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Hurghada Museum

Von der Planung eines Hurghada Museums hatte ich noch zu Mubaraks Zeiten erfahren und ist somit mehr als 10 Jahre alt - geriet aber nach der Grundsteinlegung  und der Zeit des Umbruchs in der Öffentlichkeit wieder in Vergessenheit. Zahi Hawass - der damalige Minister für Altertümer versprach seinerzeit sogar, die original Büste vom Tutanchamun aus dem Nationalmuseum in Kairo zur Eröffnung ans Rote Meer zu bringen.  .... Die Zeit verging - die Jahre zogen übers Land ..... Bis man Ende 2018 / Anfang 2019 das Vorhaben wieder aufnahm. Dann kam Corona und nach einigen Terminverschiebungen wurde das noch unfertige Museum in Anwesenheit von Premieminister Madbuli und anderen "Honoratioren" dann doch noch feierlich eröffnet.

Am 03.04.2021 - gegen 15h startete ich meinen ersten Besuchsversuch - geschlossen - Öffnungszeiten: zurzeit von 10 - 13h. Zweiter Versuch - Dienstagmorgen - 06.04.2021 - kurz vor 11h kam ich von der Mamsha, bog in eine Nebenstraße am "Steigenberger Hotel" ab und stand am Ende - zunächst vor einem hermetisch abgeriegelten Museumsgelände - nirgends war eine Öffnung zu sehen. An einer Nebenstraße die parallel zur El Nasr Road - in Richtung Innenstadt befindet sich eine Einfahrt zu dem ca. 10.000qm² großen Museumsgelände. Erst durch mehrmaliges hupen machte man mir den Weg - zum vorerst noch leeren Parkplatz frei. Kurz nach mir steuerte noch ein kleinerer - Reisebus den Parkplatz an - aus dem dann ausschließlich Ägypterinnen - ohne Familien-Anhang stiegen.

Aus architektonischer Sicht finde ich das Museum - mit einer angegebenen Gebäudefläche von ca. 3.000 qm² - wirklich gut gelungenen. Soll es doch dass Erste seiner Art am Roten Meer und das Erste überhaupt, das gemeinsam mit dem Ministerium für Tourismus und Altertümer und privaten Investoren entstanden ist. So wird es jedenfalls auf entsprechenen Web-Seiten und Flyern beschieben.

Gespannt machte ich mich auf den Weg und betrat zuerst eine Halle, die auf den ersten Blick noch einen etwas unfertigen Eindruck vermittelte. Ein paar junge Leute saßen beieinander und spielten mit ihr Handys. Kurz vor den Übergang zum Freigelände steht auf der linken Seite ein schöner alter Schreibtisch mit recht interessantem Informationsmaterial in mehreren Sprachen. Durch eine weitere Glastür gelangt man in einen großen hellen offenen Innenhof. Wo auf der rechten Seite wohl ein hübsches Beduinencafe geplant ist und links um die Ecke - von der Eröffungsfeier übriggebliebene - evtl. auf ihren nächsten Einsatz wartende - übergroße Minions-Figuren standen.

Der großzügig angelegte Innenhof überrascht mit einer Art Amphitheater, wo man sich irgendwann einmal u. a. Ägyptische Folklore-Aufführungen und vieles mehr vorstellen kann. Gegenüber führt eine Treppe nach unten, zu den Sanitären Anlagen.

Wie an einer Perlenschnur reihen sich in Laufrichtung auf der rechten Seite - kleine noch leerstehende - Shop`s aneinander - incl. "einer auf keinen Fall fehlenden Apotheke". Von den angekündigten Restaurant, einer Kinderbespaßung neben der Theaterfläche und gemütlichen Cafe`s war zu meiner Besuchszeit noch nicht wirklich etwas zu erkennen. Warum auch? wenn zahlungskräftige Gäste fehlen ......

Hinter einer weiteren Glastür trifft man zunächst auf eine "Sicherheitsschleuse" - incl. der "Kasse" oder besser gesagt eines Ticketverkäufers, wo der Eintritt von 200LE gezahlt werden muss. Irgendwie hatte ich das Gefühl falsch zu sein, denn bevor man zum eigentlichen Museumsbesuch starten kann, muss man eine Geschäfts-Mall passieren. Rechts und links sind mehr als 10 - sehr gepflegte Geschäfte - mit original Marken Klamotten aus aller Welt anbieten, so verspricht es jedenfalls die Museumsbeschreibung. Natürlich hat man auch hier nicht darauf verzichtet - den in der ganzen Stadt schon in unzähligen Shops erhältlichen - allgemeinen Touristen-Nippes anzubieten. Schließlich soll- oder darf kein einziger Besucher ohne ein Ägypten-Souvenier nach Hause fahren. ....

Über einen Wegweiser werden die Besucher zu einer Treppe in die obere Etage gelenkt. Das man sich dem eigentlichen Ziel nähert, zeigt eine schwere - im Aufgang plazierte Horus Statue aus schwarzen Granit, die eine Forschergruppe erst vor runden zwei Jahren auf dem Ausgrabungsareal vom Totentempel des Amenophis III. in Luxor auf der Westbank entdeckt hat. Endlich war ich an dem Ort angekommen, wegen dem ich hier war! Auf der sehr angenehm warm ausgeleuchteten Etage, sollen rund 2.000 original Artefakte - chronologisch aufgeteilt in 5 Zeitepochen : Pharaonische-, Griechische-, Koptische-, Islamische- und Neu-Zeit ausgestellt sein, die auf interessierte und neugierige Besucher warten. Ich war bereit!

Wer mit offen Augen durch Hurghada fährt, der müsste Werbeschilder fürs Hurghada Museum sicher schon mal gesehen haben, auf die Abbildung von "Meridamun" zu sehen ist. Die wunderschöne Statue der Königin Meritamun, die man 1886 in Luxor am Rameseum gefunden hat, stand ursprünglich im Nationalmuseum in Kairo - nun ist die Tochter von Nefertari und eine eine der Töchter von Ramses II an Rote Meer umgezogen. Nach dem Tod ihrer Mutter wurde sie zur "Großen Königliche Gemahlin" ernannt und somit zur Ehe- und Hauptfrau ihres Vaters. ...

 

 

 

 

 

 

 

 

Schon die alten Ägypter - oder jedenfalls die, die es sich leisten konnten - kannten "Schuhmode". Schuhmacher fertigten aus Palmenblattstreifen,  Papyrus- oder auch Binsengras die unterschiedlichsten Sandalen für "zarte Füße".

 

Als wirklich genial und sehr gelungen empfinde ich die Simulation einer Grabentdeckung. Mit etwas Phantasie wird dem Betrachter  durch die äußerst  geschickten Beleuchtungsverhältnisse suggerieren - als sei er tatsächlich bei einer Graböffnung dabei. In der ersten Reihe kann man Kanopengefäße in Form der "Horussöhne" aufgereit erkennen, die als Schutzgötter der Eingeweide galten

 

 



 

 

 

 

Jede Kanobe hatte ihre ganz besondere Bestimmung (v. links nach rechts): "Duamutef" in Form eines Schakals für den Magen - "Kebechsenuef" die Falkenköpfige für die Gedärme, "Hapi" der Pavian für die Lunge und "Amset" die Menschenköpfige für die Lunge.

 

 

 

 

 

 

 

Bes - die Darstellung eines knubbeligen Wesens auf dem linken Bild - mit übergroßem Kopf und sehr kurzen Beinen - hat der Ein- oder Andere sicher schon einmal bei einem Tempelbesuch gesehen. Bes galt als Schutzgottheit - mit der Aufgabe: böse Geister- und Mächte abzuschrecken, zudem soll er auch Schutzgott der Schwangeren und Gebärenden gewesen sein.

 

 

 

Fischer - Alltagsszene

 

Totenmasken aus verschiedenen Zeiten

Am Ende des Rundganges erreicht man die "neue Zeit". Ausgestellt sind wunderschöne Fundstücke aus einem Schiffswrack, das nahe der Sadana Island - an der Küste des Roten Meeres - nördlich von Safaga (in der Region der heutigen Sharm El Naga-Riffe) geborgen wurden.  Wann genau das Schiff gesunken kann bis heute nicht mit Sicherheit bestimmt werden. Bei meiner Recherche bin ich auf 1640 und auf ca. 1760 gestoßen. Das seit Mitte der 1990ger Jahre wird das gesunkenen Schiffswrack archäologisch untersucht und erlaubt - obwohl es durch Schautztaucher schon früher geplündert worden ist, noch immer einen eher seltenen Einblick in den Handel des 18. Jahrhunderts. Egal wann das Unglück passierte - die gefundenen Reste lassen dennoch den regen und weitreichenden Handel in dieser Zeit und die Wichtigkeit ägyptischen Häfen als Bindeglied zwischen Ost und West erkennen.

Fazit: Ein Besucht lohnt sich!! Was ich hier gesehen habe gefiel mir wirklich sehr - toll gemacht und die Idee vom "Ministerium für Tourismus und Altertümer" regionale Museen wie hier in Hurghada und auch Sharm el Sheikh im ganzen Land einzurichten, finde ich wirklich toll. Denn nicht jeder Tourist hat Lust und Laune - die meist weit weg von den Touristenorten liegenden - herkömmlichen Museumsorte wie in Assuan, Kairo oder Luxor zu besuchen. Vielleicht lässt sich durch regionalen Ausstellungsorte wie die o. g. die  Neugierde und das Interesse von einigen (vielen) Ägyptenreisenden für ein bisschen mehr - der sehr interessanten Kultur wecken. Wer allerdings  große und monumentale Statuen erwartet wird ggf.  ein bisschen enttäuscht sein - denn in dem Museum wird eher der  Alltag aus den o.g.  Epochen dokumentiert.

Persönlich kann ich nur jedem Hurghada-Besucher empfehlen 1-2  Stunden seiner Urlaubzeit für diesen Ort abzuzweigen. Es lohnt sich - auch wenn mir die Anordnung des Gebäudes in umgekehrter Reihenfolge - zuerst die Artefakte und zum Schluß die Geschäfts-Mall - ein bisschen besser gefallen hätte.

 

 

 

Titelbild: Ägyptisches Tourismusministerium

Museums-ARCHIV

29.02.2020 - In Anwesenheit von Premieminister Madbuli und anderen "Honoratioren" fand die feierliche Museumseröffnung statt.

24.02.2020 - Der offizielle Eröffnungstermin ist jetzt auf den 29. Feburar 2020 festgesetzt - Tickets können auch Online erworben werden unter Hurghada-Museum

Januar 2020 - die Eröffnung wurde noch einmal - jetzt voraussichtlich auf Ende Februar 2020 verschoben ....

06.01.2020 - Der neue Minister für Tourismus und Antike Khaled Al-Anani hat versichert, dass das neue Museum am 25. Januar eröffnet - zeitgleich mit den Feierlichkeiten zur Revolution 2011 - werden soll. Die Baukosten für das ca 3.000 m² große Museum sollen bei guten 180 Millionen ägyptische Pfund liegen und soweit ausschließlich von Privatpersonen aufgebracht worden sein. Das Museum am Roten Meer ist das erste von mehreren Projekten, das vom Ministerium für Antike in Zusammenarbeit mit dem privaten Sektor durchgeführt wurde.

Dezember 2019 - Die Eröffnung des Museums ist vorerst auf Anfang Januar 2020 verschoben. Als ich Anfang des Monats dort war - sah es dort wie auf dem Foto aus.

25.11.2019 - Der Generalsekretär des Obersten Rates der Antiken Mostafa Waziri gab bekannt, dass bis Ende Dezember ein neues Museum in Hurghada eröffnet wird. 10 Jahren nach seiner Bekanntgabe soll das Projekt verwirklicht werden - und das Erste seiner Art am Roten Meer sein. Es ist eines von mehreren Projekten, die aufgrund der Revolution auf Eis gelegt wurden. Das Museum gehört auch zu den ersten Projekten, die vom Antiquitätenministerium in Zusammenarbeit mit der Privatwirtschaft gestartet wurden. ... Der Direktor des Ägyptischen Museums in Tahrir verriet in einer Presseerklärung, dass der obere Teil der Statue der Königin Merritt Amon, der aus ihrem Tempel in Ramesseum geborgen wurde, vom Ägyptischen Museum in das bevorstehende Museum in Hurghada transferiert werden soll. .... InfoQuelle - EgyptIndependet.com
 

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