so viel faszinierender Wüste und Unmengen von goldenem Wüstensand, freuten wir uns jetzt auf die, von der Einwohnerzahl her, kleinste Oase in der Westlichen Wüste Al Farafra und den Besuch bei einem ganz besonderen Künstler.
Ahmed fuhr zunächst auf der, nach Dakhla führenden, sehr gut ausgebauten Wüstenpiste weiter und bogen später nach links ab, auf eine an den Rändern üppig bepflanzte - Alleen ähnliche Straße, die uns direkt in den Ort führte.

Badr Abdel Moghny`sAnwesen befindet sich gleich am Ortseingang auf der linken Seite. Kaum hatten wir den Wagen geparkt und die Türen zugeklappt, kam der Künstler schon aus der Tür, begrüßte uns in unserer Muttersprache (er spricht ein wunderbares Deutsch) und bat uns herzlich, ihm in sein Reich zu folgen.

Badr ist 1958 hier in Farafra geboren, aufgewachsen und von Beruf Lehrer. Sein Haus hat er ganz im traditionellen Stil aus Lehmziegeln gebaut und wunder-schön verziert. Schon von außen und erst Recht nach den ersten Schritten in den Innenhof ließ sich unschwer erkennen, dass in diesem Gebäude ein überaus kreativer Mensch lebt- und wirkt. Sein ebenfalls anwesender Sohn saß im Schatten auf einer Steinbank und feilte aus einem Sandstein ein Gesicht. Er scheint das Talent seines Herrn Papas geerbt zu haben. Badr`s Kunstgegenstände, die auf zwei Etagen verteilt, in einzelnen kleinen Räumen zu bewundern sind, stellen das Leben der Menschen in der Wüste, derer von Farafra dar und sind ein beeindruckender „Spiegel“ von dem, was früher einmal war.

Unter anderem erzählte er uns, dass er sehr gern Hände darstellt und tatsächlich, Hände findet man einzeln und an sehr vielen seiner Skulpturen, oft übergroß dargestellt wieder. Hände die Fesseln tragen, Hände die nach Befreiung schreien, Hände .. Hinter dem Museumsgebäude schließt sich ein sehr beeindruckender Skulpturengarten an.  Mich faszinierten am allermeisten seine wunderbar lebendigen Sandbilder und aus Sandstein detailgetreu gefeilten Gesichter. Dieses, nur etwa 10 cm große - hängt jetzt bei mir zu Hause. Badr Abdel Moghuy ist auch über die Grenzen seine Heimatlandes bekannt. In den 90. Jahren stelle er sein Werke u.a. in München, Hamburg und Mannheim aus.
In einem kl. Lokal, gleich nebenan -verbrachten wir die heutige Mittagszeit und hatten das, was auf den Tisch kommen sollte zum größten Teil mitgebracht und vor unserem Besuch bei Badr dort abgegeben. Der Koch war "nur" für die Zubereitung zuständig.

Die Zeit verging viel zu schnell, eine gute Stunde später, nahmen wir schon wieder Abschied von einem wunderschönen Ort, an dem wir sehr gern noch eine Weile geblieben wären ...... und machten uns auf den Weg zum Bir Sit(t)a, zu einem der heißen Brunnen in dieser Gegend, der etwa 5 km nordwestlich von Qasr el Farafra liegt. Das leicht müffelnde schwefel- und Eisenhaltige Wasser wird durch eine, inzwischen nicht mehr ganz dichte gr. Pumpe an Tageslicht befördert, fließt dann in ein unterschiedlich geformtes Betonbecken - in dem man baden kann, um anschliessend durch Kanäle die umliegenden Felder zu bewässern. Als wir ankamen planschten zwei junge Männer im warmen "Nass", packen dann aber schnell ihre sieben Sachen, als sie sahen, dass zwei Frauen aus dem Jeep stiegen. Unsere Jungs freuten sich auf ein reinigendes Bad und einer wusch bei der Gelegenheit auch gleich seine Hose durch.

Als Frau ins warme Nass der vielen Oasenbrunnen zu hopsen ist gar nicht so einfach, denn das geht nur wenn „Frau“ total bekleidet ist. Damit sie niemand sieht, gehen die Frauen der Oasen immer nur nachts zum Baden. Nicht weit entfernt hat man ein paar sehr schöne Palmholzhütten aufgebaut, die eine (runde) sieht aus, als wolle man ein kl. Cafe draus machen, in der anderen (die kl. ganz hinten mit Flachdach) ist ein Plumsklo untergebracht und die dritte dient als Umkleidekabine.
Der Wind schien den Menschen in der Umgebung zugetragen zu haben, dass Touristen angekommen sind. Auf einer knatternden Mofa kam ein fliegender Händler angefahren und versuchte Tücher, Stofftiere usw. an die "TouristenFrauen" zu bringen. Ein Anderer kam mit seinem Fahrrad angeradelt um einen zerfledderten Beutel Euromünzen in LE einzutauschen.

Für "hiesige Verhältnisse" hatte er ein kleines Vermögen bei sich, mit dem er aber in der Oase nichts anfangen konnte. Er brauchte die Devisen in seiner Landeswährung und so war ich dann schnell 200 LE in Scheinen los und mein Rucksack, um den Gegenwert in € Münzen schwerer. Die letzten Lollis aus meinem Fundus an Süßigkeiten blieben bei zwei kleinen Buben, die mit ihrem Papa auch mal schauen wollten, wie die Touristen so ausschauen.

Der Sonnenstand signalisierte, dass es an der Zeit war weiter zufahren. Zum einen wollten wir noch einiges mehr von der Traumlandschaft "Weiße Wüste" sehen, zum anderen musste noch ein lauschiges Plätzchen für unsere letzte Wüstennacht gefunden werden. Ca. 20 Min. von Bir Sita entfernt, fuhr Ahmed wieder Off Road, in einen "Wald" voller, vom Wüsten-wind bizarr modellierten Felsformationen, die im goldenen Wüstensand standen. In diesem einzigartigen Teil der Welt kann es sehr leicht passieren, dass einen der Gedanke überfällt, in einer Fabelwelt zu schweben, oder gar auf einem ganz anderen Planeten zu sein. Ich fotografierte, wie eine wilde, als sei es die letzte Gelegenheit.. Und schwups war die Karte, bis auf ein paar freie Speicherplätze voll.

Nun lagen meine ganzen Hoffnungen auf dem neuen kl. Gerät, das ich kurz vor der Abreise erstanden und immer noch keine Ahnung hatte wie es richtig funktioniert. Es hat leider nicht geklappt -  ein besonderer Grund bald wieder zukommen.

Wir fuhren Sandberge rauf, wieder runter, mal war der Untergrund fest, mal weich wie Butter. Bis wir zwischen zwei riesigen Bergen, auf einem breiten Dünenkamm zu stehen kamen. Hier sollte er sein, der Platz an dem das Camp zum letzten Mal aufgeschlagen wurde. Nach dem Essen saßen wir an diesem letzten Abend etwas länger am wärmenden Lagerfeuer, tranken Tee und palaverten... Ein wenig Wehmut beschlich uns, denn morgen früh ging es, u.a. mit einem kl. Abstecher durch die schwarze Wüste - zurück nach Bahariya.

27.03.2011 - Morgens um 7h - alles war still ....... Ganz leise zog ich den Reißverschluss der Zeltlucke auf und kroch nach draußen. Die Sonne hatte die Sandoberfläche schon soweit erwärmt, dass die Schuhe einfach in der Zeltdecke stehen blieben. Mit einer Wasserflasche in der einen und der Zahnbürste in der anderen Hand schlurfte ich zu einem Stein, setzte mich und begann mit der allmorgendlichen Katzenwäsche. Es war soweit, die letzte Wüstennacht gehörte der Vergangenheit an.
Was kam jetzt? Meine Gedanken liefen durch ein Hamsterrad. Mir fiel die erste Nacht ein, als ich mir ab und zu nichts sehnlicher wünschte als wieder zurück fahren zu können und die "grausamen Tage" zählte, die ich noch durchhalten "musste". ....
Jetzt war alles anders! Nach nur 4 Übernachtungen in einem "Meer aus Sand" konnte ich mir einen anderen Tagesablauf nicht mehr so recht vorstellen. Das einzige Bedürfnis welches aus der "anderen, im Augenblick so weit entfernten Welt" geblieben war und mir spontan einfiel - war eine duftende Dusche. Ansonsten brauchte ich nicht mehr und wäre sehr gern noch einige Tage hiergeblieben. Erst jetzt verstand ich Hanne`s Worte, ihre überschwänglichen Schwärmereien und kann den atemberaubenden Zauber dieser einzigartigen Welt nachvollziehen.

Nachdem wir den Camp Platz wieder so "hergestellt" - wie wir ihn bei unserer Ankunft vorgefunden hatten, steuerte Ahmed den Jeep, mit diversen kl. Abstechern in die schwarze Wüste in Richtung Bahariya. Aus den weißen Erhebungen im goldenen Wüstensand wurden schwarze und die schneeweißen märchenhaften Fabelfiguren von vorhin - verwandelten sich in kegelförmige Hügel aus rabenschwarzem Vulkangestein. Gegen 15h "landeten" wir wieder an unseren Ausgangspunkt Bahariya und waren bis unter die Schädeldecke mit Eindrücken voll gestopft. Wie hypnotisiert bezogen wir unsere alten Zimmer und stiegen unter die Duschen. Das Verlangen nach einer solchen war gegen Ende der Reise doch recht ausgeprägt.

Später "leerte" ich die Fotokarten und ging - rund ums Hotel - auf kurze Entdeckungsreise. Viel Zeit blieb nicht. Ahmed wollte gegen 17h wieder da sein. Zuerst machten wir einen Abstecher zum Marun See. Eigentlich ein toter Salzwasser See, in den auch Abwasser fließt. Da das Wasser aus der Senke nirgends abfließen kann, sammelt es sich in diesem See, wo es verdunstet. Im Licht der untergehenden Sonne sah das Gewässer einfach fantastisch aus. Anschliessend fuhren wir zum Sonnenuntergang auf den "Englischen Berg",auch als “Schwarzer Berg“ oder Jebel Williams bekannt. Williams leitet sich vom Namen des britischen Hauptmannes ab, der sich im ersten Weltkrieg hoch oben auf einem Hügel ein Domizil als Beobachtungsposten bauen ließ. Die kläglichen Ruinen befinden sich ganz oben auf dem Berg, von dem man aber einen herrlichen rundum Blick über die gesamte Oase und mehr hat.

Um 20h hatten wir eine Einladung zum Abendessen bei einer jungen Familie aus Bahariya. Hanne kannte den "Hausherren" von einer ihrer früheren Oasentouren. Zuerst saßen wir bei den Frauen, die die kl. mit gebrachten Geschenke auspackten. Später dann allein mit den drei Männern und hockten um einen kl. runden Tisch, auf dem ein riesiges Tablett mit herrlich duftenden Speisen stand. Es wurde ein sehr netter Abend mit schönen Gesprächen und reichlich Ägyptischen Köstlichkeiten.
Wir verabschiedeten uns gegen 22h, fuhren zum Hotel zurück und packten ein. Die letzte Oasennacht war angebrochen. Der nächste Morgen kam schneller als gewollt. Nach dem Frühstück liefen wir zwei Frauen noch ein letztes Mal in den Ort.
Genossen das einheimische Treiben und atmeten ganz tief - die für uns so herrliche Oasenluft ein. Hanne kaufte noch ein paar Apfelsinen und ich einen großen Beutel gesalzene Sonnenblumenkerne, die ich Methad, dem Mann einer lieben Arbeitskollegin versprochen hatte. Schauten beim Dattel- und Olivenverkäufern vorbei und standen auf unserem Rückweg wieder vor dem wie ein Oasen-SexShop aussehenden Laden, der immer noch geschlossen. Es half nichts, wir mussten zurück. Als wir um die Ecke zum Hotelparklatz bogen wartete unserer Minibus schon - um 13h war Abfahrt nach Kairo. Nun trennten uns nur noch rund 350 km von der Mutter aller Städte!

28.03.2011 - Wir verließen die Oase und fuhren über eine sehr gut ausgebaute, in den 70iger Jahren fertiggestellte Straße, in Richtung Kairo. Auf der rechten Seite verläuft eine, für den Erztransport genutzt Bahntrasse und ich meine, dass sie uns fast die ganze Fahrt über "begleitet" hat. Der Minibus fuhr und fuhr, wir hielten nur für eine kurze PippiPause an einer typisch Ägyptischen SchmuddelRaststätte an und trafen gegen 17h in Kairo ein, auf der RingRoute herrschte Feierabendverkehr. Wir hatten Glück: Das Wetter ließ es sogar zu, dass wir unterwegs die Pyramiden sehen konnten. Die quirlige Megastadt, für die man Monate benötigt um sie ein wenig kennen zu lernen, die alles hat was man an Abwechslung sucht und die nie schläft - hatte uns wieder. Über eine von rechts kommende Zubringerstraße fädelte sich ein LKW – der auf den ersten Blick bis übers Dach mit Zwiebeln beladen war,  in den vierspurigen StopEndGo-Verkehr ein, erst beim näheren hin sehen sah ich, dass es sich Knoblauch handelte und zückte schnell die Camera. Der Fahrer winkte ganz aufgeregt rüber und schon krachte es, er war auf einen weißen VW-Golf aufgefahren. .. In Gedanken wünschte ich ihm alles Gute und hoffte, dass der Ärger der ihn jetzt erwartete, nicht all zu krass ausfiel.
Die Sonne war schon fast untergegangen, als wir am Terminal 3 des Flughafens ankamen und uns von unserem Guide Essam verabschieden mussten. Es war eine wunderbare Reise mit ihm und all den Anderen und sie war von SELECT hervorragend organisiert. Noch ca. 3 1/2 Std. und wir flogen von der Megastadt aus, nach Hurghada ans Rote Meer - in eine so völlig - andere Welt. Nach einer Flugstunde landeten wir in Hurghada, es war nicht viel los, ein Taxi war schnell gefunden und so checkten wir gegen 24h im "Safir Hotel" ein. Das kleine Hotel liegt an der alten Sheraton Str., hat einen kl. Hoteleigenen Strand und die ca. 140 Zimmer sind alle mit geräumigen Balkonen - mit mehr oder weniger Meerblick ausgestattet.

Was uns die nächsten Tage erwartete war nichts wirklich Neues, wir beide "kennen" die Stadt seit vielen Jahren. Und doch war nichts mehr so wie vor der Revolution in diesem Januar. Die letzten Tage verliefen im groben so, wie bei jedem Rote-Meer-Urlauber. Freunde treffen, am Strand abhängen, ein bisschen Shoppen - und genießen. Deshalb beende ich diesen kl. Reisebericht hier und Danke Hanne noch einmal, dass sie mich dazu „überredet“ hat, ohne sie hätte es sicher noch lange gedauert, ehe ich in diesen wunderbaren Teil des Landes gesehen hätte.

Das ich wieder in die Wüste musste, war von dem Augenblick an klar, als meine Füße sich zum ersten mal in den warmen Wüstensand bohrten, die beruhigende Stille mich in einen beruhigenden Mantel hüllte, meine Augen die wunderschöne Weite mit den faszinieren warmen Farben aufnahmen und ich in der Nacht die Abermillionen Sterne sehen durfte. Nur wann wusste ich nicht, aber das nicht all zu viel Zeit vergehen durfte – stand jetzt schon fest.

Fin

Nachtrag: Das Safir Hotel ist inzwischen geschlossen, es wird umgebaut. (11.2015)