Skip to content Skip to navigation

Einmal quer durch´s Land am Nil

27.10.2016 – Donnerstag: Bis auf zwei freie Plätze vollbesetzt, startete die Condor-Maschine pünktlich von Hannover aus in Richtung Ägypten und landeten gegen 17 Uhr auf dem Airport in Hurghada - es war schon dunkel. Im Lichterschein konnte man erkennen, dass es voraussagegemäß tatsächlich geregnet hatte, aber nicht erahnen, was dieser Regen wieder einmal angerichtet hatte. An diesem Nachmittag waren drei Maschinen fast zeitgleich gelandet und jeder der Passagiere wollte der Erste am Kofferband sein um endlich Urlaub machen zu können. Aber zuerst mussten alle noch durch die "Visaerteilung". In aller Ruhe lief ich die Treppe hoch, dann nach rechts den Gang entlang bis zu den beiden Bankschaltern, die sich im Terminal 1 rechts, hinter den WCs befinden. Denn nur dort bekommt man die benötigte Visamarke, für den vom Staat festgesetzten Preis von 25 US$ oder in Euro 23 € (je nach Kurs). Die Reiseveranstalter (bei gebuchten Pauschalreisen) verlangen bis zu 35 € und mehr.

Weiter ging`s zur Passkontrolle, hier wird die im Flugzeug erhaltene und ausgefüllte Einreisekarte eingezogen, die Visamarke zur Vollständigkeit mit einem Tagesstempel versehen und anschließend noch einmal kontrolliert, ob der Vorarbeiter auch das richtige Datum eingestellt hat. Wer es bis hierhin geschafft hat, geht jetzt wieder in´s Untergeschoss um seinen Koffer abholen und in Richtung "EXIT" zu laufen, wo die Abholer oder Zubringerbusse stehen und meine Freunde schon auf mich warteten.

Tag genau vor einem Jahr hatte es am Roten Meer ebenfalls heftig geregnet und sehr große Schäden hinterlassen. Kam dies früher einmal nur alle paar Jahre vor, so kann man in den letzten fünf Jahren sehr gut beobachten, dass die Regenhäufigkeit dramatisch zunimmt. Zum besseren Verständnis: Wenn es in unseren Regionen regnet, dann regnet es halt und oft tagelang und wir brauchen uns in der Regel keine Sorgen machen. Hier in Ägypten und auch in anderen Wüstenländern ist dies etwas ganz ganz anderes. Zum einen gibt es in den Städten und Dörfern (Ägyptens) zu 98% keine Kanalisation, die überschüssiges Wasser aufnehmen könnten. Zum anderen ist Wüstensand nicht dafür geschaffen viel Wasser aufzusaugen. „In der Wüste sind schon mehr Menschen ertrunken als verdurstet“ - so besagt es ein sehr wahres Sprichwort der Beduinen!

Um zum Flughafen in Hurghada zu kommen, braucht man von El Gouna aus in der Regel eine knappe halbe Stunde, an diesem Regentag waren es mehr als zwei Stunden. Über etliche Umwege, weil Straßenteile abgebrochen oder unerkennbar und völlig überflutet waren, erreichten wir die Lagunenstadt gegen 19.30 Uhr. Wir setzen eine Bekannte an ihrer Villa ab, als uns in einer Seitenstraße durch eine riesige Pfütze ein Auto entgegen kam und im Bruchteil von Sekunden konnten wir nichts mehr sehen. Wie ein schwerer Vorhang klebte der feine hellbraune Mehlschlamm über die gesamte Frontscheibe - da half auch kein Scheibenwischer mehr. Überall standen die unbefestigten, im Normalzustand steinharten, Straßenteile unter Wasser. Einige Geschäftsleute versuchten ihre Ladenbeleuchtung mit Plastiktüten zu schützen, nur hatten sie sie verkehrt herum angebracht und so lief das Wasser ungehindert in die Lampen, die sehr schnell erloschen. Bei uns nennt man sowas Kurzschluß. Die einzigen die vom Regen profitierten waren sicher die Pflanzen, ihre Blättern wurden staubfrei - nun konnten sie für kurze Zeit wieder durchatmen.

28.10.2016 – Freitag - Ankommen - Der erste 24-Stunden-Urlaubstag in diesem Spätherbst begann mit einem magischen Sonnenaufgang, dem strahlender Sonnenschein, an einem azurblauen Himmel folgte und einem hervorragenden ägyptischen Frühstück im ZOMBA in El Gouna, mit allem was dazu gehört.

Beim Anbeißen einer knusprigen Falafel-Scheibe, blühten meine Geschmacksnerven so richtig auf. Und erst jetzt, bei Tageslicht, konnte man die Schäden des Regens von gestern richtig sehen, die mich zudem den gesamten Aufenthalt begleiten sollten, egal wo ich hinkam. Ganz besonders schlimm hatte es diesmal hier in der Gegend am Roten Meer, die nur ca. 195 km nördlich von Hurghada gelegene Stadt Ras Gharib erwischt, die unglücklicherweise an der Mündung eines Wadis liegt, in ihm hatte sich binnen kürzester Zeit das Wasser aus den Bergen gesammelt und die Stadt total überschwemmt - Menschen verloren ihr Leben. Die Straße nach Kairo, die an Ras Gharib vorbei führt, war zeitweise nicht mehr passierbar. Und so begrub ich meine Pläne in der Nähe von Ras Gharib nach einer von den Engländern verlassene Arbeitersiedlung zu suchen auf unbestimmte Zeit. Am Nachmittag nahm ich Kontakt zu Emad Saladien auf, um mit ihm über mein Vorhaben per Fähre auf die Sinai-Halbinsel zu fahren zu besprechen. Er wollte sich erkundigen und dann wieder melden. Nur ein paar Stunden später war alles geregelt für den kommenden Sonntag um 8 Uhr hatte ich einen reservierten Platz auf der Schnellfähre „La Pespes“.

29.10.2016 – Samstag - Frauenpower - Schon von zu Hause aus hatte ich mich über eine Facebook-Gruppe in eine Ladys-Bootsfahrt mit Regina Rinkenburger (Chefin von DivePointRedSea) „eingeklinkt“. Mit 12 Frauen und zwei Männer (Schiffsführer und Koch) fuhren wir mit der DivePoint2 auf´s Rote Meer hinaus und kamen nach einem herrlichen Tag, mit vielen interessanten Gesprächen, einen fantastischem Essen erst zum Sonnenuntergang wieder zurück. Ganz besonders nett war ein Wiedersehen mit Doris, die ich vor mehr als 10 Jahren in Hurghada kennengelernt, aber dann wieder aus den Augen verloren hatte. Die Welt ist und bleibt halt doch ein Dorf. Auch in Touristenhochburg Hurghada mit seinen vielen funkelnden Hotelanlagen gibt es Randgebiete voller Armut, die ein Urlaubstourist nie zu Gesicht bekommt. Wieder einmal hatten viele Menschen durch den Regen ihr Hab und Gut verloren. Spontan taten sich Auswanderer, die seit Jahrzehnten vor Ort leben, zusammen und riefen über Facebook zu einer Spendenaktion auf. In kürzester Zeit wurden Sammelstellen eingerichtet, wurde Geld- und Sachspenden, wie Lebensmittel, Decken und Teppiche gesammelt. Ich war gespannt auf die Weiterentwicklung der Aktionen.

Auch wir Frauen warfen liebend gern etwas in die Spendendose. Denn nicht nur in Deutschland stand der Winter vor der Tür, sondern auch in Ägypten, allerdings unterscheiden sie sich erheblich. Ein sehr ernstes Thema, das ich hier und jetzt nicht einfügen möchte, es aber sicher an anderer Stelle noch tun werde. (Nachtrag zum Thema Regen in Ägypten)

Das die Uhren in Ägypten, die hin und wieder etwas anders gehen, kennt man ja, aber das ein "Festspektakel" und sei es auch nur ein so kleines bedeutungsloses vorgezogen wird, kannte ich bis dahin nicht. Halloween! So steht es auch in einigen Kalendern ist gewöhnlich am 31.10. – der in 2016 ein Montag war. In El Gouna hatte man das Ganze kurzerhand auf den heutigen Samstag verlegt.

30.10.2016 – Sonntag: Auf zur Sinaihalbinsel nach Sharm el Sheikh - Im Herbst 2010 wurde der Fährbetrieb zwischen Hurghada und Sharm el Sheikh eingestellt. Wer von Hurghada nach Sharm auf die Sinaihalbinsel wollte musste entweder einen teuren Flug oder einen langen Weg per Bus auf sich nehmen. Damit sollte ab April 2015 Schluss sein insha´Allah, von da an wurde eine Neuverbindung zwischen den beiden größten Touristenzentren am Rote Meer angekündigt. Der Start wurde allerdings immer und immer wieder verschoben. Erst im Spätsommer 2016 pendelte sich ein einigermaßen regelmäßiger Fährbetrieb wieder ein. Aufstehen um 5 Uhr – Abholung aus El Gouna um kurz nach 6 Uhr – Ankunft im Hafen von Hurghada knappe 20 Minuten später. Denn unter den Buchungsbedingungen steht geschrieben: Passagiere müssen zwei Stunden vor Ablegen der Fähre im Hafengebäude sein. Beim Betreten der Abfertigungshalle saßen ca. 10 Wartende in den Sesseln. Am geöffneten Eingang 1 wechselte ich zunächst die Kaufbescheinigung, die Emad Saladien einen Tag vorher in einer HIGH JET-Verkaufsstelle besorgt hatte (dort wo es auch die Bustickets gibt, z.B. in Dahar oder auch Sekalla), in ein „ordentliches“ Ticket um.

Kurz nach 7 Uhr kam Bewegung ins Spiel. Die mitgebrachten Gepäckstücke wurden, ähnlich wie im Flughafen gescannt, anschließend durften wir über das zur Meerseite gelegene Gelände in Richtung Fähre laufen. Auf das 20 kg maximal mitzunehmende Gewicht, das in den Buchungsbedingungen angegeben wird, wurde bei dieser Fahrt nicht geachtet. Ein deutsches Taucher-Pärchen war aus Marsa Alam von einer Tauchsafari mit zwei vollen Koffern und schweren Rucksäcken angereist; als nächstes wollten sie noch eine Woche lang die Unterwasserwelt im Golf von Aqaba erkunden.

Um die Zeit bis zur Abfahrt ein wenig zu verkürzen, versuchte ich den Kapitän des Schiffes zu finden und hatte Glück und er bat mich sogar in seine kleine Fahrerkabine. Nochmals vielen Dank dafür. Nach und nach trudelten die Fahrgäste ein, aber mehr als 40 waren es am Ende nicht. In der unteren Etage gibt es ein nettes Bistro (das vom LORENZO-Cafe aus Hurghada bewirtschaftet wird) und dessen Preise m.E. sehr zivil sind. Soft-Drinks wie Cola, Pepsi, Sprite und Fanta kosten 10 LE, eine große Flasche Wasser 15 LE und gut belegte Sandwichs 20 LE. Die Besatzung forderte die Gäste in beiden Etagen auf unbedingt Platz zu nehmen und diesen nur in dringenden Fällen zu verlassen, und das war gut so. Denn die Fahrt, würde es eher einen Ritt durchs Rote Meer nennen, ist mit 2 ½ Stunden angegeben und definitiv nichts für Magenempfindliche, es sei denn sie haben sich mit ein paar Pillen gegen Seekrankheit ordentlich vorgesorgt. Pünktlich um 8 Uhr legte die „La Pespes“ in Richtung Sharm el Sheikh ab und gab richtig Gas. Schnell wurden Hurghadas Gebäude immer kleiner. 2 ½ Stunden später ging der Kapitän langsam vom Gas und die Fähre näherte sich dem Festland. Die La Pespes schipperte gemächlich in den Hafen von Sharm ein und parkte elegant vor dem riesigen TUI-Kreuzfahrtschiffes "Mein Schiff 1" ein. Im Vergleich zu diesem Monstrum hatte man das Gefühl in einer Nussschale über´s Meer gefahren zu sein. Ich freute mich nach ein paar Jahren Abstinenz endlich wieder mal Sinai-Boden unter den Füßen zu haben, auch wenn es mit einem Besuch in Dahab diesmal nicht geklappt hatte. Neben Hurghada ist Sharm el Scheikh (die Bucht des Scheichs) der zweite bedeutendste Urlaubsort am Roten Meer.

An der Tür warteten schon ein paar Leute, die es sehr eilig hatten und dem Personal den Weg versperrten. Nach verlassen der Fähre müssen die Passagiere zunächst noch eine Kontrolle auf dem Gelände durchlaufen, die ich allerdings zunächst völlig übersehen hatte, ehe man den Hafenbereich ganz verlassen darf. Anschließend läuft man den Berg zum Ausgang hoch und kann dann tun und lassen was man möchte. Taxen zur Weiterfahrt, wohin auch immer, stehen nach dem Hafenausgang genügend zur Verfügung. Ganz in der Nähe der rufenden Taxifahrer wartete ein von Emad georderter Fahrer, der mich nach 2,5 km Fahrt am Old Market wieder absetzte. Von Touristen war an diesem Sonntagmorgen so gegen 11.30 Uhr so gut wie nichts zu sehen - sicher lagen sie an den Stränden in der Sonne, denn es war recht warm am vorletzten Oktobertag. Da stand ich nun im ursprünglichen Teil des Urlaubsortes und wusste zuerst nicht so recht in welche Richtung es gehen sollte, schaute mich etwas unsicher um und entdeckte mein erstes Ziel. Die neue Al Sahaba Moschee. Ich brauchte nur durch ein/zwei Quergassen gehen und schon stand ich vor ihr, die nach gut fünfjähriger Bauzeit, bis auf ein paar Kleinigkeiten so gut wie fertig ist.

Durch die vielen Reisen durch die verschiedensten Städte des Landes, hatte ich schon jede Menge Moscheen gesehen und war bisher immer sehr beeindruckt. Egal wie groß oder klein sie waren - sie hatten immer etwas Würdevolles. Bei dieser hier war ich beim genaueren und näheren Hinsehen doch ein bisschen (sehr) enttäuscht. Was keinesfalls an der Bauweise liegt, die ist einfach gigantisch. Die beiden ca. 75 m hohen Minarette ragten in den azurblauen Himmel und goldenen Kuppeln glänzten in der Sonne - ein wirklich toller Anblick. Um es kurz zumachen: sie wirkt in großen Teilen ein wenig wie aus Disneyland entsprungen. Allerdings haben die vielen bunten Schnörkel und die überwiegend durch Airbrush aufgebrachte Farbe es nicht (ganz)  geschafft, ihr das "Flair von Tausend und einer Nacht" zu nehmen. Sie wirkt in großen Teilen ein wenig wie aus Disneyland entsprungen. Allerdings haben die vielen bunten Schnörkel und die überwiegend durch Airbrush aufgebrachte Farbe es nicht (ganz)  geschafft, ihr das "Flair von Tausend und einer Nacht" zu nehmen. Die Grundsteinlegung für das Bauwerk, das der ägyptische Architekt F. Tawfik Hafez entgeldlos entworfen hat, war kurz vor der Revolution im Januar 2011. Aus diesem Grund wurden die Baumaßnahmen, des letztendlich über 30 Millionen Ägyptische Pfund teuren Bauwerks, auch für ca. 3 Monate eingestellt. Die Al Sahaba Moschee ist neben der "Al-Mostafa Moschee" die zweitgrößte der Region.

Durch die Revolution im Januar/Februar 2011 und u.a. dem Absturz der russischen Passagiermaschine im November 2015 ist der Tourismus in Sharm, noch schlimmer als in Hurghada, zum erliegen gekommen. In den fünf Stunden Aufenthalt begegneten mir gerade mal sechs bummelnde Touristen und eine zehnköpfige deutsche Fahrradfahrergruppe. Erschreckend viele Shops scheinen seit ewigen Zeiten geschlossen, im großen Tiran Shopping-Center hat so gut wie kein Laden mehr geöffnet. Aber wie heißt es so schön: Die Hoffnung stirbt zuletzt, denn Rund um den Old Markt wurden z.B. Straßen saniert und Blumenkübel bepflanzt.

Kleiner Themenwechsel: Mitte Oktober schrieb eine Freundin, dass es in Kairo kaum mehr Zucker zu kaufen gab. Meldungen über die Zuckerkappheit waren anschließend immer häufiger zu  lesen. Gerade Zucker - ob gesund oder nicht - in Ägypten gehört er zum täglichen Leben, noch viel mehr als einiges andere. Shai Koschari (schwarzer Krümeltee) ist das Nationalgetränk der Ägypter und den können sie nur mit ordentlich viel Zucker genießen. Sogar in den Touristenhochburgen wie Hurghada waren im großen Spinneys z.B. die Zuckeregale ausgeräumt. In Best-Way in El Gouna gab es zeitweise keine Kilo-Tüten mehr zu kaufen, nur weißer Würfelzucker in Herzchenform. Ein Erlebnis am Old Market geht mir bis heute nicht aus dem Sinn: Ich sah eine wartende Menschenschlange in der Nähe eines Supermarktes, alle hatten Bezugscheine für Zucker in den Händen. Als der Zuckervorrat aufgebraucht war und die Tore geschlossen wurden, sah ich viele enttäuschte aber auch wütende Gesichter.

Gegen 16 Uhr lief ich zum Eingang vom Old Market und nur 10 Minuten später kam der Fahrer und wir fuhren zurück zum Hafen, vor wo aus die Fähre zwei Stunden später wieder in Richtung Hurghada ablegte.

Fazit: Es war toll und ich werde es ganz sicher wieder machen, denn es lohnt sich! Wer allerdings so einen Trip machen möchte, der sollte nicht so planlos wie ich losfahren. Die Aufenthaltszeit (von 12 Uhr bis 16/17 Uhr) reicht um in die Naama Bay zu fahren, um sich ggf. die Al Mustafa Moschee und die Koptische Kirche el Sama-Eyeen, beide im Stadtteil Hay el Nour, anzuschauen. Wer eine Stunde (nicht zwei) vor Abfahrt der Fähre wieder am Hafen ist, verpasst sie auf keinen Fall.

31.10.2016 – Montag - Die Wüste lebt - Da es, wie oben bereits erwähnt, vor ein paar Tagen wieder einmal geregnet hatte, fiel mir das Projekt "Desert Breath", ganz in der Nähe von El Gouna, wieder ein. Gerade jetzt musste der Hauptkonus wieder mit Wasser gefüllt sein. Mit dem Taxi oder Quad, oder so wie ich, mit einem Mietwagen,  kann man sehr gut dorthin fahren, wenn man El Gouna durch die Hauptausfahrt verlässt, der Fahrtrichtung entsprechen nach rechts abbiegt und die Küstenstraße Richtung Kairo fährt, muss man die ZWEITE Wendemöglichkeit nutzen und dann die Nächste nach links auf eine schmale Straße abbiegen (sie führt zum Mittelring). Linker Hand kann man zu diesem Zeitpunkt bereits die größten Kegel von der Straße aus erkennen. Auch mit TokTok, TuckTuck oder Toxi geht`s. Eine direkte Zufahrt (die es bis 2014 noch gab) ist inzwischen unmöglich, man muss am Straßenrand parken und hinlaufen. Der Regen hatte überall seine Spuren hinterlassen und um den mittleren Konus stand das Wasser so hoch, wie ich es bei meinen vorherigen Besuchen noch nie gesehen habe.

Die Kraft des Wassers hat sogar den äußeren Betonring unterspült und zusammenbrechen lassen.

Anfang März 2017 feiert das Kunstwerk, das von 1995 bis 1997 von drei griechischen Künstlern gestaltet wurde, seinen 20. Geburtstag. Wenn sich allerdings das Wetter in dieser Wüstenregion weiterhin so entwickelt und Regen immer öfter fällt, wird das Areal bald nicht mehr so zu erkennen sein, wie heute noch. Dann wird alles wieder so aus sehen wie 1995, bevor man mit dem Kunstwerk begann. Das Objekt erstreckt sich über eine Fläche von 100.000 m². Die Künstler und ihre Helfer bewegten 8.000 Kubikmeter Sand, sie schufen 178 konusartige Formen, die spiralförmig angeordnet wurden. Eine der Spiralen bestand aus erhöhten konischen Kegeln zunehmender Größe und die Andere aus den analogen konischen Vertiefungen im Sand, die man vor ca. 3 Jahren noch recht gut erkennen konnte, heute allerdings mit bloßem Auge nicht mehr ausmachen kann. Die Konus-Oberflächen behandelte man mit Zement, um zu verhindern, dass sie nicht allzu schnell durch den stetigen Wind verweht werden. In der Mitte des Ganzen befindet sich ein (Haupt)Konus, der wiederum von einem ca. 30 m großer Krater umgeben ist und nach Beendigung der Arbeiten bis zum Rand mit Wasser gefüllt wurde, das aber im Laufe der Zeit und der dort herrschen Gegebenheiten recht schnell verdunstete, und erst durch die Klimaveränderungen (jetzt hin und wieder) mit Regenwasser befüllt wird. Warum so ein Projekt? Die Künstler sagten u.a.: Die positiven und negativen Konusformen sollen,wie bei einem Brustkorb, die Bewegungen beim Atmen simulieren sollen. Die Wüste lebt …

01. & 02.11.2016 – Ankommen - akklimatisieren - wohlfühlen - genießen = Urlaub machen! Touristisch gesehen war in El Gouna und auch Hurhgada nicht viel los und alle hofften, dass es in den nächsten Wochen mehr werden würde.

03.11.2016 -Donnerstag: Auf nach Luxor, in die "Stadt der Tempel" und dann weiter auf den Nil. Relativ knapp vor meinem diesjährigen Herbstaufenthalt in Ägypten, hatte ich mich spontan in eine pauschal gebuchte Nilkreuzfahrt von Ägypten-Fans aus dem Isis-und-Osiris-Ägypten-Reiseforum aus Deutschland eingeklinkt. Mit ihren Daten wandte ich mich wie immer an Emad Saladien.

Er organisierte und buchte, allerdings ohne das übliche Ausflugspaket dazu zu nehmen, und ich wusste aus Erfahrung, dass anschließend alles wie gewohnt perfekt werden würde. Während die anderen Teilnehmer der Nilkreuzfahrt erst heute anreisten und noch im Flugzeug aus Düsseldorf, Stuttgart und Leipzig saßen, holte Emad mich samt seiner kleinen Familie um 8 Uhr aus El Gouna ab und gemütlich führen wir durch die Wüste in Richtung Luxor, zur etwas außerhalb liegenden Schiffanlegestelle. Auf der gut ausgebauten Strecke zwischen Safaga und Luxor waren auch hier die Hinterlassenschaften des Regens nicht zu übersehen, abgebrochene Straßenteile und in der Wüste riesige Pfützen. Ankunft in Luxor nach ca. 3,5 Stunden. Obwohl man, ohne den Reiseveranstalter in Deutschland darüber zu informieren, dass von den Freunden über FTI gebuchte Schiff vor Ort gegen ein anderes getauscht hatte, schaffte es Emad, auch mich kurzfristig auf das richtige Schiff umzubuchen. Alles klappte zu 100% - die gesamte Teilnehmergruppe traf auf der "Steigenberger Legacy" ein und konnten zu einer fantastischen Reise auf dem zweitlängsten Fluss der Erde starten.

Das Schiff der ägyptischen TRAVCO-Flotte, ist 72 m lang, 14 m breit, mit einem Tiefgang von 1,5 m und ist nicht mehr das "jüngste" - aber mir gefiel es. Inzwischen weiß ich, dass man Nilkreuzfahrtschiffe auf keinen Fall nur nach der Außenansicht beurteilen darf. Das Schiff hat vier Etagen + Sonnendeck, 76 Kabinen, die bei Nutzung zweimal täglich gereinigt wurden. Meine Kabine trug zum Glück die Nr. 321 und lag im s.g. Oberdeck 1 (über dem Mitteldeck). Alles war picobello sauber, die individuell zu regulierende Klimaanlage funktionierte auf Knopfdruck und lief, wenn ich sie mal kurz brauchte, sehr leise. Für sieben Tage hatte ich ein sehr schönes "Zimmer" mit einem aufschiebbaren Panoramafenster, einem traumhaftem King-Size Bett, einem gut beleuchteten Bad mit Regendusche und allem was Frau sich sonst so wünscht. Später erkundeten wir zuerst einmal das Schiff, saßen auf dem Sonnendeck und schauen dem Sonnenuntergang zu. Um 19.30 Uhr wurde für alle Gäste das Abendbuffet eröffnet und im Anschluss zu einem Infoabend für die die Pauschalurlauber in der Schiffsbar gebeten. Die Reiseleiter begrüßten ihre neuen Gäste, riefen sie namentlich auf und teilten sie ein.  7x fiel der Name "Schulze", die fast alle aus Leipzig angereist waren - sowas hatte ich bisher noch nie erlebt. Der Schiffschef begrüßte uns und informierte über einige wissenswerte Besonderheiten der "Legacy" - u.a. dass Eiswürfel nur aus Flaschenwasser hergestellt werden und soweit ich es erkennen konnte wurde auf unserem Schiff nicht ein einziger Gast krank. Aber auch die Schiffsküche darf auf keinen Fall unerwähnt bleiben, denn sie war fantastisch, nichts lag länger in den Wärmebehältern, alles war frisch und immer mit sehr viel Liebe zum Detail angerichtet. 

04.11.2016 – Freitag - Museum statt Tempel - Nach wenig Schlaf, aber einem sehr guten Frühstück, fuhr der größte Teil der Gruppe in einem klimatisierten Bus samt Reiseleitung zu ihrem, in der Pauschalreise inkludiertem ersten Ausflugsziel, und besuchten die Tempelanlage von Karnak. Und wir machten uns zu dritt mit Emad Saladien auf den Weg ins „Luxor Museum“, das direkt an der Uferpromenade „Corniche el-Nil“ liegt. Das im Dezember 1975 eröffnete, von außen schon sehr modern wirkende Museum für Ältägyptische Kunst, wurde vom Architekten Mahmoud el-Hakim gestaltet, der auch beim Bau des wunderschönen Nubischen Museums in Assuan „seine Hände im Spiel“ hatte. Das Museum ist gut bestückt

mit außergewöhnlichen Schätzen, die wunderbar präsentiert werden, wie Möbel, Geschirr der verschiedensten Epochen. Bedeutende archäologische Funde aus dem Luxor-Tempel, der Karnak-Tempelanlage und aus den Tempeln und Gräbern von Theben-West sind hier ausgestellt.

Das Museum ist in 2+1 Ebenen aufgeteilt, die auch für Rollifahrer gut zu erreichen sind. Gleich in der Eingangshalle „begrüßte“ uns eine Kalkstein-Statue von Gott Amun (1347-1336 v. Chr.), die in der Karnak Tempelanlage gefunden wurde. Anschließend standen wir total fasziniert vor einem großen Granitkopf des Pharao Amenhotep III (18. Dynastie 1403-1365 v. Chr.) darstellt und Ende der 50er Jahre in seinem Totentempel in Theben West gefunden wurde. Oder der Statuenkopf aus Rosengranit von Sesostris III (12. Dynastie 1878 – 1840 v. Chr.), der auch in der Karnak Tempelanlage gefunden wurde. Natürlich sind alle hier ausgestellten Stücke etwas ganz besonderes, aber mich fesselte eines der bekanntesten Ausstellungsstücke im Luxor-Museum ganz besonders und zwar der Kopf der „Heiligen Kuh“, ein aus Holz geschnitzter, teilweise vergoldeter Rinderkopf, den man im Grab von Tutanchamun (18. Dynastie 1347 – 1336 v. Chr.) gefunden hat. Er symbolisiert die Verehrung der Göttin Hathor, die als Göttin der Schönheit, der Liebe, des Tanzes, als Behüterin der Toten, sowie als Beschützerin des ganzen Landes am Nil und vielem mehr galt. Auf dem Weg in die obere Etage kommt man nur unschwer an einer aus Calcit bestehenden fast weißen Doppelstatue vorbei, die Gott Sobek gemeinsam mit Pharao Amenhotep III (18. Dynastie 1403 – 1365 v. Chr.) zeigt, die Ende der sechziger Jahren nahe Luxor in einem Sobek-Tempel ausgegraben wurde. Auf der rechten Seite befindet sich in einem dunklen Raum die letzte Ruhestätte zweier Mumien. Die Eine soll die von Pharao Ahmose I und die Zweite wurde von Zahi Hawass als die von Ramses I identifiziert. Im Obergeschoss findet man neben vielen interessanten Fundstücken auch  Alltagsgegenstände, wie z.B. ein Bett aus Pharaonischen Zeiten, mit Füßen die Löwentatzen ähneln, die auch aus dem Grab von Tutanchamun stammen. Ganz besonders gefiel mich die kunstvolle Rekonstruktion von Reliefszenen eines Mauerteils eines Aton Tempels aus der Zeit als Pharao Echnaton regierte, der aus ca. 280 bemalten s.g. Talatat-(Steinblöcken) hervorragend zusammengesetzt und gute 16 m lang ist. Hier lohnt es sich auf jeden Fall mal etwas (sehr) genauer hinzuschauen. Bevor wir das Museum wieder verließen, schauten wir noch im Untergeschoss des Museums vorbei, hier erwartet die neugierigen Besucher eine tolle Statuen-Sammlung die man bei Restaurierungsarbeiten des Sonnenhofs im Luxor Tempel aus dem Wüstensand freigelegt hat. Schwer beeindruckt hat mich die Darstellung von Pharao Haremhab kniend vor Gott Atum und die Detailgenauigkeit der großen aus Rosengranit bestehenden Statue von Pharao Amenhotep III – beide aus der 18. Dynastie.

Auf dem Rückweg zum Schiff fuhren wir noch schnell zu Bank um genügend "Ägyptisches Geld" zu haben. Denn nur wer Ägyptische Währung hat und damit bezahlt, zahlt den regulären Preis. Von uns fast unbemerkt legte die Legacy gegen 13 Uhr in Richtung Esna und Edfu ab. Nichts auf der Welt „Endschleunig“ mehr als eine Reise über den Nil, das vorbei ziehende Ufer, an dem unglaublich grüne Felder und Gräser wachsen und die unzähligen Palmen, Bananenplantagen und Zuckerrohrfelder lullt einen auf sehr behagliche Weise und auf eine urgemütliche Stimmung ein. Eine gute Stunde vor Esna wurde es noch einmal ein bisschen hektisch, noch weit bevor wir die Nil-Schleuse erreichten ruderten die ersten „fliegenden Bootshändler" auf unser Schiff zu. Händler, die versuchten mit recht viel Geschick und noch mehr Geschrei  ihre Ware – die in der Regel aus Handtücher, Tischdecken oder Galabiyas mit ägyptischen Motiven besteht - an die Frau oder den Mann zu bekommen. Die Päckchen flogen hin und her - ein gut verschnürtes landete mitten im Pool. Ob sie an diesem Tag tatsächlich etwas verdienen konnten habe ich nicht mehr mitbekommen. Auf der ca. 200 km langen Strecke zwischen Luxor und Assuan, gibt es bis heute nur vier wirklich öffentliche Brücken (inkl. der von Luxor, von der aus wir losgefahren sind und der Staudammbrücke bei Esna), die man mit Verkehrsfahrzeugen von einer zur anderen Seite nutzen kann. Daher verläuft der überwiegende Verkehr zwischen den Ufern mit Fähren, auf die alles geladen wird was man sich denken kann. Es war längst dunkel geworden, als wir gegen 19 Uhr die Schleuse passierten und weiter bis Edfu fuhren und für die Nacht anlegen.

05.11.2016 - Samstag:  Alles doppelt - Nach dem Frühstück nahm unser schwimmendes Hotel die Fahrt Nilaufwärts in Richtung Kom Ombo wieder auf. So eine Nilfahrt, und hier wiederhole ich mich sehr gern, ist eine wunderbar entspannte Art zu reisen! Man kann sich dem "dolce far niente" hingeben, im Schatten oder in der Sonne dösen, einen Besuch im oder am Pool einlegen, am Nachmittag Tea Time wie Agatha Christie genießen, und das alles, während vor den Augen das Ufer mit seinen herrlichen Sehenswürdigkeiten vorbei zieht. Unbedingt zu erwähnen ist eine spätbyzantinische Stadt-Festung, Nilaufwärts auf der linken 

(West) Seite, dem folgt der (Sand) Steinbruch Gebel es-Silsila, ca. 43km vor Edfu. Vom Schiff aus ist u.a. der „Felstempel des Haremhab“ und die dem Nilgott Hapi geweihten Felsstehlen sehr gut zu erkennen. Gebel es-Silsila erstreckt sich allerdings auf beiden Seiten des Ufers. Interessanter und deutlicher auszumachen ist für „Unwissende“ (wie mich) allerdings die Westseite.

Jeder Kilometer so einer Nilfahrt ist anders, es ist wie eine Zeitreise. Sieht man die Bauern auf ihren Feldern, wie und womit sie ihre Felder bearbeiten, kann man schnell ans vergangene Jahrhundert denken. Dann wieder Fabriken, moderne Brücken, die einen zurück ins jetzt katapultieren. Am Nachmittag erreichten wir eines der besonderen Ziele einer jeden Nilkreuzfahrt, den berühmten Doppeltempel in Kom Ombo, und der mir zu dieser Tageszeit am besten gefällt. Denn die tieferstehende Sonne lässt den auf einem Felsvorsprung rund 15 m über dem Nilufer thronenden Tempel in wunderbar weichen Erdfarben erstrahlen. Von der Anlegestelle ist es nur ein kurzer Spaziergang mit Treppenaufstieg, bis man vor dieser in Ägypten einmaligen Tempelanlage steht, die zwei Göttern geweiht ist. Geweiht den beiden Göttern Haroeris, u. a. als Mensch mit Falkenkopf dargestellt und dem Krokodilsgott Sobek. Einmalig auch, weil nur in diesem Tempel alles doppelt vorhanden ist. Ab dem Säulensaal gibt es für jede Gottheit (links Haroeris und rechts Sobek) einen Weg zum Eingangstor bis hin zum jeweiligen Allerheiligsten. Auch bei diesem Tempel gibt es einen Nilometer der mit dem Nil verbunden war, dieser gleicht einem "begehbaren" Brunnen. In ihm konnten man den Grad des jährlichen Hochwassers ablesen und anschließend die Steuer berechnen, die die Bauern zu zahlen hatten. Noch ca. 50 km und wir hatten Assuan erreicht.

So einzigartig wie der Doppeltempel ist, ist auch das angrenzende, Ende Januar 2012 eröffnete, Museum. In ihm werden rund 22 in der Gegend gefundene mumifizierte Krokodile unterschiedlicher Größe ausgestellt, die in einer großen dezent beleuchteten Vitrine auf einem künstlichen Sandhügel liegen. Zur Ausstellung gehören außerdem eine Sammlung von Krokodil-Sarkophagen, Eier und Föten, sowie Statuen und Stelen mit Abbildungen des Krokodil-Gottes Sobek.

Wer nach dem Tempelbesuch Richtung Ausgang geht, kommt auf jedenfall am Museum vorbei. Der Eintrittpreis ist mit dem Tempelticket von 50 LE abgedeckt. Wer zu seinem Schiff zurück will, kommt an der Allee von Händlerbuden nicht vorbei. Aber da der Schiffsverkehr und somit auch die zahlenden Gäste "gefühlsmäßig" mehr werden, waren die Händler recht entspannt und akzeptierten beim fünften nein, das wir heute nichts in Geschäft kamen. Zurück zum Schiff, duschen,  Abendbrot vom tollen Buffet und den Tag auf dem Sonnendeck in aller Ruhe ausklingen lassen. Eine runde Stunde später passierten die Schiffe den neuen Brückenbau über den Nil, von deren Bau ich schon 2012 Aufnahmen gemacht hatte. Inzwischen sind die Pfeiler im Nil von Ufer zu Ufer fertig gestellt und ich hoffe, dass man diese um einiges höher baut, als die beiden bestehenden, die reichlich niedrig sind. Auf meinen bisherigen Nilfahrten musste vor Edfu eine Brücke immer der Aufbau vom Sonnendeck eingeklappt werden. Wer abends mit dem Schiff nach Assuan kommt kann rund eine Stunde vorher schon die herrlich beleuchtete Schrägseilbrücke Al Khattarah sehen, die am Tage trotz ihrer ungewöhnlichen Bauweise eher unscheinbar erscheint.

06.11.2016 - Sonntag: Wunderschöne Gegensätze - Während die Pauschaltouristen unserer Gruppe ihr Pflichtprogramm erledigten und mit Bus und Boot, u.a. zur Insel Agilika, wo Sie den Philae-Tempel besichtigen wollten. Holte uns Tarek, ein Kollege von Emad, zu einer besonderen Assuan-Rundfahrt ab. Hinter den Anlegestellen der Kreuzfahrtschiffe stiegen wir in ein Nil-Taxi und schipperten durch den ersten Katarakt zu der Pflanzeninsel von Lord Kitchener. Besonders für Gartenliebhaber ist die Insel ein unbedingtes muss, schon die Fahrt dort hin ist berauschend schön. Ein Pflanzenparadies unter nubischer Sonne, genau dass ist Geziret El Nabatant - ca. 650 m lang und 115 m breit. Bevor man die kleine Insel 1899 an den Lord H. H. Kitchener für seine herausragenden Leistungen übergab, mussten Menschen, die dort lebten und der Landwirtschaft nachgingen, sich einen anderen Ort suchen. Bis zu seinem Ableben im Sommer 1916 blieb die Insel Eigentum des britischen Pflanzenliebhabers. Er nutzte sie als Rückzugsort für sich und seine Leute und machte sie zu dem was sie heute ist - eine Oase der Ruhe. Auf rund 4.200 m² wachsen tausende von Pflanzenarten, wie z.B. Apfelsinen-, Balsam-, Drachen-, Feigen-, Granatapfel-, Mandarinen-, Mango-, Papaya- und Zitronenbäume, Tamarisken, Kakteen, Weihnachtssterne die das ganz Jahr über blühen, Akazien, bunte Bougainvillea in allen erdenklichen Farben, duftende Fangipani in rose, gelb und weiß, Cafebäume, Spathodia Campanulata (afrikanische Tulpenbäume) und majestätisch in den azurblauen Himmel ragende Königspalmen, usw. Die rote Blüte stammt von einen Bombax Ceiba - zu gut Deutsch - einem roten Seidenwollbaum, der erst große feste, glutrote Blüten hat, bevor ihm Blätter wachsen. 2012 leuchteten die roten Blüten die gesamte Chorniche entlang. Uns hätte ein wenig mehr Zeit auf dieser kleinen Nilinsel  sehr gut getan, aber wegen des begrenzten Zeitrahmens verließen wir diesen wunderbaren Ort und fuhren weiter zum Nubischen Dorf. Eine von uns drei war noch nie dort. Ich war sehr überrascht, das trotz der Touristenflaute, die natürlich auch in Assuan spürbar ist, sich jede Menge verändert hat. Neue Häuser, die in der Regel auch gleich mit Farbe bemalt wurden, und es war erstaunlich sauber. Die Straßen durch´s Dorf waren wie geleckt und die Treppen zu den Niltaxis waren in frischen leuchtend bunten Farben bemalt. Wir besuchten eine Schule, schauten in einige Klassenräume in denen die Kinder fleißig lernten und sich über die ungeplante kurze Pause sichtlich freuten. Später schlenderten wir durch´s Dorf, kamen an vielen dekorativ bemalten Häusern und zahlreichen Verkaufsständen vorbei. Wie überall im Land am Nil, war es auch hier gar nicht so einfach, an all den kleinen bunten Lädchen ohne Emotionen vorbeizugehen. Meine Augen entdeckten viel Kitsch, aber auch wirklich schönes Kunsthandwerk und hübschen Schmuck. So vielfältig wie das Angebot, so vielfältig sind sicher die ankommenden Gäste aus aller Welt und ich denke, dass für jeden etwas dabei sein dürfte, das ihn später an diesen herrlichen Ort am Nil erinnert. Hier haben sich die Menschen völlig auf den in der Regel stattfindenden Kreuzfahrttourismus eingestellt. In ihrer freundlich unaufdringlichen Art kommen sie mit Sprüchen in allen Landessprachen wie: „Heute schauen, morgen kaufen, übermorgen bezahlen, usw. auf ihre Gäste zu, und haben sich recht schnell die Herzen der Vorbeischlendernden gebeamt. Auch nach so vielen Jahren mag ich die Art der Nubier immer noch, wie sie mit ihren Gästen in Kontakt treten. Auch ihr Ideenreichtum scheint nie zu enden, inzwischen gibt es hier im Dorf sogar eine "Nubische Carrefour-Niederlassung".

Wie immer, viel früher als gewollt, nahmen wir Abschied und fuhren per Niltaxi zum Schiff zurück. Tarek hatte noch einen Termin und auf uns wartete das Mittagsbuffet. Aber schon am Nachmittag sahen wir uns wieder und fuhren gemeinsam über die Chorniche in Richtung Süden, vorbei am Nubischen Museum, dem riesigen fatimidischen Friedhof, dem unvollendeten Obelisken zu einem auf einem Berg gelegenen Nubian House-Restaurant, von dessen Terrasse man einen fast unbeschreiblich schönen Ausblick über weite Teile der Stadt hat und die der Stadtjugend zudem als idealer Rückzugsort dient. Unser nächstes Ziel führte uns ins legendäre im Jahre 1899 eröffnete Old Cataract Hotel, das heute den Namen "Sofitel Legend Old Cataract" trägt und eines der schönsten und berühmtesten Fünf-Sterne-Häuser des Landes ist. Genau dort erwartete man uns zum "Sonnenuntergang-Tea-Time" und zu einer kleinen Besichtigungstour. Viele Prominente waren schon hier und die Liste der betuchten Gäste ließe sich sicher ewig fortschreiben, jeder der etwas auf sich hielt oder hält möchte gern auf der Gästeliste erscheinen, sowie die berühmte Agatha Christie, sollen hier auch König Fuad, Zar Nikolaus, Winston Churchill, Aga Khan, Lady Di, Margaret Thatcher, US-Präsident Jimmy Carter, François Mitterrand, die jordanische Königin Nur, Omar Sharif mit seiner großen Liebe und Ehefrau Faten Hamama und viele viele andere Adlige und Würdenträger wie Abbas II der letzte Khedive von Ägypten, genächtigt haben. Ob die aufgeführten Leute tatsächlich in diesem Haus Gäste waren, sei einfach mal dahin gestellt. Natürlich erkannte man uns auf Anhieb als ganz normale Touristen und nicht als Hotelgäste, wurden aber am Geländeeingang herzlich begrüßt und gebeten in dem vorgefahrenen Golf-Caddy Platz zu nehmen, um zum Hoteleingang gefahren zu werden.

Auch bei meinem dritten Besuch strömte dieses Hotel einen überwältigen Charme aus, der einen sofort einlullt, als sei es das erste Mal und ruck zuck fühlt man sich in alte Zeiten versetzt. In der Regel betritt man das Hotel Gebäude von der Landseite her, durch eine alte Drehtür aus poliertem Ebenholz und wird von einem orientalischen, von glänzenden Messinglampen durchflutetem, immer leicht nach Amber duftendem Gewölbe empfangen. Auf dem Weg in Richtung Terrasse zweigen rechts und links Flure und Hallen mit gemütlichen Sitzecken ab. Draußen angekommen verzaubert ein herrlicher Panoramablick jeden Gast, der dieses Terrain betritt. Wie von selbst schweift der Blick über eine Nil Insel auf der die Ruinen der alten Stadt Elephantine stehen, sehen bis hin zu der Pflanzeninsel des Lord Kitchener und weiter zu den goldfarbenen Dünen auf denen die Nekropole Qubbet el-Hawa liegt, in deren Gräbern im Alten Ägypten die Edlen und Wohlhabenden dieser Gegend bestattet wurden. Es gibt immer wieder Dinge, die lassen sich mit einfachen Worten nicht beschreiben - dieser Ort gehört definitiv dazu. Uns zog es zu der 20 Meter über dem Nilufer gelegenen Hotel-Promenade an deren Verlauf wunderschöne "intime" Baldachin-Sitzecken abzweigen, von denen wir die Phasen des  Sonnenuntergangs am besten beobachten konnten.

Um nicht auf den "Trocken" zu sitzen warfen wir einen verlegenen Blick in die Getränkekarte und staunten nicht schlecht, die Preise in diesem Luxus Hotel waren tatsächlich niedriger als die auf unserem Nilschiff. Nachdem die Sonne verschwunden war machten wir uns auf zur Hotelbesichtigung. Geplant war, dass wir uns die "Suite Agatha Christie" anschauen. Am Ende wurde es dann aber die wie Fackeln wirkende Wandlampen leuchten mit sehr warmen Licht den Weg aus. Wer in diesem Hotel einchecken möchte hat die Qual der Wahl Suite 1101 mit dem klangvollen Namen Winston Churchill. Eigentlich war es auch egal in welche der Nobelunterkünfte wir ein Auge werfen durften, einzigartig sind sicher alle. Fast ehrfürchtig betraten wir einen alten Fahrstuhl mit moderner Technik und fuhren nach oben, liefen dann über den mit dickem weichen rot-beige gestreiften Teppich ausgelegt Hotelflur. Kein einziger unserer Schritte war zu hören und die wie Fackeln wirkende Wandlampen leuchten mit sehr warmen Licht den Weg aus. Wer in diesem Hotel einchecken möchte hat die Qual der Wahl zwischen einem Premium Zimmer von 36 m² bis hin zu Nil Suite 138 m². Die im Palastflügel gelegene Churchill-Suite hat ebenso 138 m² - kaum zu glauben - aber allein der begehbare Kleiderschrank hat die Größe meiner Nilschiffkabine. Es gibt ein Wohnzimmer mit Kamin, ein Esszimmer mit einer kleine Teeküche, einen kleinen Arbeitsbereich, Badezimmer und natürlich ein Schlafzimmer mit einem riesigen King-Size Bett. Überall standen sehr schöne handgeschnitzte filigrane, aber auch schwere und massige Möbelstücke. Die allerdings durch die hohen Decken und großzügigen Räume um einiges feiner wirken. Die Zeit verging wie im Flug und bevor die hohen Hotelgäste zum Dinner strömten, wollten wir das ehrenwerte Haus wieder verlassen haben, uns aber im unteren Bereich auf dem Rückweg noch ein wenig umschauen, und kamen u.a. auch durch das legendäre "1902 Restaurant", im dem die Tische schon prunkvoll gedeckt waren. Wer sich irgendwann einmal in Assuan aufhält, der sollte unbedingt ein paar Stunden in diesen besonderen Hotel verbringen.

07.11.2016 - Montag: Assuan und Abu Simbel - Um 3 Uhr klingelte mein Handy. Oh Gott ... mitten in der Nacht aufstehen ist so gar nicht meins. Obwohl die letzte Konvoipflicht in Ägypten, zwischen Assuan und Abu Simbel,  Mitte Oktober 2016 abgeschafft wurde, hatten wir uns entschlossen so früh wie möglich los zufahren, denn unser Schiff wollte pünktlich um 13 Uhr von Assuan wieder in Richtung Luxor ablegen. Was vor der Abfahrt zum Tempel geblieben ist, ist Anmeldung von Touristischen Fahrten und ein Sammelpunkt, an dem sich alle angemeldeten Fahrzeuge abmelden müssen, bevor sie ab 4.30 Uhr losfahren können (Stand 11.2016). Da Abu Simbel in der Regel nicht im Ausflugsprogramm einer Nilkreuzfahrt enthalten ist und fakultativ gebucht werden kann, hatte sich unsere siebenköpfige Gruppe schon im Vorfeld entschlossen diesen Trip über Emad Saladien zu buchen und sparten somit p.P. 25 €. Los geht`s: Aufstehen, anziehen, Rucksack schnappen, ab in die Bar, wo ein noch im Halbschlaf befindlicher Kellner für die Ausflügler "Frühaufsteher-Kaffee" und ein bisschen Krümelkuchen aufgebaut hatte. Unser Minibus startet vor den restlichen „Pauschaltouristen“ und fuhr durch´s schlafende Assuan zum Abfahrtspunkt. Dort warteten schon 2 bis 3 Fahrzeuge, kurze Kontrolle und schon konnten auch wir weiter.

Dass sich die Fahrt durch die Wüste, lang wie ein ausgelutschter Hubabuba-Kaugummi zieht wusste ich noch vom März 2014, und hin und wieder übermannte uns die Müdigkeit. Auch der Sonnenaufgang war an diesem Morgen kein wirklicher Ersatz für ein schönes warmes und bequemes Bett, da er nur aus dem zügig fahrenden Bus beobachtet werden konnte. Die einzige, aber sehr willkommene Abwechslung bestand aus einer kleinen Pinkelpause an einer kleinen Wüstenraststätte, einem ausgebrannten Buswrack, das man einfach in der Wüste entsorgt hat und dem Seitenkanal des Toschka Bewässerungsprojektes. Perfekt war allerdings, dass wir super früh in Abu Simbel eintrafen und nur ein paar Chinesen und Japaner etwas eher eingetroffen waren. Nachdem die ersten Blicke auf den riesigen, tief dunkelblauen Nasser See und den weltberühmten Tempel fielen, war die etwas eintönige Fahrt an diesen einzigartigen Ort, sehr schnell vergessen. Einmaliges in Worte zu fassen, ist eine echte Herausforderung. Die beiden Tempel sind einfach nur gigantisch und traumhaft schön! Wer da auch beim zweiten oder auch dritten Besuch unbeeindruckt bleibt, ist m.E. Hopfen und Malz verloren! Vor einem 3.000 Jahre alten Bauwerk zu stehen, das für mich immer noch so gut wie neu aussieht, ist kaum in Worte zu fassen. Verlässt man den „großen“ Tempel und biegt nach links, gelangt man zum s.g. kleinen Hathor-Tempel, den Ramses II seiner Lieblingsfrau "Nefertari" geweiht hat. Mit ein wenig Fantasie und flüchtigen Blicken auf die 10 Meter hohen Statuen an der Fassade bekommt man leicht das Gefühl, als wollten sie jeden Moment, mit dem linken Bein voran, aus der Felswand treten. Dies Tempelareal ist einfach nur gigantisch und wunderschön und das die beiden Bauwerke hier nicht schon immer standen, sondern 90 Meter von unten nach oben versetzt wurden, damit sie nicht auf nimmer Wiedersehen im Nasser See versanken und genau so, wie sie einst von Menschenhand erschaffen, wieder zusammengesetzt wurden, wird mir wohl immer unbegreiflich bleiben. Eine wahre und einzigartige Meisterleistung!

Im Tempelinneren ist das Fotografieren untersagt und wird in der Regel auch recht gut überwacht. Was viele asiatische Gäste allerdings nicht davon abhielt ihre Smartphones zu zücken und natürlich Selfis live nach China oder Japan zu schicken. Was mich aber viel mehr störte war: Sie müssen alles anfassen, egal was es ist, sie müssen es an grapschen. Und auf entsprechende Hinweise „No Touch“ reagierten sie mit völligem Unverständnis. Wenn die Guides hier nicht sensibilisiert werden und wie bisher nicht reagieren, wird auf längere Sicht ein nicht wieder gutzumachender Schaden entstehen.

Mit irre vielen fantastischen Eindrücken im Kopf, machten wir uns gegen 10.30 Uhr wieder auf den Weg zurück nach Assuan und mussten feststellen, dass man die Rückfahrt etwas weniger Dröge als die Hinfahrt empfindet. Zudem einige Fata Morganen das Ganze ein wenig auflockern und uns ablenken. Pünktlich zum Mittagsbuffet waren wir wieder auf unserem Hotelschiff und wunderten uns, dass das Schiff nicht ablegte. Unglücklicherweise hatte der Bus der restlichen Tempelbesucher auf dem Rückweg von Abu Simbel nach Assuan mitten in der Wüste eine Reifenpanne. Runde zwei Stunden nach Plan hieß es erst Leinen los, fuhren wir recht flott nilabwärts in Richtung Kom Ombo und legten ca. 130 km von der wunderschönen Stadt Assuan entfernt wieder in Edfu zur Übernachtung an.

08.11.2016 - Dienstag: Besuch eines „tiefer gelegten Tempels“ - Auf meinen bisherigen Nilkreuzfahrten gehörte immer nur die nahegelegene Schleuse in Esna und nicht der Chnum Tempel in der Stadt dazu. Es gab Zeiten, da wurde er von den Reiseveranstaltern, warum auch immer, gemieden. Das hat sich zum Glück wieder geändert. Um ihn zu besuchen braucht man auch keine Reiseleitung, denn vom Schiff aus ist es nur einen ca. 200 m kurzen Fußweg durch einen kleinen Bazarteil entfernt. Vom Schiff aus geht`s zunächst am Kai entlang, eine Treppe hoch und schon muss man sein Eintrittsticket zum Tempelbesuch für 30 LE kaufen (auch wenn man ihn gar nicht besuchen will). Sollte man dann ggf. nicht genau wissen ob nach links oder rechts, ist auf jeden Fall sofort jemand zur Stelle der einen in die richtige Richtung schickt.

Wie der Tempelname schon vermuten lässt, war er einem widderköpfigen Gott namens Chnum (auf dem Relief rechts) und u.a. seiner Gefährtin Neith geweiht, der in der altägyptischen Mythologie als Schöpfergott allen Lebens und auch von Götter galt. Chmum Tempel findet man an mehreren Orten Oberägyptens. U.a. auch in Assuan auf der Elephantine Insel. Der in Esna wurde (so steht es jedenfalls überall geschrieben) in ptolemäischer und römischer Zeit, man nimmt an auf den Resten eines aus der 18. Dynastie stammenden Heiligtums errichtet, bis er irgendwann in Vergessenheit geriet und im Laufe der Zeit durch vielfältige Umwelteinflüsse, hauptsächlich aber durch das damals noch jährliche stattfindende Nilhochwasser, unter fruchtbarem Nilschlamm, Wüstensand und Schutt versank. So erklärt sich das heutige Bodenniveau der Stadt, das gute 8-9 Meter höher als das zur Entstehungszeit des Tempels ist und von dem es eigentlich nur die Vorhalle (Pronaos) freigelegt wurde. Um sich diese näher anzuschauen muss man zunächst eine Stahlleiter, wie in eine Baugrube, runter steigen. Wer den Tempel von Dendera schon einmal besucht und gesehen hat, der wird ganz sicher eine gewisse Ähnlichkeit nicht abstreiten können. Von oben sieht der Tempel eigentlich recht klein aus, das ändert sich wie so oft spätesten wenn man davor steht. Allerspätestens aber wenn man das Innere des Pronaos betritt - hält man die Luft an. Die Decke wird von insgesamt 24 mächtigen Säulen gehalten, die an ihrem Ende mit herrlichen Kapitellen enden, die ich so und in dieser Vielfältigkeit in ganz Ägypten noch nie gesehen habe.

Während die anderen sich einer ausführlichen Tempelbesichtigung hingaben, zog es Birgit und mich in den angrenzenden so urtypisch wirkenden alten und überdachten Bazarteil, von dem ich in einer Reisebeschreibung aus dem Jahr 1837 gelesen hatte. Damals zog sich das Ganze allerdings noch rund um das Tempelgebäude, das seinerzeit u.a. als Baumwollager diente. Zuerst hatten sie zweifel, ob die alte Bretterdecke des Bazars auch halten würde, aber die Neugierde siegte. Hier haben sich kleine Krimskrams-Geschäfte, Handwerksbetriebe, wie Schneidereien, Färbereien, verarbeitende Baumwollwerkstätten, einen Korbmacher, einer der Holzstühle und Kleiderständer zusammen nagelt, Geschäfte mit Haushaltwaren, Klamotten und Koffer, Gemüsehändler, Bäckereien  und sogar ein Barbier niedergelassen. In diesem Teil, wenn man sich links neben dem Tempel orientiert, ist Esna wie vor mehr als hundert Jahren. Sehr wenig scheint sich verändert zu haben, aber die Menschen findet alles was sie zum täglichen Leben benötigen und das auf engstem Raum. Und wer dann immer noch nicht genügend "altes" gesehen hat, der sollte auf den Weg zum Schiff, kurz vor dem Ausgang des Touristenbasar, unbedingt auf der rechten Seite auf das alte El Amri Minarett achten. Ein sehr schönes ca. 24 m hohes Überbleibsel aus der Fatimidischen Zeit, von denen es landesweit nicht mehr all zu viele gibt. Spontan fällt mir da nur das eine in El Qusier am Roten Meer ein. Schade, dass die Zeit zu weiterem wieder einmal nicht ausreichte, um Esna etwas näher zu inspizieren. Sicher gibt es noch einiges mehr was die Stadt zu bieten hat. Die Menschen in und um Esna leben auch heute noch überwiegend von der Landwirtschaft, Handwerk und dem Anbau von Baumwolle. Mitte des 19. Jahrhunderts war sie sowas wie ein Verbannungort der Freudenmädchen aus Kairo, die hier wieder zu ehrhaften Menschen werden sollten. 

Zurück zur Gegenwart: Schon während der "Schlacht" am Mittagsbuffet legte die Legacy wieder ab, passierte die Schleuse und fuhr mit der Strömung zügig flussabwärt bis zu unserem Ausgangspunkt Luxor, wo wir noch vor Sonnenuntergang wieder angelegten. Die gemeinschaftlichen Abende verbrachten wir die gesamte Reise über bis spät in die Nacht auf dem Sonnendeck. Meist hieß es, eine rauchen wir noch und dann geht es ins Bett ... aus der einen wurden zu 99% mehrere.

Mittwoch 09.11.2016 - Besuch im Handwerkerdorf Garagos- Vorletztes Frühstück auf der MS Steigenberger Legacy. Während der pauschale Teil der Gruppe programmgemäß zu der einzigartigen Karnak-Tempelanlage fuhr, machten wir zu dritt einen Trip ins wahre, heutige Leben Ägyptens und fuhren mit Emad Saladin in´s nur rund 25 km entfernte Dorf Garagos, von dem ich vor einigen Monaten erfahren und recht spannendes gelesen hatte. Zu erst steuerten wir die kleine Jesuiten-Kirche, mit angrenzender Schule und Kindergarten an, allerdings öffnete auf unser klingeln hin niemand. An den Reaktionen der Dorfbewohner merkte man schnell, dass hier schon lange keine Touristen mehr zu Besuch waren. Vor der Tür kam eine Marktfrau mit einer Schubkarre und ihrem auf einem Esel sitzenden Sohn die Gasse entlang gefahren und bot ihr frisch geerntetes Gemüse an. Möhren, Paprika und Gagir. Es gibt nichts leckeres als frischen ägyptischen Gagir, den wir unter dem Namen Ruccola kennen. Für ein paar Piaster konnte ich ein Sträußchen mein Eigen nennen und hoffte, dass es in eine Tüte gepackten den Rest des Tages einigermaßen überlebte. Die beiden schauen immer wieder zu uns zurück, denn ich hatte keine Piaster und gab ihnen 2 LE für dieses herrliche Gemüse, das ich so liebe.

Als nächstes versuchten wir unser Glück in der nur ein paar Minuten entfernten Töpferei, in der u.a. wunderschöne Gegenstände für den alltäglichen Gebrauch hergestellt werden sollen. Aber noch faszinierender ist für mich die Dorfgeschichte: Vor mehr als 150 Jahren kam ein Jesuitenpater in das kleine agyptische Dorf Garagos, baute eine Kirche, gründete ein Krankenhaus und eine Schule. Die Kirche und die Schule existieren bis heute. Neben der Landwirtschaft begann er zudem das Töpferhandwerk zu etablieren und schuf damit eine Einkommensgrundlage für die Menschen. Um 1950 holte sich der seiner Zeit leitende Pater einen der bekanntesten Architekten des Landes zur Hilfe und beauftragte ihn aus der kleinen Töpferwerkstatt eine effiziente Fabrik zu erbauen. Hassan Fathy (*1900 in Alexandria - †1989 in Kairo) machte sich ans Werk. Er entwarf und baute einen Gebäudekomplex, der sich der Umgebung der Menschen, deren Arbeitsabläufen perfekt anpasste und genau so bis heute funktioniert. Getöpfert wird mit nur erstklassigen, aus Assuan kommenden Tonmaterial. Wir konnten die einzelnen Schritte von der Gewinnung des Rohmaterials bis hin zur Bearbeitung der formbaren Masse auf der Töpferscheibe beobachten. Der Antrieb der Töpferscheibe, ein Holztritt mit Drahtseilen verbunden, ist noch derselbe, der damals eingebaut wurde. Schnell und faszinierend geschickt formten flinke Hände aus einem unansehnlichen „Schlammklops“ einen Krug.

An der Wand eines der Arbeitsräume hängen zwei Bilder und voller Stolz erzählte man uns wer darauf  Abgebildet ist: Dass eine zeigt den Erbauer Hassan Fathy im hohen Alter. Und das Andere aus dem Jahr 1986 erzählt vom hohen Besuch des schwedischen Königspaares Carl XVI Gustaf und seiner Frau Silvia, die die Töpferei auf einer Ägyptenrundreise besuchten hatten. Anschließend betraten wir einen Raum, in dem viele fertige- und halbfertige Töpferarbeiten gelagert waren. Wegen der vielen Krippenfiguren kamen vorweihnachtliche Gefühle auf. Hier wird allerdings das ganze Jahr über, wie oben schon angemerkt, u.a. für große, einmal im Jahr stattfindenden Messen und Ausstellungen gefertigt.

Auch in Deutschland konnte man bis vor ein paar Jahren Töpferwaren aus Garagos kaufen. Bis zum Herbst 2015 gab es jedes Jahr (so ergaben meine Recherchen) einen s.g. Garagos-Bazar in Elkhausen, einem Ortsteil von Katzwinkel (Westerwald), der von den in dem oberägyptischen Dorf lebenden und arbeiteten Comboni-Ordensschwestern (Ordensgemeinschaft der römisch-katholischen Kirche) mit organisiert wurden, wo u.a. auch Gegenstände aus der Töpferei ausgestellt und gekauft werden konnten. Nur zwei Jahre fehlten, dann hätte man ein wundervolles 40-jähriges Jubiläum feiern können, aber leider musste nach 38 Jahren das Ende eingeläutet werden. Wegen der unsicheren Lage, Personal- und Finanzmangel und auch wegen des öffentlichen Drucks auf die Ordensschwestern haben sie den Ort verlassen müssen und agieren nun an anderen Ordensstandpunkten in Ägypten. Aber auch in Hurghada bekommt man die herrlichen Gegenstände aus der Töpferei und zwar in der "Al Mazzar Galerie" die sich innerhalb der Senzo Mall befindet.

Am Ende unseres Besuches durften wir in die Lagerhalle, in der wunderschöne für den Verkauf bestimmte Keramik-Gegenstände allen Größen, Formen und Arten bis unter die Decke gelagert werden und auf den Abtransport zu Messen und Ausstellungen warten. Egal ob Schüssel, Tassen oder Teller jedes Stück ist einzigartig. Vieles hätte ich sehr gern mitgenommen und kaufte zwei Teetassen für besondere Menschen und hoffe das sie darüber freuen.

Wir versuchten unser Glück noch einmal bei der Jesuiten-Anlage mit Ordenskirche, Kindergarten mit einer integrierten Grundschule. Bei unserer Ankunft kamen uns die Kleinen, alle in rot-weiß karierten Kittelchen gekleidet, paarweise Händchen haltend entgegen und sahen uns schüchtern an. Die Kindergartenanlage sieht fast genauso wie bei uns. Spielecken mit Wippen und überall hingen herrliche Ergebnisse von Bastel- und Malstunden. Am Eingang zum großen Spielraum steht sogar ein großer Schneemann und in einer hinteren Ecke sogar ein großer eingezäunter Bälle-Pool. Die Schwestern in diesem überkonfessionell geführten Kindergarten und Grundschule leisten unglaublich wichtiges für die Zukunft der Kleinen. Mädchen und Jungen lachen, weinen, lernen und spielen zusammen, egal ob kleine Christen und/oder kleine Muslime. Hier fiel mir spontan der Liedtitel von Herbert Grönemeyer wieder ein:  Kinder an die Macht ...

Unser nächstes Ziel führte in die nicht weit entfernte Stadt Qus, die schon seit Jahrhunderten existiert und u.a. Zwischenstation für Mekkapilger und Karawanen gewesen sein soll. Heute kennt man sie nur noch, weil hier Papier aus Zuckerrohabfällen hergestellt wird und wegen seiner uralten Ölmühle, die sich etwas versteckt in den engen Gassen des Marktviertels befindet. Allein hätte ich da nie hingefunden. Wer in der Gegend von Luxor ist sollte sich dieses Highlight eines Einblicks ins wahre Leben nicht entgehen lassen. Jeder Besucher, der die kleine Ölmühle aufsucht, die wegen ihrer hochwertigen Produkte weit über die Stadtgrenze hinaus bekannt ist, bekommt einen erstaunlichen Einblick wie auch ohne große Industriemaschinen produziert werden kann. Produktionswerkzeuge sind drei Ölpressen. Eine der  Mühlen, deren großer Mahlstein aus Rosenquarz besteht und immer noch von einer Kuh in Gang gesetzt wird, steht im Verkaufsraum. Hier werden Öle von A wie Aleovera bis Z wie Zimtöl von hervorragender Reinheit und zu 100% ohne chemische Zusätze hergestellt, die zur äußeren und auch inneren Anwendung genutzt werden können. Im Angebot sind Behältnisse von 50 ml bis 5 Liter. Ich konnte nicht anders und kaufte mir 1 x Zitronenöl und ein herrlich duftendes Rosenöl in je 100 ml Fläschchen. Aber auch verschiedene Cremes, Tinkturen für allerlei Wehwehchen, Haarshampoo oder Teesorten fehlen nicht im Angebot des kleinen Ladens. In keinem Geschäft Ägyptens hab ich je so einen fantastischen Malventee in Beutelform bekommen, der dem aus den Assuan-Blüten, bis auf´s Haar gleicht. In dem sehr kleinen Verkaufsbereich der Mühle herrschte ein Kommen und Gehen, dem Betrieb einer U-Bahn gleich, der Laden scheint nie leer zu sein. Schon heute weiß ich, dass ich diese herrlich kleine Ölmühle in Qus noch einmal besuchen werde – nein muss!

Zum Abschluss eines, wieder einmal herrlich ereignisreichen Tages, aber auch zur Krönung unserer gemeinsamen Reise, hatten wir uns noch zu einem ganz besonderen kulinarischen Highlight verabredet - Eis essen bei „WENKIES“. Ohne weiteren Stop fuhren wir von Qus aus nach Luxor in die El Gawazat Street, in der sich das einzige deutsche Eis Café Luxors befindet und meiner Meinung nach auch das beste in ganz Ägypten. Einfach war es für die beiden Ravensburger nicht, gut zwei Jahre lang liefen Babette und Ernst Wenk von Behörde zu Behörde, erst dann hatten sie endlich alle benötigten Genehmigungen zusammen. Wie gut, dass sie ihren Traum nicht aufgegeben haben. Zur Belohnung bekam "Wenkie's German Ice Cream & Iced Coffee Parlour" vom ägyptischen Tourismusministerium drei Sterne verliehen. Welches ägyptische Eiscafé kann das schon von sich behaupten? Was die Beiden seit Sommer 2013 an kreativen Eissorten  produzieren und ihren Gästen servieren, lässt so manchen Gaumen vor Freude Purzelbäume schlagen. Denn nur hier gibt es einzigartiges, herrliches Eis aus reiner Wasserbüffelmilch, frischem Saisonobst in unzähligen, aber vor allem natürlichen Geschmacksrichtungen, ohne irgendwelche Zusätze, wie z.B. Wasser, Sahne, oder gar Geschmacksverstärker, Aromen oder ähnliches - also Natur pur - und das Ganze nach deutschen Herstellerrichtlinien. An diesem Nachmittag bin ich (mehrmals) bei Karkadee (Malvenblüten), Sesam und Schocko geblieben.

Während die Anderen zum Abendessen zurück auf´s Schiff mussten, holte man mich zu einer besonderen Einladung bei Freunden in Luxor ab, die ich sicher nicht vergessen werde. Alf Shukr - es war fantastisch lecker! Gegen 21 Uhr kam auch ich wieder auf der Legacy an und wurde an der Rezeption mit der Frage empfangen: "Will Madame noch Abendessen? Wir haben auf sie gewartet!" ... Nein, sie wollte nicht!

Nur noch ein paar Stunden und unsere gemeinsame Nilfahrt gehörte der Vergangenheit an. Die sieben7 Tage mit lieben Leuten, hoch interessanten Gesprächen, viel Lachen und mit einem Feuerwerk an Erlebnissen waren wie immer viel zu schnell vergangen. Es war super toll mit euch und könnte unbedingt wiederholt werden.

Donnerstag 10.11.2016 - Alles vorbei! – Die Koffer waren gepackt und standen aufgereiht in der Lobby. Für die, die kein AI gebucht hatten kam nun die Stunde der Wahrheit ... die Getränkerechnung der letzten sieben Tage wollte beglichen werden. Ich war gespannt und anschließend angenehm überrascht. Meine Rechnung betrug 252 LE - das waren zum damaligen Kurs ca. 18 €.  Ein letztes gemeinsames Frühstück und dann hieß es Abschied nehmen. Während die Gruppe für eine weitere Urlaubwoche nach Theben West fuhr, zog es mich zurück nach El Gouna. Auf dem Anlegerparkplatz wartete ein PKW für die Rückfahrt, die runde 3 ½ Stunden später, aber nie Langweilig werdend, in der Lagunenstadt am Roten Meer endete. 

Freitag 11.11.2016 - Schönes El Gouna - Ausschlafen kann man auch zu Hause. Wie meistens hielt es mich auch an diesem Morgen nicht all zulange im Bett. Gegen 10 Uhr startet ich meinen kleinen PKW und düste in Richtung Norden zum Mangroovi Beach, der seit einiger Zeit total umgestaltet wurde und einem Edel-Beach-Club, der auf meiner Lieblingsinsel Mallorca durchaus das Wasser reichen kann. Der Himmel war nicht ganz so strahlend blau wie die Farbe meines Autos, aber die Sonne schien und es gab genau den Wind, den die Kitesurfer so lieben um ihrem Sport zu frönen. El Gouna bietet eigentlich alles was man sich im Kite-Sport wünschen, so gut wie immer Wind, riesige Stehbereiche und unendlich viel Platz. Soweit mir bekannt ist, haben zwei Hotels, das Mövenpick und das Labranda Paradisio, sogar hoteleigene Kitebereiche. Die anderen Spots liegen in nördlicher Richtung am Roten Meer entlang, die mit TuckTucks, TockTock oder Tuxi recht schnell zu erreichen sind. Nur zu einem, einer weit draußen auf dem Meer liegenden riesigen Sandban, kommt man ausschließlich per Boot. Vom Mangroovi Beach fuhr ich weiter zum "ELEMENT" Kite-Center, das erst Anfang November 2015 eröffnet wurde und unter Deutscher Leitung ist. Hier kann man aber nicht nur mit seinem Kiteschirm in die Luft gehen, oder mit einem Surfbrett über´s Meer gleiten. Auch kulinarisch wird einiges geboten: Das Restaurant hat eine Vielzahl an mediterranen Gerichten auf der Karte und an der Beach Bar gibt´s vom Cappuccino über frisch gepresste Säfte bis hin zu diversen Cocktails so einiges was den Urlaub zum Dolce Vita werden lässt. Von der strandnahen Chill-Out Zone mit Shischa Ecke hat man einen tollen Blick auf den Spot, der bei Sonnenuntergang in wunderschöne weiche und warme Farben getaucht wird. Natürlich wurde auch an die lieben Kleinen gedacht, für sie hat man einen schönen Spielplatz, u.a. mit Klettergerüst, diversem Spielzeug, angelegt und sogar eine kleine Formel Eins-Strecke für Bobby-Cars gebaut. Und wer nur zum Sonnenbaden kommen wil, der legt sich einfach an den Strand. Ich hatte mich zu einem schönen Strandspaziergang entschlossen, die leider immer wieder zu kurz kommen. Solche hübschen Gehäuse einer Stachelschnecke mit harten nadelspitzen Ausläufern gibt es  hier überall, mal auf dem Sand, mal vergraben, aber vor allem auch im Wasser. Für jeden, der ohne Wasserschuhe auf so ein Gehäuse tritt, für den ist der Urlaub gelaufen.

Um 13 Uhr wartete eine spontane Einladung zum Hühnerbein essen und ich machte mich auf den Rückweg. Vorbei am Mosaiqe Hotel, das sehr gern von Kite-Urlaubern, wegen seiner Nähe zu den Spots gebucht wird, entdeckte ich sehr schöne Graffitis, die alles gleich viel bunter machten.

Grillhähnchen in Ägypten schmecken mir einfach besser als bei uns - lecker lecker! Beim Mittagessen erfuhr ich, dass meine Freunde in der Nacht unbedingt noch einmal zum Konsulat, zur Botschaft, usw. nach Kairo fahren mussten und ich konnte mit. Wie toll. Es würde bestimmt anstrengend, aber auch sehr unterhaltend sein, da ich unglaublich gern mit ihnen zusammen bin. Geplant war zudem ein Besuch bei IKEA und eine Übernachtung im Fairmont Hotel, direkt am Nil gelegen. 

Bis dahin war ja noch ein bisschen Zeit. Kultur am Roten Meer – Wird sicher nicht in einer Reizüberflutung enden, aber es gibt diese und es sind nicht nur die berühmten Klöster St. Paulus und St. Antonius. Seit einigen Jahren hatte ich eine „Festung im Kopf“, die es in der Nähe von El Gouna gibt und wusste nur nicht genau, wie man hinkommt und verlor sie zeitweise wieder aus den Augen. Bis mir mein kleiner, lieber und unglaublich wissbegieriger „Urlaubsenkel“ beim Mittagessen erzählte, dass er vor ein paar Tagen mit seiner Schulklasse an einem Ort war, der mich evtl. interessieren könnte. Na und wie! Wir verloren nicht viel Zeit und fuhren noch am gleichen Tag zu genau der Festung, die ich schon so lange besuchen wollte und unter dem Namen "Abū Schaʿr" kannte. Im Südosten an der Ortsgrenze El Gounas, die durch einen alten Stacheldrahtzaun markiert ist, finden man die Überreste der Festung Abū Schaʿr oder auch Deir Umm Dahays genannt. Von weitem dachte ich spontan an die vielen in der Wüste abgeladenen Bauschuttberge, erst aus der Nähe kann man erkennen, dass es unter Umständen auch etwas anderes sein könnte. Aus gefunden Inschriften ergaben sich Hinweise, dass die Festung um 309–311 n.Chr. errichtet wurde und Teil eines römischen Militärlagers gewesen sein könnte. Vermutet wird, dass dort eine ca. 230 – 250 Mann starke Kamelstaffel der Abteilung ala Nova Maximiana stationiert gewesen ist. Festungszugänge, die man heute noch erkennen kann, gab es an der Nord- und Westseite und zudem lassen sich im Inneren noch recht deutlich Grundrisse von evtl. Unterkünften usw. ausmachen. Wer die Anlage besuchen möchte sollte BITTE unbedingt darauf achten: nur die vorhandenen Trampelpfade zu betreten. Für die Anfahrt evtl. gut zu wissen: man durchquert ein Revier von wilden Hunden, dass sie vor Eindringlingen rigoros verteidigen. Sie verfolgten uns noch eine ganze Weile, sprangen ohne Angst vor´s Auto und bellten sich die Lunge aus dem Leib.

Am Abend war großes Treffen und oberleckerem Essen bei Thorsten und Ivan im Swiss House "Chuchi+Chäschtli", dem einzigen Schweizer Restaurant am Roten Meer.  In ganz El Gouna gibt es wohl kein zweites Lokal, das so beliebt und jeden Tag voll besetzt ist und wo Quallitativ alles zu 100% stimmt - dann zahlt man auch gern mal annähernd europäische Preise. Da ich mit Freunden aber in der Nacht um 3 Uhr nach Kairo fahren wollte, brachen wir nicht allzu spät auf. Auch wenn die Schlafzeit, in Stunden gezählt, recht kurz war, freute ich mich riesig auf unsere gemeinsame Zeit und auf die Strecke in die Megastadt, die ich im März 2010 das letzte mal per GO-Bus gefahren war und bis heute nicht vergessen kann. Damals hatte es mich spontan für drei Tage nach Kairo gezogen - alles war perfekt gelaufen - bis auf die Rückreise. Das Bus-WC war so voll, dass man die Tür eigentlich nicht mehr hätte öffenen dürfen, was viele männliche Passagiere allerdings nicht davon abhielt, dies doch zu tun und der Bus zu allem Übel, nur einmal und irgendwo im nirgendwo, gehalten hatte.

12. und 13.11.2016 - Wir starteten um 4 Uhr in Richtung Hauptstadt, hielten zum Frühstück am Rastplatz Zafarana, kamen am gigantischen Touristenresort "Port Sokhna" vorbei und fuhren gegen 8 Uhr schon über die inzwischen sechsspurige Katamey-Road auf Kairo zu. Schleichend wechselt der Himmel seine Farbe und er verfärbte sich vom strahlenden Blau in immer mehr werdenen grauen Schattierungen, je näher wir der Metropole kamen. Fast unglaublich was in der Region rechts und links der Autobahn an Industrieanlagen gebaut wurde und wird.

Es folgten zwei Tage Kairo mit nervenaufreibenden Behördengängen für meine Freunde. Für mich mit interessanten Begegnungen und für uns gemeinsam mit einer Nacht in einem Hotel, mit Zimmer- und Suitenausstattungen, einem Spa-Bereich, einem Fitnessbereich ... bei dem jedes Studio vor Neid erblassen würde, und einem Sky-Pool auf dem Hoteldach im 23. Stock, wie ich es noch nie gesehen, bzw. erlebt habe. Schon am Hoteleingang wurde uns der Wagen von einem Butler abgenommen und in der Tiefgarage geparkt. "Willkommen in einer anderen Welt" Durch einen Buchungsfehler des Hotels quartierte man uns sozusagen als Entschuldigung in den Bereich "Fairmont Gold" ein und konnten zum Check-In vorbei an den "normalen Gästen" mit einem glitzernden Fahrstuhl gleich in den 15. Stock fahren, wurden mit einem herrlich fruchtig schmeckenden alkoholfreiem Coktail empfangen und im Anschluß mit den besten Wünschen für einen angenehmen Aufenthalt zu unserern Zimmern, bzw. Suite geleitet.  

Mein "Gold-Deluxe Nil-Room" hatte neben einem Bett für drei Leute, einen grandiosen Blick auf die Nil-Insel Zamalek und natürlich den Fluss selbst, den ich sogar vom Bett aus im Lichterschein genießen konnte. Die Gold Nil-Suite meiner Freunde hatte mindestens 60 m² mit einem riesigen Badezimmer. Allein die Duche war so groß wie mein gesamtes Badezimmer. Zum Buchungsstatus gehörte zudem der kostenlose Zugang zur "Fairmont Gold Lounge" mit mehreren Serviceangeboten, wie u.a. einem gigantischen Frühstücksbuffet, 5 Uhr-Tee mit Kuchen, Keksen und Häppchen und Minibar-Abendservice. Wohnen im "Fairmont Nil City Tower" bedeutet Luxus pur und weil sowas zu mir so gar nicht passt will ich auch nicht weiter darüber erzählen. Was mich aber immer wieder wundert ist, dass es jede Menge Menschen gibt, die mit Luxus sehr selbstverständlich umgehen. Ich durfte es mir anschauen und habe es auch sehr genossen, aber zur Regel wird so ein Haus für mich wohl nie werden.

Viel spannender war ein Besuch in der Festival-City Mall, unter anderem im schwedischen Möbelhaus IKEA, das revolutionsbedingt mit einigen Jahren Verzögerung im November 2013 seine Tore in der Megastadt eröffnet hatte. Auf ca. 33.000 m² kann man fast alles kaufen, was es bei uns auch gibt. Natürlich "Weihnachtete" es auch in Kairos IKEA-Möbelhaus an allen Ecken. Vieles aus dem Sortiment kannte ich schon, da man bei uns ja schon Ende September begonnen hatte auf diese besondere Jahreszeit einzustimmen, aber die kleinen LED-Schüttel-Lämpchen in Herzform waren mir völlig neu. Meine beiden Enkelkinder fanden sie später genau so toll wie, ihre Oma. Anschließender Nachschub war zu Hause leider nirgends zu bekommen.

14.11.2016 - Wieder zurück in El Gouna verflogen die restlichen Stunden wie im Flug. Wieder einmal hieß es Abschiednehmen, lästiges Kofferpacken, ein letzter Blick von meinem Balkon und die Fahrt zum Flughafen. Kopfkino: Im Gedanken ging ich die Orte noch einmal durch, die ich dieses mal besucht hatte und stellte fest, dass es so gut wie eine Reise quer durch´s Land war. Von El Gouna aus nach Sharm el Sheikh, später nach Luxor, von dort nach Assuan und weiter nach Abu Simbel, zurück über Kom Ombo, Edfu, Esna, Qus und natürlich der Kurzbesuch in der Stadt aller Städt - Kairo.

Der Rückflug startet pünktlich - ein Blick aus dem kleinen Flugzeugfenster - die Sonne verschwand hinter den Bergen - bis bald Ägypten - in ein paar Monaten sehen wir uns wieder.

 

 

 

 

 

 

Neuen Kommentar schreiben