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Autofahren in Ägypten

Ein paar kleine Infos vorweg:

  • mehr als 20 Millionen Fahrzeuge ... und es werden täglich mehr
  • 60% aller registrierten Fahrzeuge sind älter als 20 Jahre
  • mehr als 64.000 Mikrobusse sind älter als 20 Jahre
  • das Duchschnittsalter eines ägyptischen Taxis betrug lange Zeit runde 32 Jahre (aber so langsam werden sie "jünger")
  • 2016 gab es mehr als 14.500 schwere Verkehrsunfälle und ca. 25.500 Todesopfer

 

Wie hat Robert Lembke seinerzeit so schön und treffend gesagt: "Die größte Gefahr im Straßenverkehr sind Autos, die schneller fahren als ihr Fahrer denken kann."

 

Selbst - Autofahren in Ägypten?  


Immer häufiger kam und kommt die Frage: Kann ich mir einen Mietwagen nehmen und allein los düsen? Ja, inzwischen kann man das auch. ABER: Wer in Ägypten Auto fahren möchte und keinen ägyptischen Führerschein besitzt, braucht einen internationalen Führerschein und muss mindestens 21 Jahre alt sein (Internationale Autovermietungen lassen keinen unter 23 bis 25 Jährigen an´s Steuer). Einen drei Jahre gültigen Internationalen Führerschein kann man sich zu Hause ausstellen lassen, dieser ist aber nur zusammen mit dem Kartenführerschein gültig. Wer diese Voraussetzungen erfüllt kann sechs Monate lang durch´s Land fahren. So schreibt es jedenfalls das Gesetzt vor!

Jahrelang hab ich mich nicht getraut vor Ort zu fahren und ist nach meinen Erlebnissen auch nur erfahrenen (angstfreien) Fahrern zu empfehlen: Auch wenn sich im Laufe der Jahre einiges verändert hat,

  • fahren viele Autos vor Ort immer noch sehr oft ohne Licht,
  • beim Überholen wird überwiegend noch gehupt, nicht geblinkt und beim Abbiegen gibt man Handzeichen.

Die Ägypter haben sich ihre eigenen Regeln gemacht. Dadurch erhöht sich natürlich die Unfallgefahr in Ballungsräumen um ein vielfacheres als bei uns in Europa. Es ist halt alles eine Sache der Gewohnheit. Lange machten es zudem die strengen Sicherheitsvorschriften fast unmöglich, größere Teile des Landes selbst zu bereisen. Ich glaube es war 2004, als ich mich "als Ahnungslose" mit dem Thema Autofahren in Ägypten einmal näher befasste. Nachzulesen unter "TüTüt Habibi".

2013 - Im November habe ich es dann doch nicht mehr lassen können. Habe mir einen Mietwagen genommen, bin in 11 Tagen zweimal bis Safaga gefahren und in der Zeit knapp 1.000 km abgespult. Selbst im Dunklen und dichtesten Chaosverkehr durch Dahar war es nicht wirklich ein Problem. Viel schlimmer als die Fahrweise der Einheimischen sind m.E. die Beschaffenheit großer Teile der Fahrbahnen. Tiefe Schlaglöcher sind u.a. um vieles bedrohlicher als alles andere. Auch wird ein Internationaler Führerschein nicht immer verlangt, der "Europäische Kartenführerschein" wird inzwischen von Autovermietern und auch bei Polizeikontrollen in der Roten Meer Region anerkannt. Hat man sich entschlossen es einmal zu versuchen, sollte man sich das ausgesuchte "Gefährt" bei der Übergabe:

  • genauer ansehen - Funktionen prüfen, wie Licht & Blinker, Bremse und Hupe
  • Zustand der Reifen - Ölstand
  • sind folgende vorgeschiebenen Dinge vorhanden: Feuerlöscher, Ersatzreifen & einsatzbereiter Wagenheber, Verbandkasten

Am 13.11.2014 gab es dann das erste Knöllchen für mich (siehe unten), mit der Begründung, "sie sind zu schnell gefahren", kassierte man an Ort und Stelle 150 LE ein. Das Thema Strafzettel in Ägypten ist generell so ´ne Sache und man hat nur zwei Möglichkeiten, die da sind:

  • Regel 1 - Der Polizist hat immer Recht
  • Regel 2 - Du denkst, dass kann nicht sein, weil der Tempomat auf die erlaubte Geschwindikeit eingestellt war, tritt automatisch Regel 1 in Kraft.

Wer schon mal gesehen hat wie der Verkehr in Ägypten "abläuft" hat ggf. die Hände über dem Kopf zusammengeschlagen und gedacht: Oh Gott, gibt es denn in diesem Land keine Verkehrsregeln oder Gesetze? Sicher gibt es die! Und zwar schon ganz lange. Aber was nützen die besten Regeln oder Gesetze, wenn sie kaum jemand kennt und deshalb nicht genutzt werden (können). Überarbeitet wurden die "alten Regeln" (die den Europäischen angeglichen sind) im März 2000, zum 01.08.2008, nochmals im Juni 2014 und im Oktober des selben Jahres und Anfang 2016 schon wieder (siehe unter Stvo - Verkehrsregeln). Die Bußgelder wurden immer wieder nach oben geschraubt. Es ging nicht mehr anders, zum einen, da der Verkehr und die Disziplinlosigkeit auf so gut wie allen Landesstraßen und natürlich in dem Städten immer mehr zunahm, und man irgendwann einen Kollaps befürchtete, und zum anderen wegen der leeren Haushaltskassen. Geändert hat sich bis heute ein bisschen was, aber leider nicht all zu viel! Gut Ding will (wohl) Weile haben.

Mir persönlich macht Autofahren rund um´s Rote Meer sehr viel Spaß. Wenn man beim Starten des Motors die ägyptischen Verkehrsregeln so annimmt als kenne man keine anderen und beherzigt, was nicht zu ändern ist, dann lässt es sich recht aberteuerlustig, hin und wieder auch entspannt, aber vor allem sehr interessant fahren. Die europäischen Verkehrsregeln müssen ausgeblendet werden, gerade so als gäbe es sie nicht mehr, bis auf eine Regel: ABSTAND halten - wer auf sein "Recht" beharrt, hat schon zu 100% verloren.

Ab jetzt heißt es flexibel sein, eben wie die Ägypter beim Autofahren, allerdings ohne Gebrauch eines Handys. Oberstes Gebot ist die VORSICHT und ABSTAND halten:

  • Rechts vor links gibt es nicht - am besten ist der Augenkontakt - jeder bekommt ein Chance - nun heißt es - diese im richtigen Augenblick zu ergreifen
  • Gefahren wird wo Platz ist, aber man blockiert andere nicht, man schwimmt mit dem Strom
  • Meist nehmen sich die großen Autos die Vorfahrt - dann muss man sie halt lassen
  • Vorsicht und Abstandhalten bei durch die Stadt fahrenden Minibussen - sie können jeden Moment abrupt abbremsen, entweder weil ein Fahrgast am Straßenrand wartet oder weil jemand austeigen will.
  • Hinter LKWs herfahren - immer schön weit weg bleiben, auch wenn die Ladefläche leer sein sollte. Irgend jemand hat sicher was darauf liegen gelassen, was einem hinterher fahrenden Fahrzeug dann entgegenfliegen kann. (Eigene Erfahrung, es war einmal eine große Brechstange)
  • Auch bei vierspurigen Straßen immer versuchen auf der rechten Seite zu fahren. Ägypter nehmen es nicht so erst wenn sie als Geisterfahrer unterwegs sind. Zwischen El Gouna und Hurghada z.B. trifft man sie tagtäglich an, meist auch noch unbeleuchtet.
  • Thema Parkraum: Vor allem im Zentrum von Kairo ist / wird Parkraum immer knapper, sodass sehr häufig ganz7 einfach in zweiter Reihe geparkt wird. Wer das Pech hat und seinen Wagen zugeparkt vorfindet, braucht nicht nach Polizei oder Abschleppwagen zu rufen: Normalerweise ist die Handbremse nicht angezogen. So können "Parksünder" unter Umständen einfach beiseitegeschoben werden.