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Die Höhlenkirchen von St. Samaan in Kairo

Schon bei der Planung meiner Kairoreise im November 2009 hatte ich einen seltsamen Wunsch, ich wollte den koptischen Kirchekomplex St. Samaan am Fuße des Mokkatam-Hügels besuchen. Wie man dort hin kommt, konnte ich nirgends richtig erlesen und auch sonst ließ sich in den herkömmlichen Infoquellen nicht viel rausbekommen, erst nach dem ich dort war, glaube ich warum:

  1. Welcher normale Tourist will schon in die Gegend einer Stadt, die vom Müll „beherrscht“ wird (von denen es sechs an der Zahl in der Stadt gibt).
  2. Das Müllviertel Manshiet Nasser am Mokkatam-Berg und die Kirchen gehören einfach zusammen, da dieser Ort die heiligen Zufluchts- und Pilgerstätte u.a. der dort wohnenden Bewohner sind und Gläubige aus dem gesamten Land anzieht.
  3. Jeder, der den koptischen Kirchenkomplex St. Samaan sehen will, muss durch einen Teil von Manshiet Nasser fahren, eine andere Zufahrt oder gar öffentliche Verkehrsmittell gibt es nicht.

Vom Koptischen Viertel kommend, bogen wir hinter der Zitadelle in nördliche Richtung auf die breite Salah Salem ab, die sich recht schnell in enge Serpentinen verwandelte und uns rund 200 Meter immer weiter nach oben führte. Von ihr aus bot sich hin und wieder, an diesem Tag jedenfalls, ein herrlicher Ausblick über Kairo. Wir hatten wirklich Glück, dass ist nicht immer so, meist versperrt der Smok die Sicht. Und weil man von Oben besser sehen kann, gibt es hier auch einiges an militärischen Anlagen, deshalb sollte man mit Fotostops sehr vorsichtig sein. Irgendwann erreichten wir das Wohngebiet der Zabbalin, durch die hohen Häuser und die engen unbefestigten Gassen wurde es dunkler. Unser Weg führte durch schmutzige enge Straßen, immer weiter nach oben, als sich völlig unerwartet eine andere Welt auf tat. Es wurde hell, wo eben noch Berge von Müll und Plastikresten die Fahrbahn säumte, herrschte nach einer Toreinfahrt, mit einem mal ungeahnte, überraschende Sauberkeit. Als erstes sah ich die in die schroffen Sandsteinfelsen gehauenen Jesus- und Heiligenfiguren,  und hatte das Gefühl, sie blickten auf uns herab. Gruppen von jungen Leuten spielten auf einem Platz, ganze Familien machten an eigens dafür geschaffenen überdachten, stufenförmig angeordneten Pilgerplätzen Picknick.

Rückblick: Zu Zeiten der Pharaonen wurde u.a. von hier aus Steine zu den Pyraniden geschafft. Viel später in den frühen 70er Jahren entdeckten die Mokattam-Bewohner oberhalb ihrer Siedlung, die in verlassene Steinbrüche erbauten Felsenkirchen wieder, und begannen diese freizulegen. Betuchte koptischen Christen engagierten sich, fanden nach langem suchen einen Priester und so entstand ab den 90er Jahren nach und nach ein riesiges religiöses Zentrum zu Ehren von St. Samaan. Heute, gibt es hier zum Beispiel unter einem riesigen Felsvorsprung eine Kirche in Form eines Amphitheaters, die ca. 15.000 Menschen, auf 10.000 qm² Sitzfläche bietet. In dieser Kirche werden u.a. auch die wiedergefundenen Reliquien des St. Samaan in einem Glaskasten aufbewahrt. Aber auch die anderen Höhlenkirchen bieten in gleicher Bauweise, sehr vielen Besuchern reichlich Platz. Es ist sehr beeindurckend dort zu stehen und zu sehen. Wer indiuviduell nach Kairo kommt, sollte sich diese Kirchen und Klöster unbedingt mal ansehen. Leider ist es für Individuell Reisede nicht nicht immer leicht einen Fahrer zu finden. Weiter Informationen findet ihr hier: SaintSamaanChurch

Ggf. erinnert sich der ein oder andere an die Schreckensmeldung am 06./07.09.2008: "Felsabsturz begräbt Slumbewohner in Kairo". Damals erklärte ein Minister: Das gesamte Wohngebiet Manschijet Nasser wird in den nächsten Monaten komplet geräumt. Im November 2009 -war alles wie immer und das seit Jahren bis heute.