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Ägypten

Die Lebenden und die Toten

Pferdeställe, Hurenhäuser und bald das größte Museum der Welt: Im Pyramidenviertel von Kairo ballen sich die Gegensätze einer Nation. Hier wird über Ägyptens Zukunft entschieden. Die Zeit ist in Ägypten ein Krokodil. Träge ruht sie im Morast der Geschichte, aber dann, ohne Vorwarnung, schlägt sie zu: höchste Anspannung, extreme Verdichtung, ein Frontalangriff auf das menschliche Vorstellungsvermögen.

Ägypten steckt in einer schweren Krise

Ägypten leidet zunehmend unter Arbeitslosigkeit und einem wachsenden Schuldenberg. Präsident al Sissi kritiserte jetzt den aufgeblähten Staatsapparat. Ägyptens starker Mann gibt sich entschlossen. Er werde keine Sekunde zurückschrecken vor harten Entscheidungen, die andere Regierungen seit Jahrzehnten vermieden hätten, sagte Abdel Fattah al-Sisi kürzlich in Alexandria, wo er eine neue Chemiefabrik einweihte. Und einmal in Fahrt, knöpfte er sich auch den aufgeblähten öffentlichen Dienst vor, der sieben Millionen Menschen beschäftigt, obwohl nur eine Million gebraucht werden.

Niemand spricht mehr von Freiheit

In Ägypten war der Militärputsch erfolgreich. Seither regiert Präsident Sissi ebenso autoritär wie Erdoğan. Wie lebt es sich in einem Land, das in eine Diktatur gleitet? Als der Putsch vollzogen war, herrschte für einige Sekunden Stille. In dem verrauchten Straßencafé in einem Kairoer Wohnviertel nahe der Innenstadt hockten die Menschen zusammengedrängt und schweigend zusammen.

Gemeinsam gegen demokratische Werte

Der Militärputsch in der Türkei ging schief, in Ägypten ist er geglückt. Vor drei Jahren putschte das ägyptische Militär gegen den damaligen demokratisch gewählten Präsidenten, den Islamisten Mohammed Mursi. Die Bewohner am Nil jubelten ihrer Armee zu und feierten Generalfeldmarschall Abdul Fattah al-Sisi als Befreier vom islamistischen Kurs der Muslimbrüder. In der Türkei ist es umgekehrt. Dort gingen die Massen gegen das Militär auf die Straßen, um den islamfreundlichen Kurs ihres Präsidenten zu stützen. Sowohl am Bosporus als auch am Nil sprach man von einem Sieg der Demokratie.

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